Von Heinz Porten
INTEGRATION Baham Adily liefert Rindfleisch und Maschinen in die arabische Welt / Seit 1975 in Deutschland
Seit 2007 ist Baham Adily mit seiner Firma Aditec Import & amp; Export in Wiesbaden ansässig. Der Iraner exportiert vor allem Rindfleisch aus Deutschland und den Niederlanden in den arabischsprachigen Raum. Außerdem handelt er mit Maschinen, die er auch in sein Heimatland Iran liefert. Obwohl es ihn 1975 nach Deutschland verschlagen hat, er seit 1998 die deutsche Staatsangehörigkeit hat, lebt Baham Adily wegen seiner beruflichen Tätigkeit "in zwei Welten".
Nach Deutschland kam Adily als 20-Jähriger zum Studieren. Er wohnte ein Jahr in der Nähe von Bremen. "Ich wollte nicht nur schnell die Sprache lernen, sondern auch möglichst viel über die Tradition, die Geschichte und das Leben in Deutschland." Die Arbeitswelt lernte er durch Jobs und Praktika kennen. Schon damals beeindruckte ihn die hiesige "Arbeitsmoral" mit ihrer Zielstrebigkeit, ihrem Fleiß und ihrer Disziplin. "Diese Tugenden", so Adily, habe er sich schnell zu eigen gemacht. In den orientalischen Ländern seien die Menschen lockerer, genießen mehr das Leben. "Im Süden arbeitet man, um zu leben, hier lebt man eher, um zu arbeiten", beschreibt der Unternehmer die Unterschiede in der Mentalität zwischen Okzident und Orient.
Nach seinem Maschinenbau-Studium an der Fachhochschule Frankfurt stand der Entschluss, beruflich und privat die Wurzeln in Deutschland zu schlagen. Ursprünglich hatte Adily nämlich vor, wieder in den Iran zurückzugehen, um dort etwas aufzubauen. Doch schließlich war er überzeugt, dass sich in Deutschland deutlich bessere Möglichkeiten bieten.
Zunächst arbeitete er in verschiedenen Ingenieurbüros, machte sich aber schon bald als Ingenieur selbstständig. Später reizte ihn der Handel mehr als das Technische. Zunächst spezialisierte er sich auf Maschinen, die er auch nach wie vor in den Iran und in die arabische Länder liefert, bevor der Handel mit Rindfleisch zu seinem Hauptbetätigungsfeld wurde.
Baham Adily ist mehrmals im Jahr in der Golfregion unterwegs. In seiner alten Heimat besitzt er auch ein Haus. "Es gibt hier wie dort zuverlässige und unzuverlässige Geschäftspartner." Wie jedem guten Kaufmann sei ihm das Vertrauen für die Zusammenarbeit mit Partnern und Kunden wichtig, betont der Händler, der die Interessen seiner Klientel aus der Golfregion wahrnimmt und sich etwa bei Verzögerungen oder Reklamationen beim Hersteller oder Lieferanten für sie einsetzt. Generell sieht er keinen großen Unterschied im Geschäftsgebaren zwischen dem arabischen Raum und dem Westen.
Nach über 25 Jahren beruflicher Tätigkeit in Frankfurt ist er 2007 mit seiner Firma und seiner Familie für eine "gute schulische Ausbildung seiner Tochter" nach Wiesbaden gezogen. Längst fühlt er sich auch als Deutscher, der gerne Kino und Theater besucht und das gesellschaftliche Leben verfolgt. In Frankfurt beispielsweise hat sich Baham Adily intensiv mit Goethe beschäftigt.
Deutschland sieht er also schon lange nicht mehr nur als Basis für eine wirtschaftliche Zukunft. "Ganz bewusst" in die Gesellschaft integriert, wird ihm jedoch auf seinen Reisen immer wieder klar, dass er in zwei Welten lebt. Für Adily keineswegs ein Nachteil, sondern eine Bereicherung: "Freunde nennen mich den "orientalischen Preußen". Schließlich wird ihm nachgesagt: Er verfolge engagiert seine Ziele, verstehe aber auch das Leben zu genießen.

