Kostproben des neuen Wiesbadener Ernst-Museums

In zwei Sälen des Landesmuseums präsentiert der Sammler Reinhard Ernst (Bild) Schlüsselwerke seiner Sammlung. Hier zwei Arbeiten von japanischen Künstlern, links von Shinoda Toko „Ascent“ aus dem Jahr 1975, rechts Masanari Murai, „Two Epodis“ von 1952. Foto: Volker Watschounek

Das Landesmuseum zeigt jetzt Schlüsselwerke aus der Sammlung Reinhard Ernst. Wiesbaden ist gespannt auf das neue Museum: Bei der Eröffnung herrschte großer Besucherandrang.

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WIESBADEN. Wiesbaden ist sehr gespannt auf das Reinhard-Ernst-Museum. Ein kleiner Vorgeschmack davon wurde deshalb jetzt im Landesmuseum zu einem großen Event: Um die 350 Besucher nutzten die Chance, einen Blick auf einige Schlüsselwerke der Sammlung zu werfen. In zwei Räumen des künftigen Nachbarmuseums zeigt Ernst erstmals Arbeiten aus seiner über 700 Werke umfassenden Kollektion an abstrakter Malerei.

Anlass dafür war die Präsentation eines ersten Bandes der „Schriften aus der Sammlung Reinhard Ernst“. Die Kunsthistoriker Christoph Zuschlag und Kirsten Maria Limberg stellten im prall gefüllten Vortragssaal des Landesmuseums den Band „Faszination Farbe/Abstrakte Malerei. Die Sammlung Reinhard Ernst“ vor.

Der in Wiesbaden lebende Unternehmer hat gemeinsam mit seiner Frau eine Stiftung gegründet, die an der Wilhelmstraße 1 auf eigene Kosten ein Museum für seine Sammlung baut. Das Museum entsteht nach einem Entwurf des japanischen Star-Architekten Fumihiko Maki. Die Eröffnung ist für Ende 2021 geplant.

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Bauantrag ist gestellt – Spatenstich im Sommer?

Der Bauantrag ist gestellt, in Kürze suche er mit dem Architekten in Italien den passenden Stein aus, erzählt Reinhard Ernst am Rande der Veranstaltung. Der Spatenstich solle nach Möglichkeit noch in der Amtszeit von Oberbürgermeister Sven Gerich stattfinden: „Er hat viel für dieses Projekt getan.“

Auch der Wiesbadener Museumsdirektor Alexander Klar hat sich von Anfang an für das Bauvorhaben eingesetzt. Er habe noch nie eine Sammlung gesehen, die so in die Breite gehe und dabei solche Spitzenwerke habe, so Klar.

Die Kunsthistoriker Zuschlag und Limberg haben aus der umfangreichen Sammlung für den ersten Band 160 Werke von 134 Künstlerinnen und Künstlern ausgewählt. Darunter ist auch Hubert Berke, der mit rund 50 Arbeiten die meisten Bilder eines Einzelkünstlers in der Sammlung hat. Von ihm stammen auch die ersten Arbeiten, die Ernst in den 80er Jahren kaufte.

Zur Kunst kam der Unternehmer, der seine beiden Limburger Firmen für Antriebssysteme mittlerweile verkauft hat, bei seinen vielen Geschäftsreisen in die USA und nach Asien. Freie Zeit verbrachte er dort in den Museen. Seine Sammlung beinhaltet Werke von 365 Künstlern aus dem amerikanischen abstrakten Expressionismus, dem europäischen Informel und der Gruppe Gutai, zu der übrigens das Frankfurter Städel eine Ausstellung plane, so Zuschlag.

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Werke dieser japanischen Künstlergruppe bilden den einen Teil der kleinen Präsentation im Landesmuseum. Reinhard Ernst ist Japan besonders verbunden. Der andere Teil widmet sich seiner Lieblingskünstlerin Helen Frankenthaler. Die US-Amerikanerin ist für ihre großformatige, farbgetränkten Leinwände bekannt. Von Frankenthaler, die mit dem Maler Robert Motherwell verheiratet war, besitzt Reinhard Ernst mehr als 30 Werke und ist damit auch international ein gefragter Leihgeber.

Enge Kooperation der beiden Museen geplant

Die Sammlung knüpfe an eine Avantgarde-Ausstellung in der Geschichte des Landesmuseums an, so Alexander Klar: 1957 war hier die Ausstellung „Couleur Vivante“ zu sehen, die als erste deutsche Museumsschau überhaupt französische und deutsche Abstrakte präsentierte. Diese Verbindung soll auch später in einer Zusammenarbeit beider Häuser sichtbar werden, kündigt Klar an. Die Einstimmung auf jeden Fall ist gelungen: Am großzügigen Büffet des Sammlers war die Vorfreude auf das neue Museum Thema der vielen Besucher.