Interview mit der Syrerin Rana Tarab

Die Syrerin Rana Tarab legt erfolgreich ihre Kosmetikerinnen-Meisterprüfung ab. (Foto: Traudel Hermann)

WÖRSDORF - Die aus ihrem Land nach Deutschland geflüchtete und heute 38-jährige Syrerin Rana Tarab bestand ihre Kosmetikerinnen-Meisterprüfung. Traudel Hermann von der Flüchtlings- und Integrationshilfe Idstein sprach mit der jungen Frau über deren Erfahrungen.

Frau Tarab, wann haben Sie beschlossen, die Kosmetikerinnen-Meisterprüfung zu machen?

Als ich zunächst die staatliche Anerkennung meiner Berufsausbildung vom Präsidenten der Handwerkskammer erhalten hatte, ermutigte er mich dazu, doch noch die Meisterprüfung zu absolvieren.

Wie war der Start in der Schule?

Der Anfang war sehr, sehr schwer, weil ich nicht alles auf Deutsch verstehen konnte. Aber mit der Zeit und dem selbstständigem Lernen zu Hause habe ich bis zum Ende der Fortbildung alles verstanden. In der Praxis hatte ich von Beginn an keine Schwierigkeiten.

ZUR PERSON

Die heute 38-jährige Syrerin Rana Tarab erreichte am 28. Juli 2015 mit ihrer Familie Deutschland. Vor ihrer Flucht arbeitete die Syrerin acht Jahre lang als Kosmetikerin in der dermatologischen Abteilung eines Krankenhauses in Saudi Arabien und verfügte daher bereits vor der Ausbildung in Deutschland über ein breites Wissensspektrum. Sie begann ihre Ausbildung in einem Wörsdorfer Kosmetikstudio, das sie später übernahm.

Wie wurden Sie von den Lehrern aufgenommen?

Meine Lehrerin und die Schulleiterin waren sehr freundlich zu mir. Außerdem hatte ich eine Mitschülerin aus dem Libanon, so hatten wir auch die Möglichkeit, uns in unserer Muttersprache auszutauschen.

Vor was hatten Sie am meisten Angst?

Anfangs hatte ich in der Schule großen Respekt vor den schriftlichen Anforderungen in deutscher Sprache. Mit der Zeit ist dann die Angst weniger geworden.

Wer hat Ihnen am meisten geholfen, alles zu verstehen?

Es war hilfreich, dass ich innerhalb des Unterrichts immer Fragen stellen konnte! Alles andere konnte ich zu Hause selbst erlernen und verstehen. Am meisten half mir aber meine langjährige Berufserfahrung.

Was haben Sie in Zukunft vor? Werden Sie das Kosmetikinstitut in Wörsdorf weiter führen?

Ja, auf jeden Fall. Ich bin sehr glücklich, dass es diese wunderbare Möglichkeit für mich gibt. Unglaublich wertvoll war für mich das große Vertrauen, das mir meine ehemalige Chefin in Wörsdorf entgegengebracht hat. Wie Sie ja wissen, habe ich ihr Kosmetik-Institut übernommen.

Wie erging es Ihrer Familie in der Zeit, als Sie lernen mussten? Hatten Ihr Mann und Ihre drei schulpflichtigen Söhne Verständnis für diese Fortbildung?

Ja, sie waren verständnisvoll und hilfsbereit. Allerdings musste ich, um mein Lernpensum zu erfüllen, morgens immer sehr früh aufstehen. Mein Mann und meine Kinder hatten immer Verständnis für mich und haben mir in dieser Zeit viel im Haushalt geholfen.

Welche Fächer waren am schwersten?

Chemie! Dieses Fach war eine echte Herausforderung für mich! Eine weitere Herausforderung war es, meine Meister-Mappe zu erstellen. Eine liebe deutsche Freundin hat mir sehr geholfen, indem sie meine Arbeit Korrektur gelesen hat.

Haben Sie manchmal daran gedacht, aufzugeben?

Ja, habe ich! Meine Familie und meine Freunde haben mich jedoch dazu ermutigt, weiterzumachen. Ich möchte auch allen danken, die mich immer ermutigt haben. Ich danke meiner Familie, meinen Freunden und aber auch meinen lieben Kundinnen, die mir immer wieder gesagt haben, dass ich diese Meisterprüfung schaffen kann.

Wie denken Sie über die Zukunft?

Ich bin sehr zuversichtlich! Es ist ein so gutes Gefühl, diese Meisterprüfung bestanden zu haben. Es macht mir außerdem große Freude, die Wünsche meiner Kundinnen nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen erfüllen zu können.

Abschließend möchte ich sagen, dass ich in Deutschland von vielen Seiten Hilfe bekommen habe. Insbesondere die Flüchtlings- und Integrationshilfe Idstein, das Studentenwerk, aber auch die evangelische Kirchengemeinde Idstein waren für mich und meine Familie da.

Deutschland hat sehr viel für uns getan. Dafür bin ich, aber auch meine Familie sehr, sehr dankbar!

Das Interview führte Traudel Hermann.

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