Geldautomat in Hünstetten-Wallbach zum zweiten Mal gesprengt

Der gesamte Bereich vor der oberen Rathaustür bis hin auf den gegenüber gelegenen Parkplatz ist mit Scherben übersät, die Tür in den Vorraum des Rathauses, in dem der Geldautomat seinen Platz hat, ist nicht mehr zu sehen. Foto: Beke Heeren-Pradt

In der Nacht zum Freitag haben Unbekannte den Geldautomaten im Dorf Wallbach gesprengt. Der Automat geriet bereits zum dritten Mal ins Visier von Kriminellen.

Anzeige

HÜNSTETTEN. 2.09 Uhr in der Nacht zum Freitag, 16. September: Zwei dumpfe, aber heftige Detonationen erschüttern das schlafende Dorf Wallbach, Rauch steigt auf über dem Rathaus, dann ist ein aufheulender Motor zu hören und ein Auto fährt hochtourig davon in Richtung Bundesstraße 417.

Wenige Minuten später ist die Polizei vor Ort, sperrt den Tatort ab, und auch die Feuerwehr Wallbach rückt aus. Wieder ist der Geldautomat im Eingangsbereich des Hünstetter Rathauses Ziel eines Anschlags. Der Eingangsbereich zum Rathaus an der Straße Im Lagersboden ist komplett zerstört. Glastür und die fest verglasten Teile des Vorraums zum Gebäude sind komplett herausgerissen, Kabel hängen aus der Decke, der Geldautomat liegt in Einzelteilen auf dem Boden und auch die Glastür, die weiter ins eigentliche Gebäude führt, liegt in Einzelteilen am Boden.

Die Straße vor dem Haus ist bis zur gegenüberliegenden Bushaltestelle übersät mit Scherben und auch auf der anderen Seite des Gebäudes, über dem Haupteingang vom unteren Parkplatz aus, ist eine der großen Fensterscheiben zerborsten. Die Scherben bedecken den Fußboden dieses Gebäudebereiches.

Anzeige

Bürgermeister: Spezialisten am Werk

„Die Zerstörung ist immens“, sagt ein sichtlich angegriffener Hünstetter Bürgermeister am anderen Morgen. Ab 2.30 Uhr war Jan Kraus (Hünstetter Liste) zusammen mit der Feuerwehr am Tatort, verständigte noch in der Nacht Hausmeister und Bauhof, die nach der Sicherung des Tatortes durch die Kriminalpolizei sowie einiger Experten des Landeskriminalamtes bereits morgens die große Menge der Glasscherben und -splitter auf der Straße beseitigt hatten. Am Vormittag sind Schreiner damit beschäftigt, den Eingang zum Rathaus mit Spanplatten zu schließen und auch der stark in Mitleidenschaft gezogene Eingangsflur, der zum Treppenhaus führt, wird von innen mit Spanplatten geschlossen.

„Seit der letzten Sprengung war der Geldautomat doppelt gesichert und vor allem gegen den Einsatz von Gas abgesichert“, erklärt Kraus, dass es sich bei der Sprengung in der Nacht um Spezialisten gehandelt haben müsse, die sich genau auskannten. Denn es sei fester Sprengstoff verwendet worden und die Täter hätten zwei Sprengsätze benutzt, um nach der äußeren auch die innere Sicherung des Automaten aufzusprengen. Wie viel Geld darin war, sei jedoch bisher nicht bekannt. Die Kriminalpolizei ermittelt. Der nächtliche Einsatz eines Hubschraubers konnte die per Auto flüchtenden Täter nicht aufspüren.

Bereits der dritte Angriff auf den Automaten

Die Druckwelle der Detonationen muss immens gewesen sein. Bei einer kurzen Begehung des Hauses zeigt Kraus, dass auch im unteren Eingangsbereich, auf der anderen Gebäudeseite, Deckenplatten zerbrochen sind und er zeigt Risse an der Decke, sowie im Boden des Dachgeschosses. Ein Statiker wurde hinzugezogen, der jedoch bei der ersten Untersuchung keine solchen Schäden feststellen konnte, die auf Einsturzgefahr deuten würden.

Die Sprengung von Freitagnacht ist mittlerweile der dritte Angriff auf den Wallbacher Automaten. Zuletzt war in der Nacht zu Heiligabend 2017 ein ähnlicher Sprenganschlag verübt worden, bei dem, wie im aktuellen Fall auch, der Vorbau des Rathauses zerstört wurde. Monatelang hatte es danach gedauert, bis die Schäden repariert und wieder ein Automat aufgestellt wurde. Der Geldautomat gehört der Wiesbadener Volksbank und kann von deren Kunden sowie den Kunden der Naspa genutzt werden.

Anzeige

2004 war der Automat zum ersten Mal Gegenstand eines Verbrechens. Unbekannte Täter hatten damals das gesamte Gerät aus seiner Verankerung gehebelt und mitsamt Inhalt abtransportiert.