Volleyball: VC Wiesbaden im Sommer 2010 - eine Rechnung mit vielen Unbekannten
23.08.2010 - WIESBADEN
Von Jürgen Möcks
Der VC Wiesbaden im Spätsommer 2010 – eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Manager Achim Exner als wichtigster Entscheidungsträger weilt bis Mitte Oktober in der Karibik, die drängende Frage nach der Heimspielstätte weiterhin ungeklärt, der Kader des Volleyball-Bundesligisten noch unvollständig und ein Publikumsliebling, der um die Fortsetzung seiner sportlichen Laufbahn kämpft.
Dennoch versprühen Spielerinnen, Trainer und Verantwortliche beim Trainingsauftakt Optimismus. Und das, obwohl dieser aufgrund strömenden Regens kurzfristig vom Biebricher Schlosspark in ein Fitness-Studio verlegt worden ist. Dort, inmitten von Hobby- und Freizeitsportlern, werden die neun bislang unter Vertrag stehenden Spielerinnen um die Neuzugänge Regina Burchardt (27 Jahre, Haro Rioja Voley, Außenangriff), Natalia Cukseeva (20, SVLohhof, Außenangriff) und Olga Raonic (23, Iraklis Thessaloniki, Zuspiel) bis zum Bundesliga-Auftakt am 1. Dezember gegen den USCMünster häufiger anzutreffen sein.
Dreimal die Woche wollen Trainerin Xiaojun Yang und ihr neuer Assistent Christian Sossenheimer (38, ehemaliger Rüsselsheimer Bundesliga-Spieler) mit ihren Schützlingen dort die Grundlage legen, um für die Dreifach-Belastung mit Pokal, Meisterschaft und Europapokal gewappnet zu sein. Englische Wochen werden für Fetting, Borowikow und Co. die Regel sein.
„Die Vorbereitung“, sagt Yang, „ist diese Saison noch viel wichtiger.“ Der Spielplan sei eine Katastrophe, Korrekturen während der Runde kaum möglich. „Da wird vor allem Regeneration auf dem Programm stehen.“ Umso wichtiger, dass der Chinesin möglichst bald der komplette Kader zur Verfügung steht. Wichtigste Baustelle: die Besetzung der Libero-Position. Bislang sind alle Kandidatinnen durch den Rost gefallen, zwei weitere spielen diese Woche vor. Doch weder Yang noch Geschäftsführer Detlev Sieber wollen sich unter Zeitdruck setzen lassen.
Wechselfrist bis Ende Januar
Ebenso wenig wie bei der Suche nach einer, besser zwei Mittelblockerin (nen). Zumal die Wechselfrist in dieser Saison bis Ende Januar läuft, zudem für Spielerinnen aus dem Ausland die dreimonatige Wechselsperre entfällt. „Als Vizemeister ist die Luft nach oben dünn. Und wir wollen uns nicht verschlechtern“, sagt Sieber.
Viel drängender als die ungeklärte Personallage bleibt die Frage nach der Heimspielstätte. Vor zehn Tagen hat der VCW einen Antrag bei der Deutschen Volleyball-Liga (DVL) gestellt, mehr als die sieben genehmigten Partien in der Halle am 2. Ring austragen zu dürfen. Die Antwort steht noch aus, doch die süß-saure Miene von Sieber lässt erahnen, in welche Richtung die Entscheidung ausfallen wird. Der Geschäftsführer weiß selbst, dass die Zeit drängt, Sponsoren, Spielerinnen und Fans endlich wissen wollen, woran sie sind.
Diese, spätestens nächste Woche hofft Sieber Fakten schaffen zu können. Zumal: „Man macht sich schon seine Gedanken, wird auch ständig darauf angesprochen“, sagt Spielführerin Nicole Fetting. Manche Spielerin sei beruflich an Wiesbaden gebunden, manche wollten langfristig hier bleiben. „Ich hoffe nur, dass wir Athleten nicht darunter leiden müssen.“
Lehmanns Qualen
Leiden musste in den vergangenen Wochen und Monaten Steffi Lehmann. Die Außenangreiferin und dienstälteste VCW-Akteurin kämpfte nach ihrem Kreuzbandriss und Knorpelschaden im rechten Knie in der Reha nicht nur um den Anschluss, sondern auch um die Fortsetzung ihrer sportlichen Laufbahn. „Ans Aufhören habe ich nie gedacht. Ich bin ja erst 26“, betont Lehmann. Derzeit sei sie schmerzfrei. Man müsse schauen, wie das Gelenk nun die Belastung verkrafte. Nur eine von vielen offenen Fragen beim VCW.

