"Kürzertreten": Hübner verlässt Eintracht zum Saisonende

Von Peppi Schmitt

Eintracht-Manager Bruno Hübner. (Foto: Thomas Frey/dpa )

FRANKFURT - Eine Überraschung war es nicht mehr, höchstens noch der Zeitpunkt der Bekanntgabe: Bruno Hübner wird nach zehn Jahren als Manager und Sportdirektor die Frankfurter Eintracht zu Saisonende verlassen. Gemeinsam mit dem Vorstand habe er sich darauf geeinigt, den im Sommer auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Dies sei keine „spontane Entscheidung“ gewesen, sagte Hübner, sondern eine wohlüberlegte: „Ich denke, es ist der richtige Zeitpunkt“. Die Gründe würden alleine im privaten Bereich liegen.

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„Mit 60 Jahren wollte ich etwas kürzertreten und für den Klub ist sicher eine Veränderung auf dieser Position nach so langer Zeit auch sinnvoll“, sagte Hübner in einer Pressekonferenz, „in den vergangenen Monaten hat sich immer mehr herauskristallisiert, dass dies für beide Seiten die beste und richtige Lösung ist.“ Er sei „fein“ mit seinen zehn Jahren bei der Eintracht. Als Nachfolger sind unter anderen die ehemaligen Spieler Pirmin Schwegler und Gelson Fernandes sowie Sebastian Zelichowski im Gespräch.

Familie soll Vorrang haben

Hübner hat vor, sich komplett ins Privatleben zurückzuziehen. „Ich fühle mich zwar jünger als 60, aber nicht körperlich“, sagte der frühere Bundesligaprofi des 1.FC Kaiserslautern. Er habe gerade im letzten aufreibenden Jahrzehnt als Eintracht-Manager kaum Zeit gefunden, Erfolge auch mal zu genießen. „Und noch weniger Zeit hatte ich, den Weg meiner Söhne in der Bundesliga zu verfolgen“, sagt er. Benjamin spielt in Hoffenheim, Florian bei Union Berlin. Die Familie soll in den nächsten Jahren Vorrang haben. Hübner: „Ich bin gerade auch Opa geworden, auch das will ich genießen.“

Zur Person

Bruno Hübner wurde am 28. Januar 1961 in Kastel geboren und startete in seiner Heimat seine Fußballkarriere, die ihn 1981 in die Bundesliga zum 1. FC Kaiserslautern führte. Beim SV Wehen ließ der 1,86 Meter große Stürmer seine Laufbahn ausklingen. Mit dem MSV Duisburg gelang Hübner 2011 der Einzug ins DFB-Pokalfinale, ehe er bei Eintracht Frankfurt eine neue Herausforderung suchte.

Bis zur fußballerischen Rente werde er „mit ganz Kraft“ weiter für den Klub arbeiten. Er habe die bevorstehende Trennung jetzt öffentlich gemacht, damit sich alle auf Fußball konzentrieren könnten. „Alle haben verdient, dass hier Ruhe herrscht“, sagt er. Das sollte freilich auch für Sportvorstand Fredi Bobic gelten, der mit Hertha BSC in Verbindung gebracht wird und für Trainer Adi Hütter, der angeblich in Mönchengladbach im Gespräch ist. Zumindest bei Hütter hat Hübner eine klare Meinung. „Ich weiß nicht, ob das der nächste Karrieresprung für Adi wäre“, sagt Hübner, „die machen eine Topjob, aber ich denke da können wir auch mithalten.“ Daraus spricht das Selbstvertrauen der jüngsten Erfolge. Schon jetzt sei es für die Eintracht eine „außergewöhnliche Saison“, doch Hübner träumt von mehr. „Unser Ziel ist ein internationaler Wettbewerb“, ordnet er ein, „würde es die Champions-League, wäre das vergleichbar mit der Deutschen Meisterschaft.“

Hübner hatte seine Entscheidung schon vor der öffentlichen Bekanntgabe langjährigen Vertrauten mitgeteilt und auch die Mannschaft eingeweiht. Er hat mit den Trainern Armin Veh und Niko Kovac telefoniert, die längst zu seinem Freundeskreis gehören. Und er hat Heribert Bruchhagen angerufen, der ihn zur Eintracht geholt hatte. „Ich habe mich bei allen bedankt, sie waren wichtige Begleiter“, sagt er. Besonders emotional seien die Vier-Augen-Gespräche mit den Spielern gewesen.

Auch keine Beratertätigkeit

Er werde der Eintracht immer „freundschaftlich“ verbunden sein, betonte er, eine Beratertätigkeit, wie sie eine Zeitung ins Spiel gebracht hatte, wird es aber nicht geben. „Das schließe ich aus“, sagte Hübner, „die Eintracht ist so gut aufgestellt, dass sie keinen Berater braucht.“ Sollte mal einer der Verantwortlichen anrufen, „dann werde ich offen meine Meinung sagen und gerne einen Tipp geben.“ Mehr aber nicht. Als ersten Anrufer erwarte er zur neuen Saison dann Adi Hütter. „Er wird sich melden, sonst weiß er ja nicht, wen er aufstellen soll“, witzelt Hübner.

Hübner hatte im Sommer 2011 bei der Eintracht in der Zweiten Bundesliga begonnen und den Klub zum sofortigen Wiederaufstieg geführt. In der Folgezeit gelang drei Mal der Einzug in die Europa League. Zu Buche standen zudem zwei Teilnahmen am DFB-Pokalfinale mit dem größten Erfolg der vergangenen 30 Jahre: dem Gewinn des DFB-Pokals 2018. „Eine unglaublich aufregende, schöne und erfolgreiche Zeit“, sagt er, „vielleicht geht es mit etwas ganz Großem zu Ende.“ Denn bis zum 30.Juni wird Bruno Hübner ja noch für die Eintracht arbeiten.