Kostheimer Heimatverein stellt in seinem Museum Erinnerungen aus

Da werden Erinnerungen wach: Die Fastnachtsausstellung im Schaufenster des Kostheimer Heimatmuseums hält so einige Schätze bereit. Foto:hbz/Jörg Henkel  Foto:

Einem närrischen Siegertreppchen gleicht die Konstruktion, auf dem der Heimatverein Kostheim seine Fastnachtsschau in das Schaufenster seines Heimatmuseums in der ehemaligen...

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KOSTHEIM. Einem närrischen Siegertreppchen gleicht die Konstruktion, auf dem der Heimatverein Kostheim seine Fastnachtsschau in das Schaufenster seines Heimatmuseums in der ehemaligen Ortsverwaltung gestellt hat. Dabei geht es jedoch keineswegs um den Sieger eines karnevalistischen Wettbewerbs. Die drei Stufen sollen nur eine Plattform für die Sammlung von bunt schillernden Insignien der Fastnacht aus dem vorigen Jahrhundert bieten.

Erstaunliche Fülle auf kleinem Raum

„Diese Stufen haben wir aus Styropor aufgebaut weil sich darauf Dinge wie Steckorden in der Senkrechten leichter anbringen lassen“, sagt Hans-Jürgen Föllinger. Zusammen mit Inge Rudhof hat er als Vorstandsmitglied des Heimatvereins die Ausstellung aufgebaut. Mit einer erstaunlichen Fülle auf kleinem Raum wirkt sie besonders schön, wenn nach Einbruch der Dämmerung die Farben aufleuchten.

Im Mittelpunkt steht eine Kostheimer Fastnachter Ikone aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, an die sich auch heute noch die älteren Mainstädter erinnern: Seppl Föllinger ein närrisches Multitalent in der Saalfastnacht und im Straßenkarneval. Über Jahrzehnte führte er als Generalfeldmarschall die Garde der Roten Husaren durch viele erfolgreiche Kampagnen. Zugleich schwang er in ihren Sitzungen auch das Zepter des Sitzungspräsidenten. In gleicher Funktion sah man ihn bei den Waldhof-Sitzungen der damaligen Zellstoff-Fabrik oder beim Gesangsverein „Harmonie“.

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Schließlich entfachte er auch selbst Stimmungswogen als Büttenredner. Nicht zuletzt zeugen davon weit über einhundert Fastnachtsorden. Etwa vierzig davon hat Föllinger-Junior Hans-Jürgen für die gegenwärtige Präsentation ausgewählt. Besonders stolz war der Kostheimer Vollblutfastnachter auf den großen vierteiligen Wappenorden des MCV. Dieses Glanzstück des Mainzer Carneval-Vereins, das die Grundmotive der politisch-literarischen Fastnacht widerspiegelt, hat einen Platz in der vordersten Reihe gefunden. Eine Etage höher blickt Seppl Föllinger aus einem großformatigen Farbfoto dem Betrachter in die Augen. Umgeben von den Insignien seiner Würden, der feingliedrigen Präsidentenkette mit eingearbeitetem Orden der Roten Husaren, dem Marschallstab und dem Zepter. Dieses Requisit aus der Frühzeit der Fastnacht ist ein hölzerner Stab mit einem geschnitzten Narrenkopf und einem roten Umhang, im Fachjargon der Brauchtumspfleger auch Marotte genannt. Schließlich die Kappen. Was wäre die Fastnacht ohne die krönenden Accessoires der Jocus-Jünger, die damals von den Korporationen für besondere Leistungen verliehen wurden. Drei Exemplare lenken in dieser Ausstellung den Blick auf sich. Mit einer Ausnahme ohne Vereinslogo, sodass sich nicht mehr feststellen lässt, von welcher Korporation sie stammen.

Nicht fehlen dürfen in diesem närrischen Kosmos auch die Zugplakettchen. Die hier präsentierten stammen aus den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg, als man sie noch an das Revers heftete und seitlich, etwas im Hintergrund, wacht eine kostümierte Figurine über das kleine Narrenreich.

Wer sich darüber hinaus auf die Spuren der Kostheimer Fastnacht und ihrer Ursprünge begeben möchte, hat dazu im Heimatmuseum Gelegenheit. „Wir haben unter anderen Dokumente, wie die alte Vereinsfahne der 1883 gegründeten Karnevalsgesellschaft ‚Ungläubibge‘, dem bis Ende der 1920er-Jahre existierenden Vorläufer des heutigen Kostheimer Carneval-Vereins“, sagt Holm Collofong, Vorsitzender des Heimatvereins. Das Museum ist jeden ersten und dritten Sonntag im Monat geöffnet.

Von Helmut Wirth