Ideen für weiteren Radweg durch den Rheingau gesucht

Seit der Leinpfad im Rheingau asphaltiert ist, hat die Zahl der Radfahrer drastisch zugenommen, zum Leidwesen der Spaziergänger. Foto: bsd

Seit einigen Jahren gibt es Überlegungen, einen dritten Radweg durch den Rheingau zu führen. Bei der Suche nach der optimalen Streckenführung sollen auch die Bürger mithelfen.

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Rheingau. Der schmale Leinpfad wird von vielen Radfahrern und Fußgängern genutzt. Auf dem Fernradweg R 3 in den Weinbergen ist bei schönem Wetter auch eine Menge los. Seit einigen Jahren gibt es deshalb Überlegungen, einen dritten Radweg durch den Rheingau zu führen, für Pendler und andere, die das Fahrrad im Alltag nutzen, aber auch für den Radfahrer, der sich in seiner Freizeit aufs Rad setzt. Winfried Steinmacher (SPD), Vorsteher des Zweckverbands Rheingau und Kiedricher Bürgermeister, gab jetzt den Startschuss für die Machbarkeitsuntersuchung einer Radverbindung von Wiesbaden nach Rüdesheim, die der Zweckverband Rheingau und die Stadt Wiesbaden in Auftrag gegeben haben und die das Land mitfinanziert. Bei der Suche nach einer geeinigten Streckenvariante setzen die Planer auf die Mithilfe der Bürger. Am Freitag ist dafür die Homepage freigeschaltet worden.

Homepage seit Freitag freigeschaltet

Als erster hat Steinmacher in die Karte einen Radweg von Kiedrich ans Eltviller Rheinufer eingetragen. Zu sehen sind der Vorschlag Steinmachers und die Ideen der anderen, die, so hoffen die Planer, zahlreich kommen werden, auf der Homepage nicht. Das sei ganz bewusst so, damit sich jeder unvoreingenommen seine eigenen Gedanken machen könne, erläuterte Thorsten Zobel vom Planungsbüro RV+K, das die Machbarkeitsuntersuchung gemeinsam mit dem Zentrum für integrierte Verkehrskonzepte (ZVI) macht. Gesetzt den Fall, eine Streckenführung werde häufiger vorgeschlagen, sei dies für die Planer eine wichtige Erkenntnis.

Eigentlich geht es aber nicht um einen Weg von Kiedrich nach Eltville, sondern um eine Verbindung von Wiesbaden nach Rüdesheim, auf der Radfahrer mit mehr Tempo fahren und deshalb in der gleichen Zeit auch weitere Strecken zurücklegen können. Das setzt voraus, dass sie keine großen Umwege fahren müssen, die Wege möglichst wenig Steigung haben und es möglichst wenig Kreuzungspunkte mit dem übrigen Verkehr gibt. 2019 hat das Land Hessen Korridore ermittelt, die ein überdurchschnittlich hohes Radverkehrspotenzial aufweisen, darunter auch den Korridor Rüdesheim-Wiesbaden, erläuterte Stephan Kritzinger vom ZIV. Laut Steckbrief, den es für jeden Korridor gibt, liegt das Potenzial im Korridor Wiesbaden-Rüdesheim täglich im Durchschnitt zwischen 1230 und 690 Radpendlern. Je weiter sich die Radfahrer von Wiesbaden entfernen, desto weniger werden sie. Ermittelt wurde das Potenzial allerdings nicht auf der Grundlage von Zählungen, wie Zobel erklärte. Mit dem Angebot werde auch Zahl der Nutzer wachsen, ist sich Kritzinger sicher.

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Ob Wiesbaden und Rüdesheim künftig ein Radschnellweg verbindet oder ein Raddirektweg oder eine Mischung aus beidem, oder eine Radverbindung, die einfachste Variante, ist offen. Ein Radschnellweg, an den es höhere Anforderungen gibt und der mit vier Metern auch breiter sein muss als ein Raddirektweg, kommt infrage, wenn der Weg im Durchschnitt täglich von über 2000 Radfahrern genutzt wird, eine Raddirektverbindung ab einem Potenzial von über 1500 Radfahrern am Tag.

Nun sollen in den nächsten 24 Monaten zunächst Streckenvarianten und dann eine Empfehlungsvariante erarbeitet werden. Zu klären ist, wo kann der Weg durch den Ort, wo muss er drumherum geführt werden? Wo können vorhandene Wege genutzt werden, wo muss neu gebaut werden? Bis zum 19. Februar können die Bürger auf der Homepage www.radfahren-rheingau-wiesbaden.de Vorschlage für Streckenabschnitte oder Ziele machen, an denen der Radweg vorbeiführen sollte. Auch an der Bewertung der Varianten soll die Öffentlichkeit wieder beteiligt werden.