Familie Kappus prägte die Stadt Idstein mit kleinen Villen im...

Die Ansichtskarte zeigt das alte Hauptpostamt in der Wiesbadener Straße, gebaut von der Firma Kappus. Rechts ist ein zeitgenössisches Porträt Heinrichs vom Maler Toepfer zu sehen.Fotos: Stadtarchiv  Foto:
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(red). Der Name Kappus hat in Idstein offenbar bis heute einen guten Klang. Der Andrang beim Idsteiner Geschichtsverein zum Vortrag über die Bauunternehmer-Familie war so...

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IDSTEIN. (red). Der Name Kappus hat in Idstein offenbar bis heute einen guten Klang. Der Andrang beim Idsteiner Geschichtsverein zum Vortrag über die Bauunternehmer-Familie war so groß, dass am 18. September eine Wiederholung stattfinden wird für all jene, die bei der jetzigen Veranstaltung aus Platzmangel nicht dabei sein konnten.

Die Ansichtskarte zeigt das alte Hauptpostamt in der Wiesbadener Straße, gebaut von der Firma Kappus. Rechts ist ein zeitgenössisches Porträt Heinrichs vom Maler Toepfer zu sehen.Fotos: Stadtarchiv  Foto:

Fritz Koch, Historiker aus Frankfurt und von den Nachfahren des Idsteiner Zweiges Kappus engagiert, war viele Wochen in Archiven unterwegs, um die Geschichte der Familie aufzuarbeiten. Keine einfache Aufgabe, nannten sich die ersten bekannten Kappus’ beinahe immer Johann mit Vornamen, auch bei der weiteren Namensvergabe war man nicht konsequent. So war der bekannte Idsteiner Bauunternehmer Heinrich III. nicht wie anzunehmen der Sohn, sondern vermutlich der Großneffe von Heinrich II. – oder doch ein Cousin zweiten Grades?

Noch in diesem Jahr soll ein Buch erscheinen

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Eine Herausforderung also. Dafür gelang Koch nicht nur ein spannender Einblick in eine Idsteiner Familiengeschichte, sondern auch ein Ausflug in die Idsteiner Stadtentwicklung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Ausgehend vom ersten Idsteiner Kappus, dem Zimmermann Johann Georg, der sein Handwerk vermutlich beim Idsteiner Zimmermann Link gelernt hatte und 1761 dessen Tochter Maria Christina ehelichte, schlug Koch den genealogischen Bogen bis zum bekannten Heinrich III. und dessen Sohn Willi. Wohnhaft in der Weiherwiese, kaufte Johann Georg frühzeitig Ackerland am „weißen Stein“ – eine der Grundlagen des unternehmerischen Erfolgs der Familie.

Später zog die Familie in die Schäfergasse, das Haus, in dem auch Heinrich III. 1849 das Licht der Welt erblickte. Als er 14 Jahre alt war, beging seine Mutter Selbstmord, eine Stiefmutter zog ihn auf. 1900 Einwohner zählte Idstein Mitte des 19. Jahrhunderts, die Bahnlinie gab es noch nicht. Aber Ziegeleien, Lederfabriken, Brauereien, eine Kalkfabrik, Leimfabriken und Mühlen. Heinrich III. besuchte die Elementarschule, lernte das Zimmermannshandwerk bei seinem Vater, erweiterte sein Wissen bei einer Wiesbadener Baufirma. 1869/70 besuchte er die neugegründete Baugewerkschule. Der deutsch-französische Krieg beendete seine Schulkarriere, er meldete sich bei den Pionieren.

Nach dem Krieg wusste Heinrich III. den einsetzenden Bauboom für sich zu nutzen. Er kaufte ab 1876 Grundstücke und Immobilien. Tagelöhner und Fabrikarbeiter suchten dringend Wohnraum. Bis 1900 wurden in Idstein 100 neue Häuser gebaut, 1910 zählte man schon 3500 Einwohner.

Gebaut wurde entlang der heutigen Bahnhofstraße, der neuen Wiesbadener Straße, des Veitenmühlwegs und der heutigen Limburger Straße. Gefragt waren kleine Villen im Landhausstil für wohlhabendere Familien.

Hinzu kamen neue öffentliche Gebäude: Bahnhof, Post, Turnhalle, Bauschule und Gebäude des Kalmenhofs. Idsteins erster Baulöwe, Heinrich Kappus, hatte 1880 Wilhelmine Friederike Reichert geheiratet. Sieben Kinder wurden geboren, darunter der Sohn und spätere Nachfolger Wilhelm, genannt Willi. 1882 ließ Heinrich Kappus III. seine Firma ins Handelsregister eintragen. Seine Auftragsbücher seien wohl gut gefüllt gewesen, erklärte Koch. Hochbau, Tiefbau, Zimmermannsarbeiten, Baumaßnahmen aller Art übernahm sein Unternehmen, mindestens 50 Häuser baute er in Idstein. Eine eigene Ziegelei wurde errichtet, polnische Gastarbeiter angeworben. Auch in der kommunalen Politik mischte Heinrich III. kräftig mit.

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Als er bei einem spektakulären Unfall mit einer Kutsche 1926 ums Leben kam, übernahm Willi Kappus endgültig das gut gehende Unternehmen. Es sollte die letzte Generation des Bauunternehmens sein. Willi und seine Frau starben kinderlos, später folgte die Liquidation der Firma.

Noch in diesem Jahr soll ein Buch über das Wirken der Familie Kappus in Idstein erscheinen.