Pianist und Komponist Erik Reischl gibt einen Musik-Mix zum Besten und begeistert das Publikum. Am 20. Oktober ist er erneut zu Gast in Bad Schwalbach. Foto: wita/Martin Fromme

Pianist und Komponist Erik Reischl ist zu Gast in Bad Schwalbach und begeistert mit Partituren und Filmausschnitten.

Anzeige

BAD SCHWALBACH. Zwar ist er in langsamem Tempo gesetzt, aber doch gut erkennbar. Ausgerechnet den „CanCan“ aus Jacques Offenbachs Operette Orpheus in der Unterwelt hat der französische Komponist Camille Saint-Saens gewählt, um in seiner zoologischen Fantasie Karneval der Tiere die Schildkröten zu charakterisieren. Ein perfektes Beispiel für den Humor in der klassischen Instrumentalmusik, den Konzertpianist Erik Reischl auf Einladung des Fördervereins Landesgartenschau in einem lebhaften Vortrag präsentiert. Dazu bekommen die knapp einhundert Gäste im Rokoko-Saal des Alleesaal-Gebäudes immer wieder Partituren, Musikbeispiele oder Filmausschnitte auf die Leinwand projiziert.

Tom und Jerry auf Leinwand

Etwa Passagen aus dem Tom-und-Jerry-Zeichentrickfilm „The Cat Concerto“, der 1947 mit einem Oskar ausgezeichnet worden ist. Kater Tom spielt darin einen Konzertpianisten, der Franz Liszts zweite Ungarische Rhapsodie aufführt und dabei die auf den Hammerköpfen des Flügels nächtigende Maus Jerry weckt, was zu den üblichen Auseinandersetzungen der beiden führt. In diesem Fall lenkt Erik Reischl in seiner Moderation die Aufmerksamkeit der Gäste auf das Gehabe des Katers, während er zum Flügel schreitet. „Eine Arroganz, wie bei Konzertpianisten üblich. Ich weiß, wovon ich spreche“, führt er zur Erheiterung seines Publikums selbstironisch aus.

Anzeige

Mit großem Vergnügen beteiligen sich viele der Gäste auch an der Aufgabe zu erraten, welche kompositorischen Stile Siegfried Ochs imitiert hat bei seinen humoristischen Variationen über das Volkslied „Kommt ein Vogel geflogen“. Bei der Walzerseligkeit eines Dreivierteltakts kommen viele schnell auf Johann Strauss. Etwas weniger Treffer gelingen bei dem elegisch-romantischen Pathos, mit dem der Stil Frédéric Chopins aufgegriffen wird.

Ein absoluter Klassiker der Musikgeschichte ist Joseph Haydns „Symphonie Nummer 45“, die gerne als Abschiedssymphonie bezeichnet wird. Im gewählten Filmbeispiel schrumpft an deren Ende nicht nur die Zahl der Orchestermitglieder permanent, auch der Dirigent verlässt schließlich sein Pult, sodass zwei Geigen das Stück alleine zu Ende bringen müssen. Die Anekdote zu der Symphonie aus dem Jahr 1772 berichtet vom Wunsch der Orchestermitglieder, ihre Familien besuchen zu dürfen, die von Haydns fürstlichem Dienstherr nach diesem kreativen Wink mit dem Zaunpfahl auch gewährt worden sein soll. Bei subtileren Beispielen konzertanten Humors vermittelt der unterhaltsame Vortrag auch viel Musiktheorie. Wenn etwa Wolfgang Amadeus Mozart in seinem musikalischen Spaß Dorfmusikantensextett die Hörgewohnheiten der Klassikwelt durchbricht. Aber auch Ludwig van Beethoven liefert mit einer Kadenz zu seinem ersten Klavierkonzert ein Beispiel. Denn eigentlich wird bei einer Kadenz mit einem Triller angedeutet, dass die Solopartie beendet ist und das Orchester gleich wieder einsetzen soll. In diesem Fall narrt der Komponist die Dirigierenden aber, indem er mehrfach irreführende Signale sendet.

Nach Abschluss des Vortrags gibt es dann lang anhaltenden Applaus für Erik Reischl, sodass man meinen könnte, er hätte gerade ein Konzert gegeben.