Von Henning Kunz
Potsdam hat viele schöne Ecken. Postkartenmotive. Doch auf die Idee, seinem Ex-Trainer eine Grußkarte zu schicken, das würde Dominik Stroh-Engel nie im Leben einfallen. Selbst aus Timbuktu würde der vom SV Wehen Wiesbaden im Mai aussortierte und ein paar Wochen später zum Drittliga-Aufsteiger SV Babelsberg 03 gewechselte Stürmer nicht schreiben. Stroh-Engel ist - und das ist vorsichtig ausgedrückt - verärgert über Gino Lettieri. Noch immer. Das sagte er nun vor dem Wiedersehen am zweiten Spieltag der neuen Saison (Sonntag, 14 Uhr) den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“. Im Wortlaut: „Nachdem ich unter seiner Regie in sieben Spielen fünf Tore geschossen hatte, sagte er mir: Du musst öfter treffen - ich plane nicht mehr mit dir.“ Und deshalb gäbe es „für mich nichts Schöneres, als am nächsten Sonntag mit Babelsberg zu gewinnen und dabei selbst zu treffen“. Gegen Gino Lettieri.
Der SVWW-Coach nimmt es gelassen zur Kenntnis, zeigt sogar Verständnis für den Angreifer. „Klar, kann er sich ärgern und für ihn mag das auch unvorständlich gewesen sein, dass es am Ende ihn getroffen hat. Wenn die Umstände anders gewesen wären, wäre er vielleicht noch hier.“ Heißt: Wenn der Sportverein die zwischen Bank und Tribüne pendelnden Stürmer Jovan Damjanovic (in Unterhaching im Kader) und Suat Türker (in Unterhaching nicht im Kader) losgeworden wäre. Für Stroh-Engel lagen Anfragen vor. „Und jetzt sollte er sich mal überlegen, warum sich andere Vereine für ihn interessierten. Fakt ist doch, dass er unter mir die Möglichkeit bekam, sich in den Fokus zu spielen“, sagt Lettieri. Unter Vorgänger Hans Werner Moser spielte Stroh-Engel gar keine Rolle. Und in den dreieinhalb Spielzeiten, die der Neu-Babelsberger für den Sportverein spielte, schaffte er es nie, sich durchzusetzen und sich einen Stammplatz zu ergattern. „Manchmal“, sagt Lettieri, „muss man sich auch an die eigene Nase fassen.“
Zwei Spanier im Training
Aus dem Land des Fußball-Weltmeisters kommen der rechte Verteidiger und der Mittelfeldspieler, die bis einschließlich morgen bei den Wiesbadenern mittrainieren. „Bisher lässt sich noch nicht so viel über sie sagen“, sagt Lettieri über die beiden Spanier, die zuletzt in der dortigen dritten Liga spielten. Unterdessen wartet der SVWW auf eine Nachricht aus der Hauptstadt. Bis morgen will sich Nord-Regionalligist Hertha BSC Berlin II entschieden haben, ob er den Außenverteidiger Lukas Billick verpflichten wird - oder nicht.

