Von Falk Sinß
LITERATUR Luxbooks verlegt US-Lyrik
Sie haben nichts dem Zufall überlassen. Sie haben alles von langer Hand geplant. Trotzdem waren Christian Lux und Annette Kühn von dem Erfolg ihres jungen Buchverlages überrascht. "Dass wir so schnell bemerkt werden, hätten wir nicht gedacht", sagt Lux. Denn obwohl die beiden erst seit einem knappen Jahr Bücher veröffentlichen, hat sich ihr Verlag Luxbooks schon einen Namen gemacht.
Für junge Dichter
Die Gründe dafür sind vielfältig: eine genaue Kenntnis des Buchmarktes, eine große Leidenschaft für das eigene Schaffen und eine gesunde Portion Selbstbewusstsein. "Wir haben nicht tiefgestapelt, wir haben mit unserem ersten Verlagsprogramm gleich die Großen angeschrieben", sagt Lux. Und haben damit offene Türen eingerannt, denn ihr Angebot füllt eine Nische in der deutschen Literaturlandschaft: Übersetzte amerikanische Nachkriegslyrik findet man hierzulande - von der Beat-Literatur einmal abgesehen - nur schwer.
Ihre Reihe "luxbooks americana", in der bisher unter anderem Werke von Barbara Guest, Arielle Greenberg oder Craig Arnold erschienen sind, soll diese Lücken nun schließen. Jedes Buch erscheint zweisprachig. Als Übersetzer fungieren entweder Lux selbst oder junge Dichter wie Ron Winkler oder Jan Volker Röhnert. Ihr Anspruch an die Buchreihe sei ein literaturwissenschaftlicher, sagt Lux. "Es liegt uns nichts daran, gerade den gehypten jungen Autor zu publizieren." Die Reihe sei vielmehr als Bibliothek angelegt, die nach und nach die Entwicklungen und popkulturellen Bezüge in der amerikanischen Lyrik darlege. Deshalb werden bei Luxbooks auch alte und in Vergessenheit geratene Autoren verlegt, wie Hart Crane oder Amy Lowell. "Wir wollen die Stimmenvielfalt der Autoren", sagt Lux.
Mit ihrer Leidenschaft für die amerikanische Dichtung haben sich Lux und Kühn sogar schon solch einen guten Namen gemacht, dass sie kürzlich den Gedichtband "Americana" von John Updike veröffentlichen durften.
Doch nicht nur Autoren aus den Vereinigten Staaten werden bei Luxbooks verlegt. Auch junge deutsche Dichtung findet hier Gehör. So erschien in diesem Frühjahr der Debütband "Fluglärm über den Palästen unsrer Restinnerlichkeit" von dem Prosanova-Preisträger André Rudolph bei dem Wiesbadener Verlag.
Ein Grund für den Erfolg ist sicher auch die Liebe zum Buch selbst. Die wird deutlich, sobald man eines der fast quadratischen Bücher zur Hand nimmt. Dort erwarten den Leser nicht einfach weiße Seiten mit Text, sondern gelungene Illustrationen harmonieren mit dem geschriebenen Wort. Und statt eines schlichten Fotos zeichnet der Wiesbadener Künstler Bruno Zaid für jeden Band ein Porträt des jeweiligen Autors. "Text und Bild sollen in einen Dialog treten", erklärt Kühn. Deshalb veröffentlicht der Kleinverlag auch vermehrt grafische Titel, die "Grenzgänger zwischen Kinderbuch und Graphic Novel" sein wollen. Jüngst erschien zum Beispiel Jane Austens "Die kleine Geschichte Englands", die von Mary Schlundt illustriert wurde.
Auch Pop und Romane
Für die Zukunft haben Kühn und Lux mit ihrem Verlag, den sie noch in ihrer Freizeit von ihrer Wohnung am Bismarckring aus führen, viel vor. Dann sollen nicht nur Lyrik und Grafikbände bei Luxbooks erscheinen, sondern auch Anthologien, popkulturelle Studien, Fotobände, literarische Essays und Romane erscheinen.

