Virtuoser Tanz auf dem Klavier im Kurhaus

Das Zusammenspiel ist ein virtuoser Tanz: Klavierkonzert im Kurhaus mit Anna Tyshayeva und Nikolay Kryzhanovsky. Foto: Martin Fromme

Ein virtuoser Tanz, der aus verspieltem Locken und Werben besteht: Die Pianisten Anna Tyshayeva und Nikolay Kryzhanovsky begeistern 100 Gäste im Bad Schwalbacher Kurhaus

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BAD SCHWALBACH. Die gute Nachricht zuerst: Bei dem Verkehrsunfall, den Pianistin Anna Tyshayeva und Violinist Dimiter Ivanov auf dem Weg zu ihrem Konzert im Kurhaus von Bad Schwalbach hatten, ist wohl niemand ernsthaft verletzt worden. Der Schock, den der Geiger dabei erlitten hat, macht es ihm jedoch unmöglich, bei der Veranstaltung aufzutreten, die Renate Kohn für den Förderverein Bad Schwalbach organisiert hat.

Um so beeindruckender die Fertigkeiten, die die in Frankfurt lebende Pianistin angesichts dieser Umstände den gut einhundert Gästen präsentiert. Kaum nimmt sie am vorderen der beiden auf der Bühne stehenden Flügel Platz, explodiert sie förmlich bei ihrer Interpretation von Scherzo und Finale aus Peter Tschaikowskys großer Sonate in G-Dur, bei der atemberaubendes Tempo und höchste Präzision Hand in Hand gehen. In kurzen Zwischenparts kann die aus der Ukraine stammende Pianistin auch ihre Fähigkeiten zu romantischem Ausdruck, melancholischem Lamento oder fragiler Zartheit unter Beweis stellen.

Aber es dauert nie lange bis zur nächsten Vollgaspassage. Ganz anders dann der Charakter des Zusammenspiels mit ihrem Lehrer und Professor Nikolay Kryzhanovsky bei Andantino semplice und Allegro con fuoco aus dem Klavierkonzert Nummer eins von Peter Tschaikowsky. Denn das Zusammenspiel der beiden ist ein virtuoser Tanz, der aus verspieltem Locken und Werben besteht. Ein Tanz, bei dem Resonanz entsteht zwischen dem kraftvolle Ruhe ausstrahlenden Professor und dem jugendlich wirkenden Temperament seiner ehemaligen Studentin. Ein Tanz, bei dem Anna Tyshayeva immer wieder mal euphorisch-eruptiv voran strebt und Nikolay Kryzhanovsky ihr mit großer Gelassenheit folgt.

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Keine einzelne Note wird vernachlässigt

Seine meisterhafte Beherrschung des Instruments demonstriert er nach der Pause dann bei zwei Solo-Darbietungen. Zunächst bei der belebenden und berührenden Interpretation von Robert Schumanns Romanze in Fis-Dur, bei der seine Finger in federleichter Sanftheit über die Tasten gleiten. Bei dem Carnaval Opus neun desselben Komponisten gelingt es Nikolay Kryzhanovsky dann, mit leichter Hand ausdrucksstarke Szenen zu skizzieren. Mal sprunghaft-tänzerisch, mal schwelgerisch-schwebend. Immer jedoch in einer Eindringlichkeit, in der keine einzelne Note vernachlässigt wird und in durchgehend heiterem Charakter. Dabei entstehen oft burleske Jagden, in denen bei der Darbietung des Stücks aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einmal tatsächlich der Rhythmus eines Boogie Woogies anklingt.

Ein Genuss erster Güte, in dem immer neue Facetten entstehen. Als Zugabe zu der unerwartet zum reinen Klavierkonzert gewordenen Veranstaltung spielen Anna Tyshayeva und Nikolay Kryshanovsky den ersten Satz aus Wolfgang Amadeus Mozarts Sonate in D-Dur für zwei Klaviere. Bei dem Allegro con spirito demonstrieren die beiden durch ihre Synchronizität in rasantem Tempo noch einmal die große Vertrautheit, die ihr gemeinsames Spiel ausmacht.