Wiesbaden-Revue: „Casino Totale“ möchte mit...

Helmut Schön trifft Karin Dor, Alexej von Jawlensky und Felix Krull, die Protagonisten der Wiesbaden-Revue (von links: Malte Kühn, Sabine Gramenz, Klaus Brantzen und Pascal Fey). Foto: Werner Helbig   Foto: Werner Helbig

Es ist ein Kreuz mit diesem Saal, der doch eigentlich so schön ist. Vielleicht sogar der schönste Saal der Landeshauptstadt. Wenn man sagt, „ich gehe in den Casino-Saal“,...

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WIESBADEN. Es ist ein Kreuz mit diesem Saal, der doch eigentlich so schön ist. Vielleicht sogar der schönste Saal der Landeshauptstadt. Wenn man sagt, „ich gehe in den Casino-Saal“, denken Ortsfremde wahrscheinlich, man sei auf dem Weg zum Roulette. Sagt man aber ganz korrekt, „ich gehe in den Herzog-Friedrich-August-Saal der Casino-Gesellschaft“, ist der Gesprächspartner womöglich eingeschlafen, bevor man beim letzten „t“ angekommen ist. Das klingt ganz schrecklich altbacken nach Zipfelmützen im nassauischen Residenzstädtchen.

„Kleines Revuetheater“ von Sabine Gramenz

Wenn sich am Samstag, 28. April, in der Friedrichstraße 22, wo die honorige Casino-Gesellschaft residiert und ihren Saal für allerlei Veranstaltungen öffnet, zum ersten Mal der Vorhang zu „Casino Totale“ hebt, der „ultimativen Wiesbaden-Stadtrevue Teil 1“, dann wird man eine ähnliche Situation antreffen. Der Ausgangspunkt der Revue, verrät Klaus-Dieter Köhler, ihr Autor und Regisseur, ist nämlich der Irrtum eines jungen Mannes, der eigentlich ins Spielcasino will – aber bei der traditionsreichen, „Kultur, Geschichte und Geselligkeit“ verpflichteten Gesellschaft landet. So steht es schon auf dem Einband der Festschrift, die zur 200-Jahr-Feier 2016 erschienen ist.

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Auf die Idee einer „Wiesbaden-Revue“ ist ebendiese Casino-Gesellschaft im Kontext des Jubiläums gekommen. Die Gesellschaft konnte dann den Verein „Kleines Revuetheater“ von Sabine Gramenz und Malte Kühn für die Realisierung gewinnen. Der Verein wiederum beauftragte den Regisseur Klaus-Dieter Köhler, der selbst seit 1974 reichlich Wiesbaden-Erfahrung gesammelt hat und häufig Komödiantisches an den hiesigen Kammerspielen inszeniert, mit Buch und Regie.

Der Sohn des ehemaligen Generalmusikdirektors möchte also diesen jungen Mann („alle halten ihn für Felix Krull“), der vom Nachwuchs-Schauspieler Pascal Fey verkörpert wird, auf Zeitreise in die letzten 100 Jahre schicken. Dabei trifft er zum Beispiel den Maler Alexej von Jawlensky (Klaus Brantzen) – und sein Modell. In diese delikate Rolle unter anderem schlüpft die Sopranistin Sabine Gramenz, die mit dem Pianisten Malte Kühn in diversen Kleinkunstprogrammen hervorgetreten ist. Es wird nicht bei dieser Begegnung bleiben. In der Stadtgeschichte wimmelt es ja vor künstlerischer Prominenz, Stars und Sternchen: Von Dostojewski bis Karin Dor und Eddie Constantine, von Tucholsky, James Joyce und Jawlensky bis zu Helmut Schön oder Volker Schlöndorff.

„Man landet erst mal in den 20er Jahren“

„Man landet erst mal in den 20er Jahren“, sagt Köhler über das Programm, das von 1913 bis in die Gegenwart reicht und dabei durchaus dichterische Freiheit beansprucht: „Nicht alles ist historisch.“ Dem ersten Teil der „Stadtrevue“ könnte ein zweiter Teil folgen, der das 19. Jahrhundert abdeckt. „Die Revue soll vor allem unterhalten und kein belehrender Vortrag sein“, betont Sabine Gramenz. Aber auch „Berührendes“, findet Köhler, dürfe seinen Platz haben. Und Bedrückendes: Zur Stadtgeschichte gehört ein Besuch des Pazifisten Kurt Tucholsky, der von lautstarken Nazi-Protesten auf der Friedrichstraße begleitet war.

Die Arrangements der Chansons und Lieder werden teilweise von Malte Kühn, dem Mann am Klavier, selbst kommen. „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ ist natürlich ein Pflichtstück – schließlich wurde der gleichnamige Heimatfilm von 1953 mit Willy Fritsch, Magda Schneider und der jungen Romy in Wiesbaden und Umgebung gedreht. Franz Doelles Flieder-Lied war aber schon lange vor dem Film beliebt: Der musikalische Schwerpunkt der Revue sollen überhaupt Schlager der 20er und 30er Jahre sein. „Ganz früher Schönberg“ sei ebenfalls vertreten, kündigt Malte Kühn schmunzelnd an. Und wenn der Sohn des langjährigen Wiesbadener Generalmusikdirektors Siegfried Köhler Regie führt, darf der Papa im musikalischen Programm natürlich nicht fehlen. Der beliebte Dirigent, der im vergangenen Jahr gestorben ist, führte ja ein „Doppelleben“ als Komponist der leichten beziehungsweise mittelschweren Muse, hat Musicals und Operetten verfasst.

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Ein Frontaltheater ist im Herzog-Friedrich-August-Saal übrigens nicht zu erwarten. Die Bühne wird in der Mitte des Saals aufgebaut, das Publikum sitzt an Tischen drumherum. „Ich freue mich riesig auf die ersten Proben“, sagt Christine Rother von der Casino-Gesellschaft bei der Vorstellung der Revue-Idee. Und alle zusammen hoffen sicherlich, dass sich nicht allzu viele Besucher, die am 28. April in den Casino-Saal wollen, stattdessen ins Spielcasino verirren.