Von Peter Schneider
Eintracht Wiesbaden und TG Rüsselsheim gründen Bundesliga-Verein
WIESBADEN Nach kurzer Schwangerschaft ist das Kind geboren: Rhein-Main Volley heißt der neue Verein, den Eintracht Wiesbaden und TG Rüsselsheim gemeinsam gründen - um langfristig in der Volleyball-Bundesliga Fuß zu fassen.
Sieben Unterschriften unter die neue Satzung, damit ist die Vereinsgründung seit gestern in die Wege geleitet: Eintracht Wiesbaden und die TG Rüsselsheim gehen das Abenteuer Bundesliga gemeinsam an. "Das ist eine Chance für Volleyball im gesamten Rhein-Main-Gebiet", sagt Christian Metzger. Der Ex-Nationalspieler, der zuletzt die Turn-Gemeinde trainiert hat, wird das ehrgeizige Projekt als Sportdirektor führen, nun zunächst Trainer und Spieler verpflichten. Der Zusammenschluss läuft nicht als Spielgemeinschaft, denn das lassen die Statuten der Deutschen Volleyball-Liga nicht zu. Vielmehr greifen die Volleys als neuer Club an, dessen erste Mannschaft in der Bundes-, das zweite Team in der Zweiten Liga spielen wird. Vorausgesetzt, der Aufstieg gelingt, daran zweifelt aber niemand. Im Vereinslogo steht neben dem Namen ein stilisierte Volleyball in den Farben dunkel- und hellblau - dies soll Main und Rhein symbolisieren. Die Sache, an der Vertreter der Vereine seit Jahresbeginn arbeiteten, ist auf den Weg gebracht. Allerdings sind noch Fragen offen. Zum Beispiel, wie hoch der Etat sein wird. Dabei gibt es optimistische Voraussagen: 150000 Euro haben sich die Macher als Minimum gesetzt. "Angesichts der Rückmeldungen, die wir bisher erhalten haben, rechnen wir aber damit, dass es in die Richtung von 250000 bis 300000 Euro gehen wird", sagt TG-Manager Jan Wüntscher. Eine stolze Summe, der Zweitliga-Etat der beiden Vereine zusammengenommen ergibt etwa 100000 Euro. "Bundesliga ist eine ganz andere Basis, auf der wir uns bewegen", sieht Eintracht-Manager Günter Droege bessere Chancen, Quellen zu finden. Ein Haupt- und Trikotsponsor fehlt noch. "Wir sind in Gesprächen", ergänzt Wüntscher. Die laufen auch mit dem potenziellen Sport-Personal. Mit "vielen namhaften Kandidaten" für den Trainer-Posten hat Metzger schon gesprochen. Auch mit erstliga-erfahrenen Spielern, die das attraktive Rhein-Main-Gebiet anlocken soll. Die Rhein-Main Volleys setzen dabei auf Metzgers Kontakte. Der 35-Jährige hat zwanzig Mal für Deutschland und zehn Jahre in der Bundesliga (Friedrichshafen, Fellbach, Mendig und Dachau) gespielt. "Wir werden keine zwölf Profis anschleppen", sagt der angehende Realschullehrer (Englisch und Geographie). "Wir suchen zwanzig Jungs, die mit uns ambitioniert Volleyball spielen wollen." Aufgeteilt in Erstliga- und Zweitliga-Team. Tägliches Abend-, dazu drei- bis vier Mal Vormittagstraining schwebt Metzger vor. Und dann, so sein überraschend ehrgeiziges Ziel, sei Platz sechs bis acht in der Bundesliga drin. Die bisherigen Spieler der beiden Mannschaften sind vergangenes Wochenende informiert worden, stehen laut den Managern hinter dem Konzept. Ebenso die beiden Hauptvereine. Ins Vereinsregister eingetragen werden die Volleys, unter deren Name auch A- und B-Jugend spielen, in Rüsselsheim. In der dortigen Walter-Köbel-Halle steigen die Heimspiele. "Nach Möglichkeit wollen wir aber auch in Wiesbaden spielen", sagt Wüntscher. Dazu müsste es aber eine den Regeln entsprechende, neun Meter hohe Halle geben. Zumindest das Zweitliga-Team soll der Landeshauptstadt erhalten bleiben. Wie gesagt: Es sind noch Fragen zu klären. Der Startschuss ist aber abgefeuert. Metzger: "Wichtig ist, ein Konzept zu haben, das auch mit Auswechseln von Personen funktioniert." Dieser Rahmen steht. Die Rhein-Main Volleys können angreifen.

