Technikgeschichte auf dem Acker

Hier dreht ein restaurierter Porsche Diesel seine Runden auf dem Treffen des Landmaschinenvereins Diedenbergen.Foto: Vollformat/Volker Dziemballa  Foto: Vollformat/Volker Dziemballa

Egal ob Trecker, Traktor, Ackerschlepper oder einfach nur Schlepper, diese Zugmaschinen waren schon vor der Entwicklung von Verbrennungsmotoren bekannt. Bis in die 1920er Jahre...

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DIEDENBERGEN. Egal ob Trecker, Traktor, Ackerschlepper oder einfach nur Schlepper, diese Zugmaschinen waren schon vor der Entwicklung von Verbrennungsmotoren bekannt. Bis in die 1920er Jahre wurden sie mit Dampfkraft betrieben und zum Transport über Straßen und in der Ackerarbeit eingesetzt. Die schrittweise einsetzende Motorisierung der Landwirtschaft begann mit Ende des Ersten Weltkrieges und in den frühen 1930er Jahren setzte sich der Dieselmotor in Europa als Antriebsquelle der Schlepper durch.

Traktoren ersetzten das Pferd in der Landwirtschaft

Bis in die 1960er Jahre verfügten Traktoren über eine geringe Motorleistungen, dafür jedoch über hohe Drehmomente und stark untersetzte Getriebe. Die Modelle aus dieser Zeit bildeten auch den Schwerpunkt des Schleppertreffens in Diedenbergen. Bereits zum 14. Mal gelang es den Verantwortlichen des Vereins historischer Landmaschinen, etwa 300 betagte Ackerboliden auf dem Gelände der Speedwaybahn zu versammeln und der Öffentlichkeit zu präsentieren und somit die technische Entwicklung in der Landwirtschaft der vergangenen 100 Jahre zu dokumentieren.

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„Wir können hier Modelle vorstellen, deren Hersteller die Mechanisierung der Landwirtschaft im letzten Jahrhundert nicht überlebt haben. Zu Beginn der 1970er waren nahezu sämtliche Pferde als Arbeitstiere aus der Landwirtschaft verschwunden und durch Maschinen ersetzt worden. Die nun einsetzende Marktsättigung im Bereich der Landmaschinen führte dazu, dass in Deutschland nur wenige Hersteller den Konkurrenzkampf überlebten“, erläutert Patrick Ammann, zweiter Vorsitzender des Vereins, die Entwicklung der Landmaschinenbauer. Besonders seltene Ackerdiesel wurden im Rahmen des Traktorenlaufstegs dem zahlreichen Publikum vorgeführt. Technische Details und Einsatzmöglichkeiten der einzelnen Modelle wurden vom ehemaligen ersten Vorsitzenden des Diedenberger Landmaschinenvereins, Anno Respondeck, erläutert. Der als „wandelndes Traktorenlexikon“ bekannte Respondeck moderierte auf eindrucksvolle Weise den Laufsteg der Ackerdiesel und ließ keine Frage unbeantwortet. Deutlich wurde hierbei auch, dass sich die Traktoren-Szene in der jüngsten Zeit stark verändert hat. Waren es vor 20 Jahren nur Enthusiasten, die sich um in die Jahre gekommene Landmaschinen kümmerten, so werden einige seltene Traktorentypen heutzutage gesucht, wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen.

Auch die früher sehr mühsame Ersatzteilbeschaffung ist inzwischen durch einen spezialisierten Fachhandel nahezu sichergestellt. Viele antiquierte Teile werden mittlerweile nachgebaut. „Wir wollen aber nicht nur Spezialisten und Fachleute mit dem Schleppertreffen ansprechen. Für unser Fest ist Familienfreundlichkeit ein zentraler Punkt“, so Ammann weiter. Eine weitere Attraktion des Oldtimer-Treffens war sicherlich die Darstellung eines Modells des so genannten „Eicher-Rad“. Hier war ein Traktor (Eicher EKL 15) zu sehen, der in einem Looping aus eigener Kraft seine Runden drehte. Einige technische Raffinessen machten es möglich, dass der Motor des Treckers auch auf dem Kopf stehend seine Dienste nicht verweigerte. Entwickelt wurde dieses Modell in den 1950er Jahren, um zu beweisen, das ein luftgekühlter Traktor einen ganzen Tag laufen kann, ohne dass der Motor überhitzt – ein geeigneter Ort zum Staunen und Rätseln, aber auch für weitere Fachsimpelei.