Tourismusbeitrag würde manches in Rüdesheim erleichtern

Auch auf Schifffahrten könnte ein Tourismusbeitrag erhoben werden.Archivfoto: RMB/Heinz Margielsky  Foto:

In Rüdesheim geht es Schlag auf Schlag. Seit Montag darf sich die Stadt offiziell „Tourismusort“ nennen. Am Donnerstag konstituierte sich der Tourismusbeirat, der eine...

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RÜDESHEIM. In Rüdesheim geht es Schlag auf Schlag. Seit Montag darf sich die Stadt offiziell „Tourismusort“ nennen. Am Donnerstag konstituierte sich der Tourismusbeirat, der eine Satzung zur Erhebung des geplanten Tourismusbeitrags erarbeiten soll, den Gäste künftig in Rüdesheim zu entrichten haben. Bis die Satzung ausgearbeitet ist, dürfte allerdings noch viel Zeit vergehen, das deutete sich bereits bei der konstituierenden Sitzung des Beirats an. Während die Personalien schnell geklärt waren – zur Vorsitzenden wurde Freia Zehner gewählt, Geschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Westhessen, ihr Stellvertreter ist Ralf Nägler, Vorsitzender des Vereins Wirtschafts- und Tourismusförderung (WTF) – deuteten sich inhaltlich einige Diskussionen an.

Gäste zahlen ab 2019 zwei Euro pro Person und Nacht

Beschlossene Sache ist, dass ab 1. Januar 2019 Gäste pro Person und Nacht zwei Euro Tourismusabgabe zahlen müssen. Das hat das Stadtparlament in seiner Sitzung im Februar noch einmal bekräftigt. Zahlen sollen alle Übernachtungsgäste, egal, ob sie im Hotel, in der Ferienwohnung, im Privatzimmer, auf dem Campingplatz oder in der Jugendherberge schlafen. Zwei Euro pro Nacht seien allseits akzeptiert, erklärte Maresa Nieten vom Hotel Rüdesheimer Schloss, die für die Jungen Unternehmer im Tourismusbeirat sitzt. Für Einzelreisende sei das sicherlich richtig, im Bustourismus seien dagegen die Margen eng, erklärte Nägler, der selbst ein Hotel führt.

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Der Tourismusbeitrag müsse die 155 000 Euro kompensieren, die der WTF bislang aus Mitgliedsbeiträgen für den Tourismus aufbringe und die es dann nicht mehr gebe. „Zweimal werden die Hoteliers kaum zahlen“, so Nägler. Diskutieren würde Nägler gerne darüber, ob die städtische Fremdenverkehrsgesellschaft (FreGe) freiwillig einen Beitrag für die Gäste leisten könnte, die auf den Hotelschiffen vor Rüdesheim übernachten. Rechtlich ist bei ihnen die Erhebung eines Tourismusbeitrags nicht möglich.

Das weit größere Problem ist jedoch, wie dem Wunsch der Stadtverordneten entsprochen werden kann, auch die Tagesgäste in den Tourismusbeitrag einzubeziehen. Bislang ist das in Hessen nur bei der Benutzung von Fahrgeschäften, Museen und anderen kulturellen Einrichtungen möglich. Die Gastronomie, der touristische Fachhandel, aber auch alle anderen Gewerbetreibenden, die vom Tourismus mehr oder weniger profitieren, sind außen vor. In der Praxis schwierig dürfte es auch sein, zwischen Gästen und Einheimischen zu unterscheiden, das verlangt jedoch der Tourismusbeitrag, der nur von den Gästen erhoben und auch wieder in den Tourismus investiert werden muss. Ob eine Rüdesheim Card für Touristen das Problem lösen könnte, wurde kontrovers diskutiert.

Rüdesheim wolle zwar ganzjährig Beiträge erheben, habe aber nicht ganzjährig das gleiche touristische Angebot, gab Nieten zu bedenken. Die üblichen Rabattangebote im Gutscheinheft nutze ohnehin keiner, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Jürgen König. Denkbar wäre aber auch eine freiwillige Abgabe gestaffelt für Gäste und Einheimische nach dem Nürnberger Modell. Wenn die Leute sehen, dass sich etwas tut in der Stadt, könnte dies Akzeptanz finden, so Nieten. Der Beitrag dürfe nicht nur als Last gesehen werden, daraus könne auch etwas Neues entstehen, so der Hotelier und GfR-Stadtverordnete Torsten Schambach.

Jetzt sollen erst mal Zahlen herbei. Wie viele Gäste gibt es wo? Wo sind Einnahmen in welcher Höhe möglich? Dann muss noch der Verwaltungsaufwand ermittelt werden, der, so wird befürchtet, enorm ist.