Begehung der geplanten Ultranet-Trasse mit Niedernhausener...

aus Ultranet im Idsteiner Land

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Rainer Wegener (am Mikro) von der BI Niedernhausen erklärt, Landrat Frank Kilian (links) und Martin Rabanus (2. v.l.) hören zu. Foto: Stefan Gärth  Foto: Stefan Gärth

Auf dem Schäfersberg hat sich eine Menschentraube versammelt. Der Andrang ist groß, „deutlich größer als erwartet“, raunt Martin Rabanus, Bundestagsabgeordneter der...

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NIEDERNHAUSEN. Auf dem Schäfersberg hat sich eine Menschentraube versammelt. Der Andrang ist groß, „deutlich größer als erwartet“, raunt Martin Rabanus, Bundestagsabgeordneter der SPD, einem der Anwesenden zu. Rabanus hat zum Rundgang eingeladen, Thema: die geplante Ultranet-Trasse.

Nach kurzer Begehung finden sich die etwa 100 Teilnehmer im Vereinsheim des Schäfersberg-Teams im Bergwerk ein. Der Raum ist deutlich zu klein, einige gucken durch geöffnete Terrassentüren von draußen zu. Birgit Keller vom Referat des Strahlenschutzes im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und Gunde Ziegelberger vom Bundesamt für Strahlenschutz wollen Rede und Antwort stehen für die gesundheitliche Bedeutung der Trasse – die in Niederhausen besonders nah an Wohnhäusern vorbeiführt.

„Keine Belege für Schädigung der Gesundheit durch Leitung“

Die Anwohner sind verunsichert. Auf die Frage Kellers („Wovor haben Sie denn Angst?“) folgt prompt: „Wovor müssen wir denn Angst haben?“ Darauf kann Ziegelberger zwar eine Antwort geben – aber keine, die die Anwohner besänftigt. „Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass eine Gleichstromleitung mit 380 Kilovolt gesundheitsschädigend ist.“

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Dass die Bundesregierung allerdings erst vor wenigen Tagen bekannt gab, die gesundheitlichen Risiken von Stromnetzen untersuchen lassen zu wollen, trägt nicht gerade zur Beruhigung bei. „Bis die Ergebnisse da sind, ist die Trasse doch schon längst gebaut“, ist zu hören.

2019, wenn das Kernkraftwerk Phillippsburg vom Netz geht, soll die von der Firma Amprion geplante Trasse, die auf dem Weg von Nordrhein-Westfalen nach Baden-Württemberg direkt durchs Idsteiner Land verlaufen soll, Versorgungssicherheit garantieren. Sorgen bereitet den Anwohnern – es sind Vertreter der Bürgerinitiativen Niedernhausen/Eppstein und Idstein anwesend – besonders der Hybridbetrieb von der derzeitigen Wechselstrom- und der geplanten Gleichstromleitung, die erstmals auf einem Mast betrieben werden sollen. Über die Folgen eines solchen Betriebes gebe es bislang keine ausreichenden Untersuchungen.

Ziegelberger erläutert, dass Gleichstromtrassen zwei statische Felder erzeugen. „Elektrische statische Felder bemerken wir, wenn sich beispielsweise unsere Haare aufstellen.“ Diese drängen jedoch nicht in den Körper ein, „das steht in jedem Physiklehrbuch“.

Für das magnetische statische Feld hingegen gebe es Grenzwerte, „die auch eingehalten werden“. Laut Forschung trete eine Wirkung erst hoch im Teslabereich – Tesla beschreibt Feldstärke magnetischer Felder – auf. „Davon werden wir meilenweit entfernt sein.“ Bei Gleichstromleitungen sollen Flussdichten von 45 Mikrotesla auftreten, dies entspreche dem Erdmagnetfeld.

Die Anwohner favorisieren allerdings die Variante mit Erd- statt Freileitungen. Dirk Lorbach von der BI Niedernhausen sieht Hessen „in den Urwald zurückversetzt“. „Hier wird mit zweierlei Maß gemessen“, erhält er Unterstützung von einem Teilnehmer.

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„Für die anderen drei geplanten Trassen in Deutschland gilt: Entweder ein Mindestabstand von 500 Metern zu der Bevölkerung wird eingehalten oder die Leitung kommt unter die Erde.“ Nur in Hessen solle das nicht gelten. Für Lorbach steht fest: „Ich werde eine Verfassungsklage anstreben.“

Rabanus weist auf die Möglichkeit hin, dass im derzeitigen Verfahrensstand der Bundesfachplanung noch alternative Trassenverläufe eingebracht werden können. „Für Idstein und Wallrabenstein gibt es solche Alternativen bereits.“ Auch für Niedernhausen und Eppstein sollte laut Rabanus eine veränderte Trassenführung erarbeitet werden. „Bei uns in Niederhausen kann man das doch vergessen“, wirft Anwohner Ulrich Hahn ein. Hier gebe es nur ein „gar nicht“ oder ein „unter die Erde“.

Nach fast eineinhalb Stunden Diskussion – Ziegelberger ist schon wieder auf dem Weg zurück nach Berlin – beschließt Rabanus den Abend. Trotz bemühter Gesprächspartner: Fragen bleiben – und die Unsicherheit auch.

Von Cane-Sophie Buzludag