Von Henning Kunz
SVWW pflegt vor dem "Kampfspiel" in Osnabrück die Kommunikation
WIESBADEN Vor dem Zweitliga-Fußballspiel beim VfL Osnabrück (Sonntag, 14 Uhr) geht der SV Wehen Wiesbaden neue Wege. Bereits heute reist das Hock-Team nach Niedersachsen, bereitet sich vor Ort auf die schwere Aufgabe vor.
Den Hockschen Maßnahmenkatalog für bessere Zeiten haben die sportlichen Angestellten zwar nicht in schriftlicher Form ausgehändigt bekommen, über Inhalt und Ziel sind sie bestens informiert. Christian Hock, der Trainer des SV Wehen Wiesbaden, möchte die ablenkende Außenwelt - damit wohl auch das Echo des kritischen Caillas-Rundumschlags - ausblenden, die volle Konzentration seiner Profis auf das lenken, "was wir vorhaben". Was? "Wir wollen uns beweisen und zeigen, dass wir gegen eine richtig starke Mannschaft für eine Überraschung gut sind", sagt Hock. Richtig gut ist richtig untertrieben: Der VfL Osnabrück hat seit Mai 2006 (1:3 gegen Werder II) kein Liga-Heimspiel mehr verloren. Die Topteams aus Freiburg, München und Köln bekamen 07/08 auf die Mütze; nun also versucht der SVWW, die beeindruckende Heimserie von 27 Partien ohne Pleite zu beenden. Weil außergewöhnliche Taten manchmal außergewöhnliche Maßnahmen erfordern und man ob der eigenen Zehn-Spiele-Negativserie nichts beschönigen wolle, so Manager Uwe Stöver, "müssen wir den Bock mit anderen Mitteln umstoßen". Oder: "Wenn du zwei Mal über den Brenner nach Italien fährst und im Stau stehst, fährst du beim dritten Mal durch die Schweiz." Maßnahme eins: Der Wiesbadener Zweitliga-Tross reist heute um 9 Uhr nach Osnabrück. Heute und morgen wird jeweils einmal trainiert; wirklich wichtig seien - Maßnahme zwei - die gruppendynamischen Aktionen, die geplant sind. Wobei sich Hock entschieden dagegen wehrt, dass er damit auf den von Caillas geäußerten Vorwurf der Grüppchenbildung reagiert. Auch dass er die Zeit im Westerkamp-Hotel für Einzelgespräche nutzen will, habe nichts damit zu tun. Caillas´ Kritik bezog sich in erster Linie auf die mangelhafte Kommunikation. Vielleicht hat sie ja doch etwas bewirkt. Nun also soll viel miteinander unternommen und noch mehr miteinander gesprochen werden. "Auch auf dem Platz müssen wir lauter werden und besser kommunizieren", sagt Hock. Stöver findet ebenfalls, "dass man gewisse Dinge diskutieren muss, wenn etwas nicht so läuft, wie man es gerne hätte. Wir sitzen ja nicht den ganzen Tag im Büro und beweihräuchern uns, wie schön doch die ersten neun Spiele waren". Nein, tun sie nicht. Sie schauen sich heute Abend gemeinsam im Fernsehen an, wie die Konkurrenz spielt. Anschließend geht´s ins Kino. Die Wahl fiel auf: Til Schweigers "Keinohrhasen", "viel lieber wäre den Jungs Rambo 4 gewesen - aber der läuft in Osnabrück nicht" sagt Hock. Teamkoordinator Rudi Collet hat vorsorglich nach einer Bowling-Bahn Ausschau gehalten und die DVD "Die 1000 schönsten Bundesliga-Tore" mitgenommen. Langeweile scheint ausgeschlossen. Gegen den VfL wollen sie nicht wie Angst-"Keinohrhasen" spielen, sondern vielmehr "ein absolutes Kampfspiel annehmen und bestehen". Also die Rambo-Version. Der gesperrte Ales Kokot (fünfte Gelbe) bleibt daheim, spielt mit der Zweiten gegen die Zweite von Mainz 05. Torge Hollmann (oder Robert Paul) übernimmt Kokots Job auf der linken Abwehrseite. Dajan Simac spielt wohl wieder in der rechten Verteidigung, davor darf Benjamin Siegert wirbeln, der gegen Hoffenheim auf der Bank saß. Die Zentrale sollen Sandro Schwarz und Patrick Bick gemeinsam managen (was bedeuten würde, dass Hajrudin Catic auf die Bank muss), davor dürften Bakary Diakité und Ronny König stürmen.

