Von Henning Kunz
Sie leben noch. Und sie können auch noch gewinnen: 2:1 (2:0) gegen den Spitzenreiter SV Sandhausen, der sichtlich überrascht war über das (andere) Gesicht, das der Fußball-Drittligist SV Wehen Wiesbaden zum ersten Mal in dieser bislang eher dürftig verlaufenen Saison zeigte.
2567 Zuschauer erlebten eine unglaubliche Verwandlung, wie es sie wahrscheinlich nur im Fußball gibt. Drei Tage nach dem bitteren wie unnötigen 0:2 gegen Regensburg präsentierte sich die SVWW-Elf wie ausgewechselt. Engagiert, aggressiv, hungrig, selbstbewusst. Als wollten sie alles, was bislang schief gegangen ist (und das war eine Menge), wieder gerade biegen. Und es war schnurzpiepegal, wer auf der anderen Seite stand. Spitzenreiter hin, Sandhausen her, „wir kümmern uns erst mal nur um uns, da haben wir gerade genug zu tun“, sagte Trainer Hans Werner Moser und stellte fest: „Das ist uns gut gelungen. Das war ein wichtiger Sieg, aber nur ein kleiner Anfang. Heute hat die Mannschaft es endlich nicht versäumt, auch den I-Punkt zu setzen“.
Sie kümmerten sich gut, legten – auf sechs Positionen verändert – die mit Abstand beste (erste) Halbzeit dieser Saison hin. Allein in der ersten halben Stunde hatte der SVWW so viele Torchancen wie in den vorangegangenen vier Partien. Die Top 3: Im allerletzten Moment parierte Sandhausens Keeper Michael Gurski gegen Christian Kunert (11.), Lukas Billicks wuchtiger Kopfball rettete Daniel Jungwirth auf der Torlinie (13.), Gurski lenkte Fabian Schönheims Versuch gerade noch über die Latte (13.). „Wir sind endlich als Mannschaft aufgetreten, so wie es sein muss“, sagte Spielgestalter Sebastian Reinert.
Die Zwischenfrage war erlaubt: Wer war hier eigentlich der Tabellenführer, und wer der Tabellenletzte? Die Antwort wäre garantiert falsch gewesen. Denn der SVWW machte das Spiel, mit einem Spieler hatten die Gäste besondere Probleme: Aykut Öztürk, in den vergangenen Wochen in Ungnade gefallen und zwischenzeitlich aussortiert, war nicht zu stoppen; und nach Kunerts genialem Pass in die Tiefe nur durch einen Sturz. Gurski sprang nach dem Ball, Öztürk ging zu Boden und „eigentlich habe ich erwartet, dass der Schiedsrichter mir die Gelbe Karte gibt, weil es kein Elfmeter war“, sagte der stark spielende Stürmer nach dem Spiel, „aber wir haben jetzt fünf Mal auf die Fresse bekommen, nun hatten wir mal Glück“. Wenn man das so nennen will. Björn Ziegenbein verwandelte den Strafstoß zum befreienden Führungstor (37.).
„Das war verdammt wichtig“, sagte Spielgestalter Sebastian Reinert, „das hat uns richtig gut getan. Und endlich wurden mal für unsere Arbeit belohnt“. Weil die Co-Produktion Kunert/Öztürk in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit noch einmal perfekt funktionierte. Kunert flankte, Öztürks Direktabnahme aus zwölf Metern schlug unhaltbar ein. Es lief wie am Schnürchen und nicht nur Kapitän Fabian Schönheim fragte sich, „warum es bisher nicht klappte. Aber endlich haben wir gezeigt, was wir können“.
Zum Beispiel kämpfen, wenn es – wie in der zweiten Halbzeit – darauf ankommt. Kein Meter, kein Zweikampf wurde einfach so hergeschenkt, und als Roberto Pinto SVWW-Torhüter Erik Domaschke zum 2:1 „tunnelte“ (84.), verloren sie diesmal nicht die Nerven, sondern durften sich über ein Happy End freuen. Endlich.


SVWW
Leute bleibt mal auf dem Teppich. Nicht immer alles schönreden.Ohne den Elfer hätte man nur 1 Punkt. Mal sehen, ob es gegen Darmstadt (Not gegen Elend)reicht und gut läuft. Diese Spiele muss man gewinnen. Sonst kann der Moser einpacken.