Per Anhalter – aber komfortabler

Es ist eigentlich die alte Idee des Trampens, aber komfortabler und besser organisiert: Die „Mitfahrbank“ ist ein Angebot, das besonders in ländlichen Regionen seinen...

Anzeige

HOCHHEIM/MAIN/MASSENHEIM. Es ist eigentlich die alte Idee des Trampens, aber komfortabler und besser organisiert: Die „Mitfahrbank“ ist ein Angebot, das besonders in ländlichen Regionen seinen Charme entwickelt, wo Leute ohne Auto nur selten oder mit Mühe von A nach B gelangen. Wer zum Beispiel von einem Ortsteil in den anderen gelangen möchte, der setzt sich auf eine speziell gekennzeichnete oder farbig gestaltete Bank, und vorbeifahrende Autofahrer wissen, dass derjenige gerne mitgenommen werden möchte.

Auch in Hochheims Stadtteil Massenheim sind zu manchen Uhrzeiten die Busverbindungen eher dünn gesät. Die Hochheimer Freien Wähler hatten deshalb die Idee, ob man auch in Massenheim und Hochheim solche Bänke aufstellen könnte, um den Bewohnern von Hochheims einzigem Stadtteil zusätzliche Mobilität zu ermöglichen. Mit einem Prüfantrag an den Magistrat wollten sie zunächst klären, was solche Bänke kosten würden und ob es rechtliche Auswirkungen gibt. Als Nächstes will die FWG konkret werden und Standorte vorschlagen.

Vorreiter des Konzepts der Mitfahrbänke war der Kreis Bitburg-Prüm in der Eifel, berichtet der Magistrat. In verschiedenen süddeutschen Gemeinden stehen sie mittlerweile ebenfalls, und direkt in der Nachbarschaft hat die Stadt Taunusstein mit ihren zehn Stadtteilen seit Anfang dieses Jahres Mitfahrbänke installiert. In den zehn Stadtteilen stehen mittlerweile 15 blaue Bänke – und es haben sich bereits um die 200 Taunussteiner registrieren lassen, dass sie Fahrgäste mitnehmen. Das ist zwar nicht Voraussetzung, um einen Wartenden von der Mitfahrbank bei sich einsteigen zu lassen, doch es soll den Fahrgästen ein gewisses Maß an Sicherheit vermitteln. Wer registriert ist, bekommt einen Aufkleber fürs Auto, und die Mitfahrer wissen, dass der oder die Betreffende bekannt ist.

Die Registrierung nimmt in Taunusstein die Gruppe der „Lokalen Agenda“ entgegen, die auch die Idee ins Spiel gebracht und die Finanzierung organisiert hat. Alle Bänke wurden privat finanziert, es gibt Sponsoren. Auch die Freien Wähler in Hochheim wollen die Bänke durch Spenden finanzieren lassen.

Anzeige

Für vier Bänke (einschließlich Montage) würden Kosten in Höhe von etwa 1700 Euro entstehen, die dazugehörigen Schilder würden jeweils noch mit 30 Euro zu Buche schlagen, so der Magistrat. Sinnvoll wären möglicherweise weitere Schilder, auf denen die Fahrgäste die von ihnen gewünschten Ziele sichtbar machen können. In Taunusstein sind die Stationen so konstruiert. Neben jeder Bank steht ein Pfosten, an dem man Schilder mit verschiedenen Zielorten herausklappen kann. Das macht es für die Autofahrer leichter, zu erkennen, wohin der Wartende möchte und ob es Sinn hat, anzuhalten.

Bei der Standortwahl kommt es nicht nur darauf an, dass die Bänke möglichst an Durchgangs- oder Ausfallstraßen stehen, sondern auch, dass gefahrloses Anhalten und Ein- und Aussteigen möglich ist. In Massenheim scheine „die räumliche Enge vergleichsweise groß zu sein“, so der Magistrat, und da die Parkmöglichkeiten begrenzt sind, könnte es „Nutzungskonflikte“ geben. Als mögliche Standorte nennt der Magistrat die Zufahrt zur Sport- und Kulturhalle in Massenheim oder die Haltestellen in der Ortsmitte und an der Gartenstadt. Bei Letzteren müssten allerdings die jeweiligen Verkehrsbetriebe zustimmen und der Ablauf des Busverkehrs dürfte nicht behindert werden. In Hochheim wären Mitfahrbänke an der Haltestelle Altkönigstraße, am Nassauer Hof oder am Wasserturm an der Massenheimer Landstraße denkbar.

ULM soll mögliche Standorte vorschlagen

Die FWG will jetzt erst einmal ihre Schwester ULM (Unabhängige Liste Massenheim) bitten, im Ort zwei oder drei aus ihrer Sicht geeignete Standorte für Mitfahrbänke zu benennen, sagt Fraktionsvorsitzender Eric Müller. Er glaubt, dass das Modell in Massenheim gut funktionieren kann. „Die Idee ist, man kennt sich“.

Von Angelika Heyer