Erfrischende Kommissarin, zu viele Klischees

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Ungleiche Partner: Lindholm (Maria Furtwängler, l.) stellt fest, dass Schmitz (Florence Kasumba) sich nichts gefallen lässt. Foto: NDR/Christine Schroeder

Der Hannoveraner "Tatort" hat ein Problem: Es gibt nur eine Erstausstrahlung im Jahr oder eigentlich noch seltener; derzeit gibt es ein Intervall von 13 bis 16 Monaten. Das ist...

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. Das passiert auch im neuen Fall "Das verschwundene Kind". Lindholm wurde wegen vom LKA Hannover in die Polizeidirektion Göttingen strafversetzt. Ja, wieso eigentlich? Die Älteren unter uns erinnern sich: Sie hatte in "Der Fall Holdt" eine fragwürdige Entscheidung getroffen, die dazu führte, dass der Hauptverdächtige sich das Leben nahm. Diese Tatsache wird in "Das verschwundene Kind" ganz kurz angerissen, zu kurz und vor allem zu schnell, um sich eine bunte Erinnerung daraus zu stricken.

Nun muss Lindholm also nach Göttingen pendeln – schwierig mit kleinem Kind zu Hause. Ja, den Sohn gibt es tatsächlich noch. Er taucht immer dann auf, wenn Lindholms Leben irgendwie ins Stocken geraten soll. Nun zu den positiven Aspekten: In Göttingen trifft Lindholm auf eine neue Kollegin: Anaïs Schmitz (Florence Kasumba). Die aufbrausende, temperamentvolle Polizistin ist – nicht nur optisch – ein erfrischender Gegenpunkt zu der eher drögen und reservierten Lindholm. Schmitz treibt die kühle Blonde ein ums andere Mal in den Wahnsinn, was schließlich in einem kleinen Nervenzusammenbruch mündet. "Es geht manchmal mit mir durch", sagt Schmitz, als sie sich entschuldigt, "mangelnde Impulskontrolle." Die beiden Frauen funktionieren erst einmal so wunderbar herrlich gar nicht zusammen, weshalb es wünschenswert wäre, dass Lindholm in Göttingen weiter ihr Dasein fristen muss. Glaubt man den "Tatort"-Planern, wird es genauso kommen. Gute Entscheidung!

Und dann ist da noch der eigentliche Fall: In einer Umkleidekabine eines Schul-Sportplatzes werden Blut- und Gewebespuren entdeckt. Offenbar hat dort eine Frau kürzlich ein Kind entbunden. Mutter und Kind sind jedoch verschwunden. Den Kommissarinnen stellt sich die Frage: Wo sind die beiden? Und: Leben sie noch? Die Geschichte ist bewegend und klug erzählt, allerdings auch gespickt mit allzu durchschaubaren Klischees und Bildern. Das ist schade, denn das Drehbuch hätte Potenzial, dem Zuschauer spannende 90 Minuten zu bescheren. So ist man zwischendurch gefangen zwischen Plattitüden und Vorhersehbarkeiten. Unterm Strich steht aber ein sehenswerter Krimi, der sich an einem Sonntagabend gut weggucken lässt. (Kirsten Ohlwein)

Das Erste zeigt den "Tatort: Das verschwundene Kind" am Sonntag, 3. Februar, um 20.15 Uhr.