Von Manfred Gerber
WALCKER-ORGEL Das Instrument aus dem Jahr 1894 muss dringend saniert und gereinigt werden
wiesbaden. Die Renovierung der Sandsteinfassaden der Ringkirche und ihrer Fenster ist seit Oktober vergangenen Jahres abgeschlossen. Über drei Millionen Euro sind in die Runderneuerung des Denkmals von nationalem Rang investiert worden. Was zu einer Komplettsanierung noch fehlt, ist zum einen der Altan rund um das Gotteshaus, die Plattform mit ihren maroden Geländern und kaputten Bodenplatten. Zum anderen die Orgel. An ihr ist seit über 20 Jahren nichts mehr getan worden.
An der altehrwürdigen Walcker-Orgel aus dem Jahr 1894, hergestellt im schwäbischen Ludwigsburg, hat man im Laufe des 20. Jahrhunderts immer wieder mal herumlaboriert. Ihr "romantischer" Klang war in den 40er und 50er Jahren "barockisiert" worden. Quasi eine Nachzügler-Aktion der "Orgelbewegung" unter dem Einfluss von Albert Schweitzer, die in Wiesbaden auch die Orgeln der Berg- und der Lutherkirche erfasst hatte. Mitte der 90er Jahre war sogar die Idee aufgekommen, die Walcker-Orgel der Ringkirche auszubauen und durch eine venezianische zu ersetzen. Ein Vorhaben, dass der Synodalvorstand gestoppt hat. Heute ist die Gemeinde froh, dass so entschieden wurde.
Verschleiß
Die Ringkirchenorgel muss nun nicht nur dringend gereinigt, sondern auch technisch überholt werden. Verschlissen sind zum Beispiel die ledernen Spielbälgchen, die nach einem elektrisch ausgelösten pneumatischen Impuls die Luft durch die Pfeifen strömen lassen. Die 2000 Spielbälgchen wurden zum letzten Mal 1955 erneuert. Sie haben eine Lebensdauer von 30 bis 40 Jahren, 1989 aber hat man nur 800 ausgetauscht.
Grundsätzlich soll die Walcker-Orgel, so weit es möglich ist, in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Dazu gehört auch der Austausch von Pfeifen, die man teils abgeschnitten hatte, um eben die zeitweise modischen Barocktöne zu erzeugen oder das, was man dafür hielt. Bei der Restaurierung soll der Orgel "ein bisschen von ihrer Spitzigkeit" im Klang genommen werden, sagt Ringkirchenkantor Hans Kielblock, der sich zusammen mit Pfarrer Ralf-Andreas Gmelin für die Renovierung engagiert. "Mehr Breite im Klang, vergleichbar mit einem Sinfonieorchester" soll die Orgel bekommen. Und damit nachholen, was die Walcker-Orgel der Lutherkirche schon hinter sich hat. Dabei soll die Ringkirchenorgel auch einen neuen Spieltisch mit einer computergesteuerten Registerschaltung erhalten.
Auf rund 350000 Euro belaufen sich die Kosten der gesamten Orgelsanierung. Voranschläge hat man bereits bei den Firmen Lenter im schwäbischen Sachsenheim und bei Förster & Nikolaus im oberhessischen Lich eingeholt. Einen finanziellen Grundstock für die Orgel-Erneuerung muss das Dekanat aufbringen. Auch eine Stiftung zur Renovierung alter Orgeln wird etwas beitragen. Weiteres Geld wird in Kollekten und Konzerten gesammelt. Inzwischen kann aber jeder, der das Sanierungsprojekt unterstützen möchte, eine Patenschaft für eine oder mehrere Orgelpfeifen übernehmen. Pfeifen-Patenschaften gibt es in fünf Kategorien (siehe nebenstehenden Kasten).

