Von Heinz Porten
WIRTSCHAFTSDIPLOMATIE Die Belgierin Alice Drooghmans ist Spezialistin für Kommunikation
Den diplomatisches Dienst für ihr Heimatland Belgien hat Alice Drooghmans von der Pike auf gelernt. Anschließend hat sie ihre Erfahrungen im Bereich Kommunikation und Marketing mit Schwerpunkt in Russland eingesetzt. Seit zehn Jahren ist sie in Wiesbaden mit ihrer eigenen Agentur Drooghmans International Limited ansässig.
Nach ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Belgien bereitete sich Alice Drooghmans am Institut Européen des Hautes Études International in Nizza auf den diplomatischen Dienst vor, in dem sie auch an Kulturaustauschprogrammen mitarbeitete. Die intensive Beschäftigung mit anderen Ländern half ihr nach ihrer Station in Frankreich bei ihren ersten Schritten in der freien Wirtschaft.
"Die Besonderheiten einer anderen Kultur zu verstehen und ungewohnte Verhaltensweisen anzuerkennen, ist heute ausschlaggebend für den Erfolg in internationalen Wirtschaftsbeziehungen", macht Drooghmans klar, welchen Stellenwert das Verständnis für das Gegenüber heute im Wirtschaftsleben hat.
Sehr lehrreich war für sie der Aufbau der russischen Dependance einer international tätigen Werbeagentur in Moskau. Noch vor ein paar Jahren liefe in Russland alles ganz anders als in der auf Effizienz getrimmten westlichen Wirtschaftswelt. "Ich musste den Mitarbeitern dort erst beibringen, dass man auch mit Vorgesetzten über Probleme reden oder Verbesserungsvorschläge machen darf." Das seien sie in ihrem bis dahin streng hierarchischen System nicht gewohnt gewesen, schildert Drooghman eine Herausforderung. Die Vermittlung zwischen ihren russischen Mitarbeitern und Kunden sowie westlichen Auftraggebern war daher eine ihrer Hauptaufgaben. In der Jelzin-Ära konnten westliche Manager nur schwer verstehen, dass in Russland nicht alles nach Plan lief, Verträge oft nur mündlich geschlossen wurden und viel Improvisationsgeschick gefordert war.
Noch heute ist Drooghmans als Beraterin in Russland tätig, allerdings hat sich die Situation jetzt geändert. Viele junge Russen haben im Ausland erstklassige Ausbildungen erhalten und nehmen schon mit Mitte 30 wichtige Führungspositionen ein. Eine Entwicklung, die bei manchem Manager für Erstaunen sorgt, wenn er jemand so vermeintlich Unerfahrenem als Verhandlungspartner gegenübersitzt. Drooghmans agiert als kulturelle Dolmetscherin und versucht, die Gesprächspartner auf eine gemeinsame Ebene zu bringen, die den Verhaltensweisen der Partner Verständnis entgegenbringt und so erst einen konstruktiven Dialog ermöglicht.
Dabei müsse man gar nicht erst nach Russland oder Asien reisen, um die Auswirkungen der kulturellen Eigenheiten im Wirtschaftsleben zu beobachten, so Drooghmans. Schon in Westeuropa gebe es genug kulturelle Hürden zu überwinden, wenn man über Ländergrenzen miteinander verhandeln wolle. So schätzen etwa Belgier oder Italiener die deutsche Effizienz und Qualität sehr. Bei Verhandlungen könne sie aber auch hinderlich sein, etwa wenn die deutschen Partner Probleme direkt ansprechen. In diesen Ländern kommuniziere man viel indirekter und achte mehr darauf, dass der Verhandlungspartner immer sein Gesicht waren könne, erläutert Drooghmans.
Das gilt nicht nur für Verhandlungen, sondern auch für Werbung und Marketing. "Man kann nicht amerikanische Werbung eins zu eins in Deutschland umsetzen. Das wäre oft zu grell und laut." Insofern hat sie sich mit Wiesbaden einen zentralen Standort ausgesucht, von dem aus sie nicht nur deutschen Unternehmen und Institutionen die kulturellen Eigenheiten anderer Länder für den Aufbau einer erfolgreichen Kommunikation näher bringen kann.

