Mit einem Hauch von Hollywood

Aurelio Pokorski, Jan Niklas Thomsen, Lara Winde, und Teanna Weiß (von links) spielen in dem Wiesbadener Film „Die Flaschenpost-Insel“ Hauptrollen. Foto: Volker Watschounek  Foto: Volker Watschounek

Ein Hauch von Hollywood stellte sich bei der Filmpremiere von „Die Flaschenpost-Insel“ im voll besetzten Caligari ein: Etliche männliche Gäste hatten sich in Anzug mit...

Anzeige

WIESBADEN. Ein Hauch von Hollywood stellte sich bei der Filmpremiere von „Die Flaschenpost-Insel“ im voll besetzten Caligari ein: Etliche männliche Gäste hatten sich in Anzug mit Schleife geworfen, die Frauen setzten auf Cocktailkleider. Natürlich gab es im Foyer auch einen kleinen roten Teppich mit Plakatwand, wo sich die mit Mini-Oscars ausgezeichneten vier Hauptdarsteller in professionellen Posings präsentierten und Autogramme gaben.

Wiesbaden als attraktiver Set

Bei dem Neunzig-Minuten-Streifen handelt es sich nicht um ein kommerzielles Produkt wie „Jim Knopf“ oder einen Fantasy-Blockbuster wie „Tintenherz“. Produzentin des mit einem Budget von nur 120 000 Euro mager ausgestatteten Projekts ist Corinna van Eijk. Für die Leiterin der in der Wiesbadener Friedrichstraße angesiedelten privaten Kinder- und Jugendschauspielschule „Scaramouche Acadamy“ ist es das aktuell größte Medienprojekt. Unter den Sponsoren für den abendfüllenden Kinofilm ist neben den örtlichen Wirtschaftsbetrieben das Wiesbadener Kulturamt.

Das Drehbuchtrio Therese Dittrich, Luise Köhler und Toni Kurtin (Regie) hat sich die Geschichte der zwölfjährigen Laini (Teanna Weiß) ausgedacht. Von ihren Adoptiveltern bekommt sie zum Geburtstag das einzige Überbleibsel ihrer auf der Flucht aus Afrika ertrunkenen Eltern: Ein zerknautschtes Familienalbum, in dem etliche verschwommene und durchlöcherte Bilder sind. Mit ihrer Freundin Babsi (Lara Winde), und später mit dem US-Kid Paul (Jan Niklas Thomsen) fängt das junge Mädchen an, das Rätsel zu lösen. Ihr jahrelanges Ritual ihren toten Eltern Briefe als Flaschenpost via Rhein zu schicken, erweist sich als Sackgasse und wird zugleich zum Schlüssel. Am Ende wird ausgerechnet der an Asperger leidende Klassenaußenseiter Michael (Aurelio Pokorski) zum mutigen Helden.

Anzeige

Vor allem die Kamera von Felix J. Harjans mit atmosphärisch ruhigen und schlau fokussierten Einstellungen, die aus Wiesbadener Orten wie dem Neroberg, dem Rheinufer und der Fußgängerzone einen attraktiven Set zaubert, überzeugt cineastisch. Vom Plot und den Dialogen her versucht die Flaschenpost-Story gar nicht erst, hollywoodesk aufzutreten. Beim gemeinsamen multikulturellen Barbecue zum Finale ist das Rätsel gelöst, die Probleme trotz allseits guter Laune aber noch nicht, denn über die wird man nun miteinander reden müssen.

Von Katrin Schwedler