Mittwoch, 08. September 2010 01:38 Uhr
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Wiesbadener Kurier

Wiesbaden extra 

Der sanfte Weg zum Nichtraucher

10.12.2007 - WIESBADEN

Von Alexandra Maus

Hypnose ist als Entwöhnungsmethode seit dem Rauchverbot stark gefragt/Auch in Gruppen

WIESBADEN Hokuspokus oder nützliche Hilfe: Ob Hypnose wirklich hilft, mit dem Rauchen aufzuhören, ist umstritten. In der Praxis von Therapeut Dirk Treusch haben wir den Ablauf einer Raucherhypnose beobachtet - und festgestellt: Alles beginnt und endet im Kopf. Auch in Trance.

Montagabend, 16.30 Uhr im Hypnosezentrum von Dirk Treusch. Die Anspannung ist Karin Wessel (Name von der Redaktion geändert) anzusehen. Vor 30 Jahren hat sie mit dem Rauchen angefangen, seit eineinhalb Jahren versucht sie, damit wieder aufzuhören. Auf Hypnose kam sie durch den Tipp einer Kollegin - aber ganz geheuer war ihr diese Form der Entwöhnung zuerst nicht: "Vor dem Treffen habe ich eine CD bekommen, auf der erklärt wurde, dass ich in Hypnose nie etwas tun würde, was ich nicht auch im Wachzustand machen würde", sagt die 53-Jährige. "Das hat mich sehr beruhigt." Die Sorge seiner Kunden, unter Hypnose ausgeliefert zu sein, kennt Therapeut Dirk Treusch. "Dieses Bild hat sich, auch über zahlreiche Filme, so festgesetzt, aber Hypnose macht nie etwas gegen den Willen." Seit fünf Jahren bietet der Therapeut diese Form der Entwöhnung an, meist in Einzelsitzungen, die vier Stunden dauern, aber in seiner Wiesbadener Praxis auch in Gruppen von acht bis zwölf Personen. Entscheidend für den Erfolg, betont Treusch, sei der "absolute Entschluss". Wenn die Angst vor gesundheitlichen Schäden oder die Rücksicht auf den Partner, den der Qualm stört, nur die Motivation sind, bricht Treusch die Sitzungen ab beziehungsweise lehnt die Anfrage eines Kunden direkt ab. "Das erkläre ich schon am Telefon, damit nachher niemand sauer ist, aber ohne den eigenen Willen geht es nicht." Eine Sitzung ist in zwei Abschnitte unterteilt. Bevor Karin Wessel in Trance versetzt wird, bereitet Treusch sie in einem kognitiven Wirkungsdialog auf die Hypnose vor. Mit Hilfe des Gesprächs werde "der Schalter im Kopf" schon vor der Hypnose umgelegt, die dann erfolgreicher verlaufe. Das Problem liege im Unterbewusstsein: Die Ursachen des Rauchens werden im Gespräch aufgedeckt und in der Hypnose im Unterbewusstsein ausgeschaltet. In den folgenden zwei Stunden spricht der Therapeut mit Karin Wessel über ihre Motivation, ihre Erinnerungen ans Rauchen und was es ihr bedeutet, aber er klärt sie auch über die Mechanismen der Nikotinabhängigkeit und der Tabakindustrie auf - etwa darüber, wie Raucher unbewusst manipuliert werden. Stichwort Warnhinweise auf Zigarettenschachteln: "Im Unterbewusstsein gibt es die Verknüpfung von Stress, emotionalen Schmerzen und Rauchbedürfnis." Wenn sich ein Raucher mies fühle, brauche er eine Zigarette - und Warnhinweise auf Kippenschachteln lösten genau diesen Mechanismus aus. Statt weniger Zigaretten zu rauchen, werden es also mehr. Der Effekt sei wissenschaftlich belegt, viele wüssten nur nicht davon. Daher sei es für die Hypnose wichtig, erklärt er Karin, dass sie es akzeptiere, geraucht zu haben und sich keine Vorwürfe mache. Stattdessen solle sie sich Alternativen suchen, sich Gutes tun, etwa eine Massage. Kurz vor der Hypnose darf Karin noch eine Zigarette rauchen - obwohl sie es schon ablehnt. Dann soll sie es sich auf der Liege bequem machen, leise Musik läuft. "Stell dir vor, eine Welle der Entspannung rollt über dich", sagt Treusch leise. Er leitet Karin dazu an, sich immer mehr fallen zu lassen und arbeitet dabei vor allem über das Körpergefühl. So soll sie probieren, den Arm anzuheben, der bleischwer sei, und wenn er wieder runterfällt, sei das für sie das Signal, noch tiefer in die Entspannung zu gehen. In der Hypnose geht der Therapeut mit Karin die vorab besprochenen Alltagssituationen durch und erklärt ihr in jedem dieser Momente, dass sie auf die Zigaretten nicht angewiesen ist. Dass sie frei ist. Alles, was vorher rational erklärt und besprochen wurde, wird nun positiv besetzt und im Unterbewusstsein verankert. "Das war komisch", ist Karins Reaktion nach der Hypnose. "Ich hatte Angst, dass es nicht funktioniert, weil ich alles mitbekommen habe." Angespannt wirkt sie nicht mehr, eher glücklich. Und sie ist sich sicher: "Ich werde nie mehr rauchen." Als wir uns eine Woche später bei ihr melden, hat sich daran nichts geändert. Zwar denke sie in gewissen Situationen noch ans Rauchen, aber das Bedürfnis danach sei weg - und ihre Zuversicht sei eher noch gewachsen. Infos auf www.treusch.de.


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