Von Felix Hooß
LEICHTATHLETIK Dreispringer Nico Bayer feiert nach zweijähriger Dopingsperre sein Comeback
Vielleicht ist es Zufall, dass die Dame vom Kampfgericht nur seinen Vornamen aufruft: "Nico" schallt es durch die Leichtathletikhalle an der Wettinerstraße. Vorstellen braucht man den Athleten, der sich für den Anlauf auf die Sprunggrube vorbereitet, sowieso nicht. Nico Bayer startet im Rahmen eines Schülersportfestes bei den Kreismeisterschaften im Dreisprung - die Konkurrenz besteht aus Jugendlichen. Bayer, 22, ist ehemaliger deutscher Jugendmeister. Dieser Wettkampf ist sein Comeback.
Ein kraftvoller Antritt, ein weiter Satz durch die Luft, dann das Urteil: "Ungültig", so wie die drei vorangegangenen Versuche. Nico Bayer schüttelt den Kopf, legt sich auf eine Sportmatte. Der fünfte von sechs Versuchen zählt schließlich als einziger an diesem Tag: 14,89 Meter, erleichterter Applaus der Umstehenden. Bayer winkt ab. Er ist Kreismeister, die Leistung reicht sogar für einen Platz unter den ersten Zehn der deutschen Jahresbestenliste.
"Höhere Erwartungen"
"Es ist ein komisches Gefühl", sagt Bayer hinterher und lächelt. Zwei Jahre war er weg vom Fenster, nachdem er der Einnahme von Amphetaminen (Speed) überführt und gesperrt worden war. Sein erster offizieller Auftritt nach der Sperre fühlte sich an "wie ein Trainingswettkampf. Aber ich hatte höhere Erwartungen". Seine persönliche Bestmarke von 15,69 Metern aus dem Jahr 2006 hatte er ehrgeizig als Richtwert ausgegeben. Jetzt ist er froh, dass bei seiner Rückkehr wenigstens ein gültiger Sprung herauskam.
"Darauf kann man bis zum Sommer aufbauen", sagt Bayer, der nun für den Wiesbadener Leichtathletikverein (WLV) startet. Zum Auftakt war er "zu hibbelig", traf die Absprungmarkierung nicht richtig. Dennoch haben ihm die ungültigen Versuche ein erstes Gefühl dafür vermittelt, wie weit er springen kann: "Einen halben, dreiviertel Meter weiter" als jene 14,89 seien sie gewesen.
Der Wiedereinstieg ist geschafft. Gerne wäre Bayer bei den Deutschen Hallenmeisterschaften vor 14 Tagen gesprungen, aber die Sperre verhinderte eine rechtzeitige Qualifikation. Ein Gnadengesuch des Wiesbadeners lehnte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) ab. Bayer verfolgte die Ergebnisse vor dem Training im Internet.
Kaum Kontakt zu Ex-Kollegen
Von den ehemaligen Kollegen hat sich nur einer per E-Mail gemeldet, "gefragt, wie es so läuft. Sonst ist der Kontakt komplett abgerissen", sagt Bayer. Viele der Konkurrenten, denen er sich demnächst wieder stellen wird, wüssten gar nicht, was damals passiert sei. "Die denken, ich hätte mir etwas reingepfiffen, wodurch ich besser werde, dabei hat man ja an den Leistungen gesehen, dass das nicht so war."
Mit dem dunklen Kapitel seiner Vergangenheit hat er abgeschlossen, will sich durch Wettkämpfe nun wieder Selbstvertrauen holen. Sein Trainer Leo Gaab, zu dem Bayer ein fast väterliches Verhältnis hat, sagt: "Mein erster Gedanke war, dass Nico wieder in sein normales Leben, einen Beruf, zurück muss. Das war für uns wichtiger als 16 Meter." Angesprochen auf die sportlichen Ziele schaut er ernst. "Der Hessenrekord liegt bei 16,34 Metern. Den will er packen. Das ist ganz realistisch."

