Der Pianist Erik Reischl spielt vor 280 glücklichen Zuhörern...

Erik Reischl präsentiert im Kurhaus Werke von Chopin und Mozart. Foto: wita/Martin Fromme

Mit der Klassik am Klavier will der Förderverein an frühere Traditionen anknüpfen und Bad Schwalbach ein stückweit zur Festivalstadt machen.

Anzeige

BAD SCHWALBACH. Scheinbar ganz in sich und sein Spiel versunken sitzt Erik Reischl auf der Bad Schwalbacher Kurhaus-Bühne am Flügel. Mit präzisem Anschlag lässt er bei der „Polonaise-Fantaisie As-dur (opus 61)“ und dem Scherzo Nr. 2 b-moll (op. 31) von Frédéric Chopin die Finger mal heiter hüpfen, um danach das Instrument wieder andächtig, jubelnd oder grollend klingen zu lassen.

Bad Schwalbach zur Festivalstadt machen

Ein hochklassiges Konzert bietet der 45-Jährige, ermöglicht durch den Förderverein der Landesgartenschau Bad Schwalbach. Renate Kohn übernahm die Organisation. Sie stellt Erik Reischl vor als „einen Musiker, der auf vielen internationalen Bühnen zuhause ist“. Zugleich ist er ein „hessischer Bub“, der in Taunusstein aufwuchs und dort als Fünfjähriger in der Musikschule von Martina Helfrich ersten Klavier-Unterricht erhielt. 1999 gewann er den Kulturförderpreis des Rheingau-Taunus-Kreises.

Anzeige

Mit der Klassik am Klavier will der Förderverein an frühere Traditionen anknüpfen und Bad Schwalbach ein stückweit zur Festivalstadt machen. In der Satzung sei auch die Unterstützung von Kunst und Kultur rund um die Gartenschau ausdrücklich erwähnt. Und die Resonanz ist zum Auftakt beachtlich. Gut 280 Menschen wollen die Werke von zwei früh vollendeten und jung gestorbenen Komponisten hören.

Der Meisterschaft von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) und Frédéric Chopin (1810 bis 1849) ist das Programm gewidmet. Im dunklen Anzug und mit weinroter Fliege spielt Erik Reischl am eleganten schwarzen Flügel Mozarts Sonate D-dur (Köchelverzeichnis 311), die unbeschwert-harmonisch und gelegentlich auftrumpfend erklingt. Ein Stück Musik wie ein Blumenbeet, möchte man meinen.

Blütenpracht fehlt natürlich nicht bei laufender Landesgartenschau am Bühnenrand, während Reischl nuancenreich spielt. Die Fantasie d-moll (KV 397) von Mozart bezeichnet der Pianist als „einfachstes und schwierigstes Stück“ des Abends. Leicht zu erlernen, besitze es doch empfindliche Noten und verlange Interpretationsvermögen, zumal die Komposition seinerzeit höchstwahrscheinlich ein Fragment blieb.

Zum Abschluss ist wieder Chopin an der Reihe. Seine Barcarolle Fis-dur (op. 60) entführt mit leidenschaftlichem Schwung nach Venedig, erfahren die Besucher in ihren Programmheften. Eng mit der polnischen Geschichte verknüpft ist die Sonate Nr. 3 h-moll (op. 58). Erik Reischl erntet für alle seine Darbietungen langen und lauten Applaus, der Künstler wird daher gar nicht mehr fertig mit seinen Verbeugungen.

Bad Schwalbach erlebt ein festliches Ereignis in seinem prächtigen Kurhaus. An Humor fehlt es ebenso nicht, denn Reischl verbindet Mozarts Vita mit einer modernen Plage. Er zitiert aus einem fiktiven Brief des Österreichers, den er vor 241 Jahren aus Mannheim geschrieben haben soll, wo ihn Kurfürst Carl Theodor eben für seine Sonate D-dur gelobt hat. Zum „Fiasko“ habe die Vorstellung jedoch ein „kleiner Apparat widerwärtigster Natur gemacht“ – Handy-Töne sind gemeint, Reischl entlockt sie den Tasten.