„Weinst(r)and in Rüdesheim ist wieder regelmäßig offen

Die Holzhütte steht wieder in der Goetheanlage. Darauf haben viele Weintrinker lange gewartet. Foto: DigiAtel/Heibel

Nach langer Zwangspause ist es soweit: Der Weinstand in der Goetheanlage in Rüdesheim ist wieder regelmäßig offen. Die alte Holzhütte steht wieder, bis die Container kommen.

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RÜDESHEIM. Rasch werden die Tische noch mit verzinkten Eimerchen bestückt, in denen Margeriten blühen. Am Stamm einer hohen Kiefer steht zudem ein Wäschekorb voller grüner Decken, die können am „Weinst(r)and zum Goethe“ wahlweise auf den Bänken im Gras oder zum Schutz vor abendlicher Kühle auf den eigenen Beinen platziert werden. Es ist also alles bereitet für die Saison.

Und der Start an den Feiertagen ist gelungen. Besonders an Karfreitag waren die Mitarbeiter von Marcus Pretzel überrascht vom guten Geschäft. „Die Leute nehmen das hier sehr gut an und sind begeistert“, berichtet der Chef. Die Ruhe, der Blick auf den Fluss und natürlich das gastronomische Angebot ziehen offenbar in die Rüdesheimer Rheinanlagen – trotz des Bahnlärms.

Geduld lohnt sich nun

„Eigentlich können wir Eröffnung und Jubiläum in einem feiern“, meint Pretzel, denn die Geschichte des Weinst(r)ands umfasst schon mehr als zehn Jahre. Von 2008 bis 2010 stand der Geisenheimer schon mit seinem hölzernen Verkaufsstand in der Goetheanlage. Dann brach eine lange Zwangspause an, ehe im vergangenen Jahr immerhin ein zeitweiliger Wochenendbetrieb mit Zelt wieder möglich war.

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Legendär sind die Diskussionen um das Gastro-Projekt, Pretzel erkennt eine günstige Belebung durch die Kommunalwahl 2016. „Wir haben lange gewartet und gehofft, dass es wieder eröffnet wird – und da waren wir nicht die Einzigen“, erzählt Petra Weldemann aus einem Liegestuhl heraus. Die Rüdesheimerin schwärmt: „Als das hier das erste Mal aufgemacht hat, war das eine Sensation.“ Die gemütliche Atmosphäre schätzten viele Einheimische, „und es ist gut, dass der Betreiber so hartnäckig war“.

Beim Macher reicht das Konzept über den Holzstand hinaus. Sobald endlich die Baugenehmigung eingeht, will er zwei See-Container der 20-Fuß-Klasse aufstellen. „Das soll parallel laufen“ und die Holzkonstruktion ablösen. Die Container stellten einerseits eine Reminiszenz an den Hafenpark dar und böten den Vorteil, dass sie bei Hochwassergefahr problemlos innerhalb von 48 Stunden abzutransportieren seien.

Ideen rund um einen temporären Fischstand und andere Caterer hegt Marcus Pretzel ebenfalls. Vorerst wird an Wochenenden gegrillt; Snacks, elf offene Weine, andere Getränke und Kuchen gehen außerdem über die Theke – voraussichtlich ab Mai täglich. Dabei betont der Inhaber, dass er „selbstredend“ auch in dieser Phase eine Pacht an die Fremdenverkehrsgesellschaft bezahle, schließlich laufe der Betrieb ja.

An einer Flaschenweinkarte, die Rüdesheims Lagen repräsentiert, arbeitet Pretzel nach eigener Aussage. Eine feste Bestuhlung soll die Klapptische überflüssig machen, bei rund 100 Sitzplätzen sind zusätzliche Liegestühle vorgesehen für Rheingauer, Radfahrer, Schiffspassagiere, Camper und andere Touristen. Zu den Ausflüglern zählt Manfred Koch aus Holz bei Saarbrücken.

Er ist „rein zufällig“ auf den Weinst(r)and gestoßen, weiß nichts vom Hintergrund und findet: „Die Lage ist wunderbar, es iss schön do.“