Mit Wildnispädagoge Martin Hönge wird der Idsteiner Wald...

aus ihnen leuchtet ein Licht

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Auch in der kalten Jahreszeit gibt es für Pascal, Nico, Mark und Alina (von links) von der Vitos Jugendwohngruppe im Wald viel zu entdecken.Foto: Stefan Gärth  Foto: Stefan Gärth

„Was macht ihr, wenn ihr morgens mal vergessen habt, die Zähne zu putzen?“, fragt Wildnispädagoge Martin Hönge in die Runde. Die Antwort wächst direkt am Wegesrand....

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IDSTEIN. „Was macht ihr, wenn ihr morgens mal vergessen habt, die Zähne zu putzen?“, fragt Wildnispädagoge Martin Hönge in die Runde. Die Antwort wächst direkt am Wegesrand. Hönge nimmt den Zweig eines Tannenbaums, zupft behutsam die Nadeln ab und entfernt vorsichtig die Rinde. Fertig ist die natürliche Zahnbürste. „Beim Kauen werden sogenannte Tannine freigesetzt, die sind gesund und wirken antibakteriell“, erklärt Hönge und kaut auf dem dünnen Stück Holz. „So könnt ihr euch in der Wildnis die Zähne putzen. Außerdem hat man danach einen angenehmen Geschmack im Mund.“

Natürlich wollen alle eine Kostprobe und im Idsteiner Wald rund um den Grillplatz „Drei Eichen“ beginnt eine geschäftige Suche. Dort treffen sich die Kinder und Jugendlichen aus den vollstationären Wohngruppen von Vitos Teilhabe einmal in der Woche mit dem Wildnis- und Waldpädagogen, um den Wald und die Natur zu entdecken.

Auf gemeinsamen Spaziergängen und Wanderungen erzählt Martin Hönge immer etwas über die heimischen Pflanzen. Zum Beispiel, dass die kleinen Glücksbringer am Boden echte Vitaminbomben sind. Der Waldsauerklee schmeckt seinem Namen nach zwar etwas säuerlich, enthält aber viel Vitamin C. „Das könnt ihr komplett mit Stiel runterschlucken.“ Gesagt, getan.

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Im Wald gibt es Nahrung, Werkzeug und Medizin

Am Bachlauf entdeckt die Gruppe eine kleine Pflanze mit herzförmigen Blättern. Die Nelkenwurz schmeckt erst ähnlich wie eine Karotte, danach kommt der Geschmack von Nelke heraus. „Da braucht man gar kein Brot mehr“, stellt Noah fest. Die Wurzeln der Brennnessel seien indes nicht nur nahrhaft, weil sie viel Eiweiß enthalten und den Körper reinigen. Die Fasern eignen sich außerdem hervorragend zur Herstellung von Schnüren. Mit der richtigen Drehtechnik werden diese Schnüre sogar so stabil, dass man sie in einen Bogen einspannen kann. „Es ist also alles da, was wir brauchen. Nahrung, Werkzeug und Medizin“, sagt Hönge.

Auf dem Rückweg toben die Jugendlichen über die Wiese. „Wir haben aus den Kräutern auch schon mal eine Salbe gemacht“, erzählt Nico stolz. Etwas über die Pflanzen im Wald zu lernen, mache ihm besonders Spaß. „Für die Salbe braucht man den Saft aus der Tanne, Brennnesseln, Klee und Honigwachs“, erklärt der 17-Jährige. „Das Wachs wird erhitzt und wenn es flüssig ist, kommt alles in eine Tube.“

Martin Hönge ist Wildnis- und Waldpädagoge, Jäger und Sammler. Mit dem Leben und Überleben in der Natur beschäftigt sich der gelernte IT-Systemkaufmann seit seiner Kindheit. „Natur und Draußensein waren immer ein Thema für mich“, erzählt Hönge. Besonders als er nach 15 Jahren im Beruf nach einem Burn-out die Notbremse zog. „Dann habe ich einfach mal das getan, was ich am besten kann“, sagt Hönge. Heute hat seine Moccasin Tracks Wildnisschule 18 Mitarbeiter. „Ich bin sieben Tage in der Woche draußen.“ Mit seinen Angeboten will er Kindern, Familien und Erwachsenen dabei helfen, den Alltag zu entschleunigen und sich Zeit zu nehmen, sich selbst und die Natur besser kennen und schätzen zu lernen.

Anders als beim Jugendamt ist es allerdings so, dass der Landeswohlfahrtsverband solche Freizeitangebote nicht finanziert. Damit die Kinder und Jugendlichen aus den Wohngruppen von Vitos Teilhabe auch weiterhin mit Martin Hönge die Natur erleben können, sammelt diese Zeitung in ihrer diesjährigen Aktion „ihnen leuchtet ein Licht“ Spenden, um die Teilnahme an dem waldpädagogischen Angebot weiter zu ermöglichen.

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Beim letzten Treffen der Gruppe vor Weihnachten wird es am Lagerfeuer mit Punsch und Spekulatius noch mal richtig gemütlich. Mitte Januar geht es dann auf zu neuen Entdeckungsreisen im Idsteiner Wald.