Von Julia Anderton
HOCHZEITEN Nurhayat Sapmaz organisiert große türkische Feste / Aus dem Freundschaftsdienst wurde eine Firma
Zweifellos ist für Romantiker der schönste Tag im Leben die eigene Hochzeit. Hinter dem großen Ereignis steckt allerdings eine Menge Arbeit, wie jeder weiß, der schon vor den Altar getreten ist. Doch leider bringt diese Arbeit nicht immer das gewünschte Ergebnis: "Heiraten ist heilig. Aber als ich nach Deutschland kam, war ich schockiert, wie viel Mischmasch und Unnötiges es bei den türkischen Hochzeiten hier gab, wie lieblos die Feier meistens inszeniert war", erinnert sich Nurhayat Sapmaz, die als Neunjährige Anatolien gen Wiesbaden verlassen hatte. In ihrer alten Heimat habe sie wunderbare Feste erlebt. In Deutschland seien Hochzeiten mit mehreren hundert Gästen die Ausnahme, auch weil es an geeigneten Räumen und der Ausstattung mangelt.
Als Nurhayat Sapmaz´ Schwester 1992 heiratete, übernahm die damals 22-Jährige die Organisation und sorgte für die Dekoration. Die Gäste waren so begeistert, dass in den folgenden Jahren immer wieder Anfragen kamen, denen die zweifache Mutter als Freundschaftsdienst nachkam. Bis zum Jahr 2006, als sie sich wegen der steigenden Nachfrage entschloss, sich als Hochzeitsplanerin für türkische Hochzeiten selbstständig zu machen.
"Mein Vater war ein weltoffener Mensch und wollte immer, dass wir Kinder stets einen Schritt voraus sind. Das hat auch beruflich geklappt, denn ich habe eine echte Marktlücke entdeckt", meint Nurhayat Sapmaz, die vom großen Erfolg ihrer Unternehmung aber doch überrascht wurde. Etwa 30 Feste, darunter auch Verlobungs- und Beschneidungsfeiern, organisiert sie im Jahr. "Ich bin an vielen Wochenenden unterwegs, das finden meine Töchter nicht immer so toll. Aber manchmal kommen sie auch einfach mit und helfen beim Dekorieren. Mein Mann übrigens auch."
Weil das Geschäft so gut läuft, ist sie kürzlich in die Anna-Birle-Straße in Kastel gezogen, dort steht ihr neben einem Lager und einer 300 Quadratmeter großen Küche, in der künftig die Festessen zubereitet werden, ein 800 Quadratmeter großer Saal für die Hochzeitsfeiern zur Verfügung, "in den passen locker 500 Leute hinein". Die Räume waren in den vergangenen Jahren nämlich das Problem, denn oft stand der Saal erst am gleichen Tag zur Verfügung, was Nurhayat Sapmaz beim Dekorieren zeitlich enorm unter Druck setzte. "Das ist jetzt glücklicherweise vorbei", freut sich die 39-Jährige.
Was unterscheidet denn nun deutsche von türkischen Hochzeiten? "Bei uns ist alles ein bisschen größer. Es gibt mehr Gäste und mehr Geschenke. Die Musik kommt nie von einer CD, es spielt immer eine Live-Band, und es wird viel getanzt. Dafür gibt es deutlich weniger Alkohol zu trinken." Beim Essen kommen einfachere Speisen wie Hähnchenfilet mit Reis und Salat auf den Tisch.
Die Hochzeitstorte bestellt Nurhayat Sapmaz, die keine Angestellten hat, aber mit Aushilfen arbeitet, übrigens fast immer bei deutschen Konditoren. Kooperationen mit Fotografen, Friseuren und Künstlern erweitern das Spektrum, doch das meiste erledigt sie selbst - so auch den Einkauf von überdimensionalen Kandelabern in der Türkei, die zusammen mit künstlichem Blumen als edler Tischschmuck dienen."Ich habe mir das Beste aus der türkischen und der deutschen Kultur ausgesucht", sagt die Hochzeitsplanerin. Von den Deutschen habe sie den Hang zur Ordnung übernommen und für den Notfall hat sie immer Nadel und Faden einstecken, um das Hochzeitskleid ausbessern zu können . "Und außerdem Aspirin. Für mich!"

