Main-Taunus: Im Film durch die Faszination der Gesichter

In der Ausstellung im Hofheimer Landratsamt ist das beeindruckende Bild "Daydreamers" von Gerhard Silber zu sehen. Foto: Sonja Lehnert

Filmischer Rundgang durch die Ausstellung "Ich & Du" im Landratsamt ist jetzt schon möglich. Es gibt eine Verlängerung bis Oktober.

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HOFHEIM/TS. Die Ausstellung "Ich & Du" im Landratsamt des Main-Taunus-Kreises wird verlängert bis zum 1. Oktober, so lautete die gute Nachricht. Alle Veranstaltungen des Rahmenprogramms im Mai wurden in den verlängerten Zeitraum ab Juli verlegt.

Wer schon einen Blick auf die Kunstwerke werfen möchte, kann im Film des Ausstellungsrundgangs mit der Kuratorin Andrea Simon einen kleinen Vorgeschmack der Ausstellung gewinnen.

Mit Erstaunen bleiben Besucher vor dem großformatigen Bild "Daydreamers" von Gerhard Silber stehen. Erstaunt deshalb, weil hier, fast am Ende des Rundgangs, wiederum ein Werk ausgestellt ist, das sich sowohl inhaltlich als auch durch seine Maltechnik von den anderen Werken abhebt. Dank der sorgfältigen Auswahl und Platzierung der Kuratorin erwartet die Betrachtenden immer wieder ein weiterer, vielleicht ungewohnter Blick auf das Du, zurückgeworfen auf das Ich. Silber kehrte spät zurück zur Malerei. Lange Jahre bestimmte die Welt der Wissenschaft und Technik seinen beruflichen Weg, den er nach einer abgebrochenen Lehre als Plakatmaler mit der Umschulung zum Technischen Zeichner einschlug.

Er begeisterte sich für die Ingenieurwissenschaften, insbesondere für Kontinuumsmechanik und Materialtheorie, die er bis zur Habilitation perfektionierte. Die Biomechanik des Menschen, sichtbar gemacht durch am Rechner entwickelte Menschmodelle, hinführend zur Entwicklung zum Beispiel des optimalen Sportschuhs, beschäftigten ihn. 2012 war er Mitbegründer des Studiengangs "Material- und Produktdesign" an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach sowie der Frankfurt University of Applied Sciences. Dies führte ihn unter anderem 2013 zur Kunst zurück, in die er sich autodidaktisch stürzte. Seit 2016 ist Gerhard Silber als freischaffender Künstler tätig.

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"Zwischen Wissenschaft und Kunst bestehen viele Parallelen", sagte er, auch Mechanik sei sehr kreativ. Es sei immer die Aufgabe, ein Phänomen abzubilden, mathematisch oder künstlerisch.

Die dunkel verhaltene Farbgebung in Silbers Werken unterstreicht die tragischen Ereignisse, die er verarbeitet. Geflohene, Hooligans, Beobachter von Atombombenversuchen und Raketenstarts sind die Dargestellten, deren Gesichtszüge für den Künstler weitaus ergreifender sind als die Ereignisse selbst. "Mich fasziniert der Ausdruck der Gesichter", erklärte er.

Gerhard Silber legt seinen Fokus auf sozialkritische Themen, die aber hinter dem Menschen, der den tragischen Ereignissen ausgesetzt ist, zurücktreten. Die "Daydreamers" erliegen der Illusion zu musizieren. Der konzentrierte Ausdruck jedes einzelnen Gesichts ist dabei das Faszinierende.

Gerade bezüglich der gegenwärtigen Situation während der Corona-Pandemie vermitteln die in der Bewegung Verharrenden den Eindruck, in der Zeit eingefroren zu sein und nicht in die fließenden Bewegungen des Miteinander-Musizierens hinübergleiten zu können.

Aber da sich "die Welt in jedem Moment neu erfindet", wie Silber sagte, kann auch das Verharren nicht von Dauer sein.

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Die Sichtweisen der Künstler auf Mensch und Welt geben den Besuchern der Ausstellung Gelegenheit, Neues zu entdecken, indem sie neben Porträt und Körper auch Bindung und Gemeinschaft, wie bei Gerhard Silber, als künstlerische Motive einbeziehen.