Von Ulrich Schwaab
Zweitligist trägt seine Heimspiele in der Halle am Elsässer Platz aus/Sponsoren sollen Mehrkosten mittragen
Es war eine Entscheidung, die sich die SG Wallau/Massenheim nicht leicht gemacht hat. Doch letztlich sprechen viele Argumente für den Umzug in die Landeshauptstadt, wo der Handball-Zweitligist ab der kommenden Saison seine Heimspiele austrägt. "Die Entscheidung für Wiesbaden ist ein Bauchgefühl", sagt Hans-Dieter Großkurth, der Manager des Handball-Zweitligisten. Außerdem spricht sich die große Mehrheit der Spieler für einen Umzug in die Landeshauptstadt aus, wo es zudem kein Problem mit der Erteilung einer Trainingseinheit gibt. Am Freitag hatte auch der Main-Taunus-Kreis eine Trainingszeit in der Sporthalle Kriftel, dem Wallauer Alternativquartier, angeboten. Allerdings zu einer frühen Uhrzeit. Doch auf Gefühle und Wünsche allein wollten die SG-Verantwortlichen ihre Entscheidung nicht gründen. Also wurde nach Argumenten gesucht. Zuerst ergab ein Termin mit der Reinigungsfirma der Halle am Elsässer Platz, dass die Spielfläche vom Harz zu befreien ist. "Das ist machbar. Die technische Seite ist kein K.o.-Kriterium für den Umzug", gab Wiesbadens Sportamtsleiter Karsten Schütze den Wallauern grünes Licht. Darauf spitzte Großkurth den Bleistift und errechnete Mehrkosten von 30 000 Euro, die durch den Umzug anfallen, allein 11 000 davon gehen zu Lasten der Bodenreinigung. "Dieses Geld müssen wir jetzt akquirieren. Am besten in Wiesbaden", sagt Großkurth und will sich in der Landeshauptstadt um weitere Geldgeber bemühen. Immerhin: Bis die Saison im September beginnt bleiben der SG noch knapp drei Monate Zeit, die Mehrbelastung im Etat auszugleichen. So erhält die Landeshauptstadt jetzt als weiteres Zugpferd einen Zweitligisten in einer attraktiven Spielsportart. Der örtliche Sportkreis hegt freilich Vorbehalte gegen den Wallauer Zuzug: "Diese Politik geht zu Lasten der Wiesbadener Vereine", schreibt der Vorsitzende Hartmut Pfnorr in einem offenen Brief. Ein Vorwurf, der ins Leere läuft, schließlich verfügen die Handball-Vereine noch immer über "mehr Trainingszeiten, als ihnen zusteht", betont Sportamtsleiter Schütze. Eine Verdrängung von Wiesbadener Vereinen jedenfalls ist nicht auszumachen. Zumal Wallau nur eine Trainingseinheit pro Woche in der Halle am Elsässer Platz durchführt. Außerdem können alle Seiten vom Wallauer Zuzug profitieren. Sei es durch gemeinsame Aktionen mit Handball-Weltmeistern aus der Region, sei es durch Mitgliederzuwachs in den Wiesbadener Vereinen. Die SG Wallau/Massenheim jedenfalls meldet der Handball-Bundesliga jetzt ihre Spielstätte und deren Anschrift liegt in Wiesbaden.

