Volleyball-Bundesliga: VC Wiesbaden gewinnt Krimi gegen Münster
05.02.2012 - WIESBADEN
Von Jürgen Möcks
Die Gefahr ist gebannt. Wenn sie denn bestand. Die Gefahr, nach zuletzt zwei 2:3-Heimniederlagen gegen VT Hamburg und den Dresdner SC zu verkrampfen, den Glauben zu verlieren, gegen Spitzenteams bestehen zu können. In einem mitreißenden Match über knapp zwei Stunden bezwang Volleyball-Bundesligist VC Wiesbaden vor 1.080 Zuschauern in der Halle am 2. Ring den USC Münster 3:1 (25:17, 24:26, 25:21, 30:28), nahm damit erfolgreich Revanche für das 0:3 im Hinspiel und kletterte durch den vierten Sieg in Folge auf den sechsten Rang, nur noch zwei Zähler hinter dem USC auf Platz vier.
Andreas Vollmer war begeistert. Von dem hochklassigen Spiel, von seiner Mannschaft im allgemeinen, von Spielführerin Regina Burchardt („Sie hat in den wichtigen Phasen das Richtige gemacht“) im speziellen und vom Blick in die Statistik. 46 Prozent gewonnene Punkte aus der Abwehr heraus (Münster: 34 Prozent) und 47 Prozent gewonnene Punkte nach guter Annahme (Münster: 32 Prozent). „Und selbst nach einer schlechten Annahme haben wir noch gepunktet“, lobte der Trainer des VCW den Kampfgeist seiner Spielerinnen.
"Wir haben an uns geglaubt"
Der zeigte sich vor allem in Durchgang vier. 11:17 lag der VCW im Hintertreffen, Vollmer sah „uns schon im Tiebreak“, und leitete selbst den Umschwung ein. Mit einem Doppelwechsel. Er brachte Martina Novotna und Martina Viestová, hatte so statt zwei drei Angreiferinnen in vorderster Front. „Dieser Wechsel“, gestand USC-Coach Axel Büring, „hat sehr gut funktioniert und uns aus dem Rhytmus gebracht.“ Dazu zeigten Burchardt, Ksenija Ivanovic und Co. Moral. „Wir haben auch da an uns geglaubt, gestand die VCW-Spielführerin, die neben ihrer Angriffswucht (24 Punkte) auch in der Annahme „die Bälle gut nach vorn gebracht hat“ (Vollmer). Zwei Satzbälle musste der VCW abwehren, dreimal wehrten die auf Gäste-Seite überragenden Hana Cutura (16 Punkte) und die Niederländerin Lonneke Sloetjes (22) Matchbälle der Wiesbadenerinnen ab, ehe Burchardt den vierten Versuch knallhart im Feld versenkte. Der Rest war grenzenloser Jubel auf dem Feld und auf den Tribünen.
„Die Zuschauer in Wiesbaden“, gestand Münsters Libera Linda Dörendahl, „spielen bei so einem Spielstand schon eine Rolle.“ Die 27-Jährige hatte in ihrem Jahr beim VCW nicht ein Heimspiel verloren. „Das ist mir schon durch den Kopf gegangen.“ Der Wiesbadener Sieg, befand Dörendahl, sei verdient. „Sie waren in den ersten beiden Sätzen schon sehr dominant.“ Dennoch ging der zweite Durchgang für den VCW trotz der Abwehr von drei Satzbällen verloren, weil in dieser Phase vor allem das Duo Cutura/Sloetjes (Vollmer: „Sie haben gezeigt, dass sie mit die besten Hochangreiferinnen der Liga sind. Dafür hatten wir den Rest im Griff“) punktete.
In Durchgang drei machte es der VCW unnötig spannend. 18:11 führten die Gastgeberinnen, auch dank des fintenreichen Zuspiels von Lucia Kaiser, ehe die Annahme kurzzeitig wackelte, der Tabellenvierte zum 20:20 ausgleichen konnte. „In den entscheidenden Situationen konnten wir eine Schippe drauflegen. Das hat in den letzten knappen Spielen ein bisschen gefehlt“, sagte Co-Trainer Christian Sossenheimer. Den Satzball zum 25:21 versenkte, na klar, Regina Burchardt. Die Führungsqualitäten der Nationalspielerin dürften im Endspurt um die Playoff-Plätze mehr denn je gefragt sein. Sieben Spiele stehen noch aus. Sechsmal davon geht es für den VCW dabei gegen direkte Konkurrenten. Doch der Glaube, in diesen Duellen bestehen zu können, dürfte spätestens seit Samstagabend zurück sein.

