Eigener "Lehrer-Topf" gefordert
10.03.2010 - WIESBADEN
Von Joachim Atzbach
BERUFSSCHULEN AG tagt zur Selbstständigen Schule/Kultusministerin lehnt Wunsch als zu teuer ab
Dass es etwas Besseres gibt als das Gießkannenprinzip, darüber sind sich das hessische Kultusministerium und die 106 Beruflichen Schulen des Landes schon seit etlichen Jahren einig. 2005 startete auf einstimmigen Landtagsbeschluss das Modellprojekt "Selbstverantwortung plus" mit 17 teilnehmenden Schulen als Transferprozess auf dem Weg zur hessenweiten "Selbstständigen Schule". Erweiterte Eigenverantwortung und größere Selbstständigkeit sollen dazu beitragen, dem Bildungs- und Erziehungsauftrag besser gerecht zu werden.
"Selbstverantwortung plus" und "Selbstständige Schule" beinhalten auch Personalmanagement vor Ort: Auf Grundlage eines Personalentwicklungskonzeptes entscheiden die Schulen über die Einstellung von Lehrern.
Wunsch nach Transparenz
Dass den Berufsschulen die Lehrer zurzeit aus einem Buchungskreis genannten, gemeinsamen Topf, mit den allgemeinbildenden Schulen zugeteilt werden, hält die Arbeitsgemeinschaft der Direktoren an Beruflichen Schulen in Hessen als nicht zielorientiert auf dem Weg zur "Selbstständigen Schule". "Die Zuweisung muss die rechtlichen Rahmenbedingungen des Beruflichen Schulwesens nachvollziehbar und transparent umsetzen", mahnte der Arbeitsgemeinschaft-Vorsitzende Dieter Agel auf einer von 72 Schulleitern besuchten, außerordentlichen Mitgliederversammlung in der Friedrich-Ebert-Schule an.
Als zu teuer lehnt Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) die Einrichtung eines eigenen Buchungskreises für die Berufsschulen seit Aschermittwoch ab, nachdem sie ihn im vergangenen Sommer noch zugesichert hatte. Ihr Kompromissvorschlag gegenüber der Arbeitsgemeinschaft lautet nun, die Mitsprache der Abteilung berufliche Schulen bei der Mittelvergabe zu stärken und ein Unterbudget einzurichten. "Wir sind entsetzt. So kann die Zusammenarbeit mit dem Ministerium nicht gelingen", kritisierte Bernd Richter, Schulleiter der Melsunger Radko-Stöckl-Schule. Wenn das Ministerium jährlich die Bemessungszahlen ändere, sei das nicht verlässlich, so Richter. Stellen, die den Berufsschulen zustünden, würden "sonst wo" landen.
Wider dem "Hineinregieren"
Dass in den eigenen Bereich "hineinregiert" werde, könne nur ein entsprechender Buchungskreis verhindern.
Am 18. März ist nun ein Gespräch mit dem Kulturpolitischen Ausschuss des Landtags anberaumt. "Unterstützung und Rückenwind", erhofft sich Agel davon. Schließlich habe das Parlament das Modell "Selbstverantwortung plus" einstimmig verabschiedet.

