Psalmen im Plakatformat – Geistliche Musik von...

Gottes Lob im großen Ton: Felix Mendelssohn Bartholdys geistliche Musik stand im Mittelpunkt eines Konzerts der Schiersteiner Kantorei in der gut besuchten Basilika des...

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ELTVILLE. Gottes Lob im großen Ton: Felix Mendelssohn Bartholdys geistliche Musik stand im Mittelpunkt eines Konzerts der Schiersteiner Kantorei in der gut besuchten Basilika des Kloster Eberbach. Mit Psalm-Vertonungen, der „Reformationssinfonie“ und dem „Lobgesang“ aus der 2. Sinfonie hatte Martin Lutz, renommierter Kirchenmusiker und Dirigent, ein beziehungsreiches Programm aufgelegt. Mit von der klangvollen Partie waren auch das Bach-Ensemble und die norwegische Sopranistin Trine Wilsberg Lund.

Schon im Alter von sieben Jahren wurde Mendelssohn lutherisch getauft. Dicht am Text durchkomponiert und im Wechsel von reizvollen homophonen und polyphonen Passagen Spannung erzeugend, sind die von ihm vertonten Psalmen so auch ein Beleg starker Glaubensgewissheit.

Dazu zählt vor allem der Psalm 42 „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser“ für Sopransolo, vierstimmigen Chor und Orchester, in der großzügigen Akustik der Basilika ein beeindruckendes Glaubensplakat. Dynamisch zielstrebig entwickelt von einer Kantorei, deren auch zahlenmäßige Stärke für einen fülligen Flächenklang sorgt, stimmlich elastisch allerdings in den fugierten Passagen.

„Meine Seele dürstet nach Gott“, singt Wilsberg Lund mit glockenklarem Sopran, umspielt von feinen Oboen-Fiorituren. Auch gelinde Zweifel bringt die Gesangssolistin ein, freilich vom Männerchor mit einem eindringlichen „Harre auf Gott“ unisono weggewischt. Dieses einprägsame Motiv hat schon eingangs die Motette „Richte mich Gott“ bestimmt, achtstimmig a cappella ein Komprimat des Psalms 42 und vom Chor beeindruckend reingezeichnet.

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Auf Mendelssohn, dem Wiederentdecker J. S. Bachs, ist auch das Bach-Ensemble geeicht, dereinst als hessischer Vorposten der historischen Aufführungspraxis gelobt. Der „Reformationssinfonie“ verleiht das von Bläsern verstärkte Kammerorchester ungemeine Strahlkraft. Nach eindrücklichen Choral-Passagen und dem feinstimmigen „Dresdner Amen“ ist Luthers „Ein feste Burg“ eine Steilvorlage fürs Orchester, das dynamischen Höhepunkten zueilt, die sekundenlang im Raum stehen. Nach dem an Händels geradlinige Harmonik erinnernden Psalm 114 („Da Israel aus Ägypten zog“), von Dirigent Lutz wieder packend verhandelt, ein weiterer Lobgesang, nach vorausgegangener 2. Sinfonie, deren Hauptmotiv vielen geläufig ist – dient sie doch als Pausenzeichen bei Konzerten des Rheingau Musik Festivals. „Alles was Odem hat, lobe den Herrn.“ Das Erhabene dieser Klangsprache macht selbst notorische Sünderlein betroffen.

Von Klaus Ackermann