Gedenken an den letzten Abt von Kloster Eberbach

Ein Gemälde des letzten Abtes des einst blühenden Zisterzienserklosters hängt im Abteimuseum von Kloster Eberbach. Foto: Kloster Eberbach

Mit der Verstaatlichung von Kloster Eberbach im Jahr 1803 erlosch die glanzvolle Geschichte der Rheingauer Zisterzienserabtei. Ihr letzter Abt, Leonhard II. Müller, starb vor...

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RÜDESHEIM / ELTVILLE. (red). An den letzten Abt von Kloster Eberbach, Leonhard II. Müller, erinnert am dritten Advent eine Gedenkfeier in Rüdesheim, die zum 200. Todestag des Rüdesheimers stattfindet. Der 58. Abt des durch die Folgen der Französischen Revolution 1803 verstaatlichten Zisterzienserklosters starb am 18. Dezember 1818 im Alter von 73 Jahren in seiner Heimat Rüdesheim. Mit ihm erlosch eine geistlich wie auch ökonomisch reiche Klostergeschichte, die mit der gemeinsamen Gründung 1136 durch den berühmten Heiligen Bernhard von Clairvaux und den Mainzer Erzbischof Adalbert begonnen hatte und mit der Vertreibung der Mönche 1803 endete.

Eine kurze Amtszeit voller Schicksalsschläge

Leonhard II. Müller (Taufname Laurentius) war einer von fünf Söhnen des Oberschultheissen Johannes Müller und dessen Ehefrau Maria Magdalena, geborene Reusch. Er trat 1765 im Alter von 20 Jahren in die Zisterzienserabtei Eberbach ein und amtierte ab 1787 als Seelsorger (Propst) des Eberbach unterstellten Frauenklosters Marienhausen (Aulhausen), ehe er 1795 zum Abt gewählt wurde.

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Seine Amtszeit ist geprägt von leidvollen Kriegszuständen, dem jahrelangen Wüten französischer Revolutionstruppen und sogar zeitweiser Flucht der Mönchsgemeinschaft sowie schließlich der Aufhebung des Klosters. Nach der Ausweisung aus Eberbach lebte Abt Leonhard, versehen mit einer staatlichen Pension, im Haus seines Bruders, des Rüdesheimer Bürgermeisters Josef Müller, und übernahm noch geistliche Dienste an der Pfarrkirche. Auch zu seinen ehemaligen Mitbrüdern des Klosters, die verstreut im Rheingau und darüber hinaus untergekommen waren, pflegte der ehemalige Abt noch regen Kontakt. Zu ihnen gehörte auch sein leiblicher Bruder P. Albert, der ebenfalls in Rüdesheim wohnte.

Nach dem Tod Leonhards fand die Beisetzung auf dem Friedhof an der Südseite der Jakobuskirche statt. 1905 wurden seine Gebeine in das Kircheninnere überführt. Durch die Bombardierung 1944 ist die exakte Lokalisierung der Grabstätte in der Kirche nicht mehr möglich; eine Gedenkinschrift im Fußboden des Kirchenneubaus bewahrt die Erinnerung. Ein von Resignation geprägtes Porträt des Abtes ist überliefert und als Leihgabe der Stadt Rüdesheim im Abteimuseum Kloster Eberbach zu sehen. Darüber hinaus existieren zwei weitere Bildnisse Leonhards; eines in Marienstatt und eines im Privatbesitz in Ingelheim.

Gegenstände aus dem Nachlass werden gezeigt

Ebenfalls aus dem Nachlass des Eberbacher Prälaten gelangten ihm von der Nassauischen Regierung 1803 aus dem Klosterinventar zugeeignete Liturgiegegenstände (unter anderem prachtvolle Messgewänder und ein kostbarer Kelch) an die Rüdesheimer Kirchengemeinde, die dort sorgfältig gepflegt und in Ehren gehalten werden. Dazu gehören auch ein Brustkreuz und Ring, die – wenn das auch historisch nicht belegt ist – dem Abt zugeordnet werden; sein Stab hingegen war im Zweiten Weltkrieg im Landesmuseum Mainz untergegangen. Diese beeindruckenden Zeugen Eberbacher Klosterkultur und eines persönlichen Schicksals werden in den Gedächtnisgottesdienst eingebunden sein.