Mini-Bigband mit großem Können

Denis Wittberg und seine Schellack-Solisten begeistern im Bad Schwalbacher Kurhaus. Foto: wita/Martin Fromme

Denis Wittberg und seine Schellack-Solisten traten im Bad Schwalbacher Kurhaus-Saal auf. Diese Combo sollte

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BAD SCHWALBACH. Diese Combo macht echt Spaß: Denis Wittberg und seine Schellack-Solisten sorgten im gut gefüllten – wenngleich nur halb bestuhlten – Kurhaus-Saal für hervorragende Stimmung und gute Laune. Zuvor hatte Dieter Klein, der Vorsitzende der Bad Schwalbacher Kulturvereinigung, das Publikum begrüßt und angekündigt, nach der Landesgartenschau werde kulturell „ein Ruck durch Bad Schwalbach gehen“. Akteure wie das Museum, die „Opera Piccola“, die Taunusbühne, die Kirchen und die Kulturvereinigung würden künftig für mehr kulturelle Veranstaltungen in der Kurstadt sorgen: Allein für 2019 habe man bereits 15 Termine geplant.

Denis Wittbergs famoses Orchester war ein Auftakt, und einen besseren hätte man sich nicht wünschen können. Die zehnköpfige Band aus Mainz, quasi eine Mini-Big-Band mit vier Bläsern, Pianist, Rhythmusgruppe und der zauberhaften Violinistin Clara Holzapfel, präsentierte Schlager und Evergreens im zwanziger- bis vierziger-Jahre -Gewand. Darunter Altbekanntes wie den „Kleinen grünen Kaktus“, „Cheek to Cheek“ oder „Schöner Gigolo“, aber auch überraschende Versionen von Liedern der in den 80er Jahren sogenannten „Neuen Deutschen Welle“. „Das Model“ der Gruppe „Kraftwerk“ wurde hier kurzerhand mal zu einem Tango, und das klang dann wirklich so, als wäre es nie anders gemeint gewesen.

Herzen beginnen zu schmelzen

Ebenso erging es dem „Kommissar“ von Falco oder dem „Sternenhimmel“ von Hubert Kah. Beim Duett „Kleine Taschenlampe, brenn“, einst von Nena und Markus gesungen, trat auch Clara Holzapfel ans nostalgisch geformte Mikrofon und brachte gemeinsam mit Bandleader Denis Wittberg alle Herzen zum Schmelzen. Sonst saß die Violinistin an einem Extrapult und gab unter den zunächst in Schwarz, im zweiten Teil in Weiß gewandeten Herren einen eleganten Blickfang in Rot und Gold ab. Aber auch ihre zart gestrichene oder gezupfte Geige spielte in vielen der Songs eine Hauptrolle. Die Männer erwiesen sich als echte Multiinstrumentalisten: Kaum jemand, der nur ein Instrument beherrschte.

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Der Kontrabassist verstand sich auch aufs Tubablasen, der Gitarrist auch aufs Banjospielen, der Saxofonist packte auch mal eine kleine Flöte aus und die Klarinette sowieso. Und der Posaunist durfte sich auch als Geräuschemacher an Pistole oder Papiertüte versuchen. Ab und zu wurden auch diverse lateinamerikanische Rhythmusinstrumente hervorgeholt, denn Mambo, Rumba, Cha-Cha-Cha gab es in den unterschiedlichsten Ausprägungen zu hören. Denis Wittberg pflegt eine leicht blasiert-überkandidelte, aber gerade deswegen sehr sympathische Aura des Zwanziger-Jahre-Galans im Frack, spricht leise und betont und lehnt sich, wenn er nicht gerade selbst singt, elegisch an den Flügel.