Auf der Intensivstation
08.03.2010 - WIESBADEN
Von Carsten Dietel
SVWW Nach Heimniederlage gegen Bayern München II ist die Abstiegsangst spürbar
Sie verkniffen sich die Phrasen, das Mut machen, die Durchhalteparolen. Zu spüren war vielmehr Angst, Ratlosigkeit, Frustration. Denn nach der 1:2-Heimniederlage gegen Bayern München II ist der Fußball-Drittligist SV Wehen Wiesabaden dem Abgrund so nahe gekommen, wie es noch vor drei Wochen keiner wahrhaben wollte.
Ratlosigkeit macht sich breit
"Das kann man schon so sagen", meinte nach der Partie Mittelfeldspieler Sebastian Reinert auf die Frage, ob er ratlos sei. Ratlos, wie die rasante Talfahrt aufzuhalten ist. Und wie bedrohlich diese Talfahrt einzuschätzen ist, machte der SVWW-Trainer Gino Lettieri mit drastischen Worten deutlich: "Wir liegen auf der Intensivstation."
Etwas Luft verschaffen können hätte sich die Mannschaft durch einen Sieg gegen die kleinen Bayern, deren Trainer Mehmet Scholl "einen wichtigen Sieg in einem der wichtigsten Spiele überhaupt" feierte. Denn durch den Sieg zogen die Bayern nun auf sechs Punkte gegenüber den Wiesbadenern davon. Wieder ein Team, das sich durch einen Erfolg gegen den SVWW erst einmal aus dem Abstiegskampf verabschiedet hat. Und so werden es immer weniger Teams, mit denen sich die Mannschaft von Lettieri noch auf Augenhöhe befindet. Und sollte Lettieri sein Team nicht schnell in die Erfolgsspur führen, werden es wohl bald zu wenige sein. "Wir kassieren zu viele einfache Tore", wiederholt sich Lettieri nahezu nach jedem Spiel. Auch diesmal waren es Treffer, die man in der Dritten Liga eigentlich nicht kassieren sollte. Der gegenüber den SVWW-Abwehrspielern eher kleine Deniz Yilmaz (1,82m) konnte beim 0:1 (24.) im Fünfmeterraum vollkommen freistehend einköpfen, und auch beim zweiten Treffer (58.) des Münchner Deutsch-Türken war kein Gegenspieler in Aktionsweite.
Bohls Ausgleich zu wenig
Die Bayern dagegen standen kompakt und erlaubten wenig und mussten nur den Gegentreffer nach dem Schuss von der Strafraumgrenze von Steffen Bohl zum zwischenzeitlichen Ausgleich hinnehmen (31.). Das war zu wenig, um gegen an diesem Nachmittag sicher schlagbare Münchner zu punkten. Den Unterschied brachte Lettieri auf den Punkt: "Die Bayern spielen eine kleine Kombination und wir laufen kreuz und quer", beschrieb Lettieri den zweiten Bayern-Treffer, der mal wieder über die linke SVWW-Abwehrseite fiel.
Solche Kombinationen vor dem gegnerischen Tor erwarteten die Fans seiner Mannschaft vergebens. Immerhin, die 3303 Zuschauer verkniffen es sich diesmal, die Mannschaft ihren Frust spüren zu lassen. Hatten sie gegen Stuttgart ihr Team noch verhöhnt, so litten sie diesmal mehr oder weniger schweigend mit, feierten sogar noch Keeper Marc Birkenbach, der ein ordentliches Spiel ablieferte und mit einer schmerzhaften Rückenprellung durchhielt. Schmerzen hatte auch Benjamin Hübner nach einem Pferdekuss. "Aber das tut bei weitem nicht so weh wie die Niederlage."

