Die Lebensretter im Rathaus
08.09.2010 - WIESBADEN
Von Peter Schneider
VC WIESBADEN Erleichterung, weil Weichen für die neue Halle gestellt sind / Kämpfen für weitere Spiele am 2. Ring
Am 9. Mai war es, als die Stadt Wiesbaden die Volleyball-Spielerinnen des VC Wiesbaden im Festsaal des Rathauses hoch leben ließ. Diese hatten am Abend zuvor die Vizemeisterschaft gesichert. Vier Monate später, 9. September, gleiches Gebäude: Dann steht die Entscheidung an, die die Zukunft des Volleyball-Bundesligisten maßgeblich beeinflusst. Die Stadtverordneten stimmen über die neue Bebauung am Platz der deutschen Einheit ab. Und damit auch über den Bau der neuen Sporthalle für den VCW. Seit gestern sieht es so aus, als würden sie das Projekt auf den Weg bringen (siehe Lokalteil). „Das ist beruhigend“, spricht VCW-Spielführerin Nicole Fetting für die Mannschaft. Manager Achim Exner drückt es drastischer aus: „Wenn die Stadtverordneten so stimmen, ist das unsere Lebensrettung.“
Neuer Antrag an die DVL
Der VC Wiesbaden hat nach „der schwierigsten Zeit des Vereinsbestehens“ (Fetting) wieder eine Perspektive. Nun hofft nicht nur Exner, dass die Deutsche Volleyball-Liga (DVL) ihre Entscheidung überdenkt, nur noch sieben Spiele am 2. Ring zuzulassen. „Wir werden beantragen, dass wir nun bis zum Umzug am 2. Ring spielen können“, sagt Exner. „Darüber wird dann das Präsidium entscheiden müssen“, sagt Marc Wittmann von der DVL und fügt hinzu: „Ich halte eine neue Ausnahmegenehmigung für unwahrscheinlich, denn es geht ja auch um den Zeitplan.“ Während die meisten anderen Vereine spätestens im nächsten Sommer in ihre neue Halle ziehen, dürfte dies beim VCW frühestens Anfang 2013 der Fall sein. „So lange nicht in Wiesbaden spielen und dann zurückkommen“, sagt Nicole Fetting, „das halte ich für utopisch.“ Nicht nur sie. „Wenn wir so lange in Rüsselsheim aufschlagen, verlieren wir Fans und Sponsoren“, warnt Exner.
Und so stellt auch Oberbürgermeister Helmut Müller klar: „Der Magistrat erwartet, dass die DVL unsere Entscheidung als starkes Zeichen ansieht und dies bei der Zwischenzeit-Regelung gewürdigt wird.“ Sollten die Stadtverordneten morgen das Projekt auf den Weg bringen, wollen sich Müller und Exner um einen Termin bei DVL-Geschäftsführer Thorsten Endres bemühen.
Die Mannschaft sieht also noch keine Entwarnung bei dem Thema, „das bei uns sehr präsent ist. Ich habe noch Bauchschmerzen wegen der Entscheidung der DVL“, sagt Nicole Fetting. Und erklärt warum: „Solch eine Stimmung, solch eine Euphorie wie am 2. Ring, die muss über Jahre wachsen. Die kann man nicht einfach kopieren und mehrmals mit in eine andere Halle nehmen.“ Diese Euphorie zu kappen, kann nicht im Interesse der Liga sein. Hofft die Spielführerin.
Zunächst steht morgen die Entscheidung der Stadtverordneten im Rathaus an. Die Spielerinnen planen, die Abstimmung vor Ort zu verfolgen. „Denn“, so Nicole Fetting, „es ist eine sehr wichtige Entscheidung für uns.“

