Wiesbadener Medienexperte Günter Steppich gibt Eltern...

Zum Essen und vor dem Schlafengehen sollten in der Familie alle Handys außer Reichweite geparkt werden. Archivfoto: dpa  Foto:

Ein Taschenmesser mit vielen Funktionen, mag es auch noch so praktisch sein, würde man seinem Kind wohl nicht unbesorgt in die Hand geben. Logisch: weil es sich und anderen...

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KOSTHEIM. Ein Taschenmesser mit vielen Funktionen, mag es auch noch so praktisch sein, würde man seinem Kind wohl nicht unbesorgt in die Hand geben. Logisch: weil es sich und anderen damit sehr weh tun könnte. Anders sieht es aus mit einem Smartphone, das ja auch ein solches Werkzeug ist, verdeutlichte Günter Steppich. Um „smart“ damit umgehen zu lernen und gut informiert zu sein gab er viele praktische Tipps an interessierte Eltern weiter. „Erst das Gehirn einschalten, dann das Internet“, lautet seine Botschaft an Kleine und Große.

Als Referent für Jugendmedienschutz war er zu Gast im Bürgerhaus, eingeladen hatten die Schulen in Kastel und Kostheim im Rahmen ihrer neuen Veranstaltungsreihe. „,Alle haben das‘ – das stimmt nicht“, erklärte er anhand von Studien und Altersempfehlungen. Müsse ein Kind in Schule oder Freizeit erreichbar sein, genüge ein Tastenhandy. Wichtige Anwendungen wie die Suche von Informationen oder das Schreiben von Texten erlerne man effektiver am PC.

Ein Smartphone empfiehlt Günter Steppich frühestens ab 14, mobilen Internetzugang per Flatrate erst ab 16 Jahren, mit Beteiligung an den Kosten. Informativ und unterhaltsam gab er weitere „digitale Denkanstöße“, erklärte Begriffe und betonte: „Medienkompetenz ist Erziehungsaufgabe!“ Daher sollten Eltern ein Vorbild sein, selbst Regeln und Grenzen beachten und Maß halten. Denn so sinnvoll digitale Medien sein können, wenn es um Information, Kommunikation und Unterhaltung geht – die Gefahren seien vielfältig, ob mit Blick auf übermäßigen Konsum, Zeit- und Kostenfallen oder Inhalte.

Was kommt dem Kind und Jugendlichen via Bildschirm zu Augen und Ohren? Und was gibt es von sich preis? Dafür sollten sich Eltern interessieren, nach dem Prinzip „www: wann, wo, mit wem ist es online?“ Wichtig sei ein vertrauensvolles Verhältnis, um das Kind aktiv zu begleiten und offen über Risiken zu sprechen. Sicherheitseinstellungen und Änderungen hin zu mehr Privatsphäre seien erste wichtige Schritte. Zudem sollten Alternativen genutzt werden zu Google oder WhatsApp, ob mit Blick auf Datenschutz oder jugendgefährdende Inhalte.

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Weder Name noch Handynummer preisgeben

Weder Name noch Handynummer sollten in Onlineprofilen angegeben werden. Zudem sei Vorsicht geboten beim „Posten“ von Fotos und Videos, auf denen man zu sehen ist, womöglich in freizügigen oder peinlichen Situationen. Unkontrolliert verbreiten sich diese Inhalte weit, können zu Mobbing führen, in die falschen Hände fallen.

Auch Personen, die mit böser Absicht Kontakte zu ahnungslosen jungen Menschen anbahnen wollen, nutzten Plattformen und spähten Privates aus – nicht selten mit der Hoffnung, sich auch real zu treffen. Alle Nutzer sollten vorher genau überlegen, zu wem sie Kontakt aufnehmen und wen sie als „Freunde“ hinzufügen möchten. Selbst im engen Freundeskreis sollten nie Kinderfotos über soziale Netzwerke gesendet werden, rät Günter Steppich: „Man weiß nie, wo die Bilder landen.“

Ob Kurznachrichten, Mitteilungen in der Klassengruppe oder beliebte Spiele, die viel Einsatz erfordern: All das binde sehr viel Zeit und Aufmerksamkeit, verdeutlichte der Referent. Die Stunden vor dem Bildschirm fehlten dann meist an den Hausaufgaben und Aktivitäten im realen Leben. Die Freizeitgestaltung sollte daher vielfältig sein, auch mit Sport, Instrument, anderen Hobbys und tatsächlicher Zeit mit Familie und Freunden statt Tastentippen.

Zu festgelegten Zeiten, am Essenstisch, vor dem Schlafengehen und nachts, sollten möglichst alle Smartphones in der Familie abgeschaltet und an fester Stelle „geparkt“ werden. Sind sie stattdessen nachts noch im Kinderzimmer, rauben sie nötigen Schlaf und nerven mit ständigen Mitteilungen. Die Geräte als Strafe abzunehmen sei nicht sinnvoll, viel wichtiger sei ein guter, bewusster Umgang und Vertrauen zwischen Kindern und Eltern.