Ni Hao Ihr Lieben,
wir sind nun schon drei Tage im Land der aufgehenden Sonne und erleben immer wieder neue aufregende Dinge. Nachdem wir die erste Trainingseinheit gestern mit dem Tianjin Team gut überstanden hatten, bot uns Xiaojun an in ein chinesisches Massagecenter zu fahren, um unsere Muskulatur ein wenig zu lockern.
Dass es ein unvergessliches Erlebnis werden würde ahnten Josi, Nicole und Ich noch nicht als wir uns, begeistert von der Idee, meldeten.
Direkt nach dem Abendessen ging es los in dieses Center. Wir hatten die ganz normalen Vorstellungen einer Massage: separate Räume, einfache Massagebänke mit weißen Handtüchern und Masseure in Badelatschen und weißen Polohemden. Nur der Preis würde mit 128 R.E.M für eine Stunde sehr günstig ausfallen.
Aber andere Länder, andere Sitten…zuerst mussten wir unser Schuhe ausziehen und bekamen Badelatschen. Das sorgte schon für Heiterkeit bei den Angestellten und bei uns, da die Frauenbadelatschen viel zu klein waren für unsere Füße(das unsere Füße in die Größe 35 gepasst haben, ist schon sehr lange her). Also ging es weiter in grauen Männerbadelatschen.
Wir wurden hoch in einen anderen Raum geführt, wo wir uns umziehen sollten. In China muss man bei der Massage bekleidet sein, so bekamen wir einen rosa Schlafanzug mit Herzchen, den wir anziehen mussten. Leider hatten wir keinen Fotoapparat dabei, sonst hätten wir euch mitlachen lassen können.
Der Massageraum sah folgendermaßen aus. Ein riesiger Raum in rotes Licht getaucht, mit vielen roten Sofaliegen nebeneinander und für zwei Liegen jeweils ein Bildschirm zum fernsehen. Wir fühlten uns leicht merkwürdig in unseren rosa Schlafanzügen…dann kamen unser Masseurinnen. In einem kurzen Kleidchen mit tiefem Dekolletee. Die Massage war super und entspannend, nur unsere Lachmuskeln wurden stark beansprucht. Die große Überraschung kam dann am Ende, als man uns noch weitere 120 R.E.M. fürs Duschen berechnen wollte, obwohl wir diese nicht nutzten. Aber nicht mit unserer chinesischen Trainerin! So leicht kann man eine chinesische Olympiasiegerin nicht übers Ohr hauen. Nach langem hin und her und vielen chinesischen Wörtern, deren Bedeutung wir nur aus den Gesichtsausdrücken erahnen konnten, mussten wir das Geld nicht mehr bezahlen und setzten uns in ein Taxi zurück ins Hotel. Dort lagen die meisten schon im Bett, denn langsam machen sich der Jetlag und die Müdigkeit durchs Training bemerkbar.
Heute Morgen nach dem Frühstück ging es dann um 9.00 Uhr wieder in die Halle zu einer gemeinsamen Trainingseinheit mit dem Tianjin Team. Annahme Training und ein paar Sätze 6 gegen 6 standen auf dem Programm.
Aber übers Training wurde euch ja schon ausreichend berichtet, deshalb möchte ich euch noch etwas über die anderen Gegebenheiten hier berichten. Wir wohnen hier in einem 4Sterne Hotel, mit einer sehr prunkvollen Eingangshalle, in der in einer großen Vase zwei kleine Kojs schwimmen. Auf unseren Zimmern haben wir in einem kleinen Glas ebenfalls zwei Fische, die bei einigen aber nur noch auf dem Rücken schwimmen. Zur Halle fahren wir mit dem Bus ca. 10min durch die Stadt. Der Verkehr hier hat seine eigenen Regeln und die Farben auf den Ampeln scheinen nur Empfehlungen zu sein. Unsere Halle ist Teil einer Sportanlage mit Baseball- und Tennisfeldern, Tartanbahn zum laufen und einer Halle für die Trampolinspringer. Vor unserer Halle befindet sich noch eine etwas kleiner Halle mit einem Volleyballfeld, auf dem aber meistens Badminton gespielt wird. Das scheint hier ein Volkssport zu sein ähnlich wie bei uns das Volleyball Spielen.
So, unsere Mittagspause ist fast vorbei und ich muss mich jetzt umziehen, denn um 16.15 Uhr geht es los zu unserem ersten offiziellem Spiel gegen Tianjin. Wir werden in einem kleinern Dorf etwas ausserhalb der Stadt spielen. Mal sehen was uns erwartet - gespannt sind wir alle schon.
Zai Jian,
Anke

