Lebensfreude nach Noten
02.09.2010 - WIESBADEN
Von Julia Anderton
MUSIKLEHRER Netzwerk feiert Zehnjähriges / Am Samstag Jubiläumsfeier mit Workshops und Schnupperstunden
Im Alltagsstress klaffen Realität und Wunschdenken häufig auseinander - Hobbys sind da keine Ausnahme. So beherrschen nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung zwar nur 16,5 Prozent der Deutschen ein Musikinstrument, 47 Prozent der Befragten wünschten sich jedoch, Klavier, Geige und Co. spielen zu können. In Wiesbaden haben seit nunmehr zehn Jahren Musikfans die Möglichkeit, bei einem Mitglied des Musiklehrernetzwerks unterricht zu nehmen.
„Wir verbinden die Vorteile des Privatunterrichtes mit der Angebotsvielfalt der Musikschulen. Dabei wollen wir eigenverantwortlich unterrichten und unseren Schülern trotzdem die Möglichkeit geben, mit anderen Instrumenten zu spielen und Bands und Ensembles zu formieren“, sagt Querflötenlehrerin Britta Roscher.
Harfe und Atemtherapie
„Die Vorteile für die Schüler liegen in einer flexiblen Unterrichtsgestaltung, wir können Unterricht am Vormittag oder am Samstag oder innerhalb der Schulferien anbieten und sind nicht durch ein von außen vorgegebenes Regelwerk gebunden.“ Neben Klavier, Gitarre und Blockflöte als gängigste Instrumente bietet das aus 17 Lehrern bestehende Netzwerk auch außergewöhnliche Fächer wie Harfe, E-Bass, Atemtherapie, Musik-Kinesiologie und Pop-Gesang für Jugendliche an.
Bei der Gründung des Musiklehrernetzwerkes im Jahr 2000 bestand die Kerngruppe aus acht ehemaligen Studienkollegen. „Gemeinsam haben wir dann unsere Fühler nach weiteren Kandidaten ausgestreckt und interessierte Musikpädagogen haben mit uns Kontakt aufgenommen. Neben der fachlichen Kompetenz war Teamfähigkeit, Motivation für die Sache und sympathischer Umgang bei der Mitgliederauswahl entscheidend. Wir unterrichten etwa 450 Schüler im Alter von fünf bis 74 Jahren und bieten neben Einzel- und Kleingruppenunterricht auch Ensemblestunden an.“
Ein Beruf im Wandel
Seit vergangenem Jahr ist das Musiklehrernetzwerk ein gemeinnütziger Verein. „Unser Beruf erlebt momentan eine Phase des Wandels, wir lernen, mit der Ganztagsschule und G8 umzugehen. Das ist sicher nicht immer leicht, auch nicht für die betroffenen Kinder und Jugendlichen, aber gleichzeitig sehen wir auch, dass immer mehr Erwachsene Unterricht nehmen. Das freut uns sehr!“ Schließlich ist es kein Geheimnis, dass Musik die Entwicklung des Menschen in jedwedem Alter fördert. „Ein Instrument zu lernen oder zu singen, macht Spaß, es bringt Lebensfreude! Die Musik ist eine universelle Sprache, die keine Landesgrenzen kennt. Gemeinsames Musizieren fördert das Sozialverhalten, die Kommunikation und die Konzentrationsfähigkeit. Man lernt seine eigenen Stärken und Schwächen kennen und erfährt, wie man positiv damit umgeht“, so Klarinettenlehrerin Petra Bohn. Ebenso wichtig wie der Unterricht ist den Lehrern der regelmäßige Austausch im Kollegium.
Schnuppern in Rambach
„Er ist enorm befruchtend. Wir geben uns gegenseitig Anregungen und Impulse, auch was Literaturauswahl und pädagogische Fragen betrifft. Ein großes Anliegen sind uns die kammermusikalischen Projekte der Schüler. Dadurch arbeiten wir oft zusammen und können so voneinander profitieren“, betont Britta Roscher.
Die Schüler haben jährlich mehrmals die Möglichkeit, ihr Können einem großen Publikum vorzuführen. Und auch die Lehrer sind live zu erleben, etwa am 1. Oktober im Hessischen Ministerium für Kunst und Wirtschaft. Der Erlös kommt wohltätigen Zwecken zugute, beispielsweise der Stiftung Bärenherz und Kindergartenprojekten in Äthiopien. „Anlässlich unserer Jubiläums haben wir unsere erste CD aufgenommen. Sie dokumentiert die Bandbreite unserer Lehrerpersönlichkeiten und zeigt die Vielfältigkeit der Musik“, sagt Gesangslehrerin Dunja Koppenhöfer. Eine Kostprobe wird bei der Jubiläumsfeier an diesem Samstag, 4. September, zu hören sein. „Wir bringen das Seminarhaus Kukkuk in Rambach ab 12 Uhr mit Schnupperunterricht und verschiedenen Workshops zum Klingen und werden mit einem Lehrerkonzert abschließen.“

