Studentenglück im Osten Deutschlands?
01.10.2011 - WIESBADEN
Von Marcella Melien
STUDIUM Kampagne wirbt für Universitäten in den neuen Bundesländern / Günstigere Mieten und Lebensmittel / Keine Studiengebühren
Vier Tage der offenen Tür unter dem Motto „Dschungel-Tour“ haben den Wiesbadener Patrick Enders überzeugt: Er wird ab Oktober Forstwirtschaft an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde studieren. „Der Campus ist übersichtlich, neu und schön“, sagt er. „Und die Lage nahe an Berlin ist natürlich auch super.“ Aktuellen Umfragen zu Folge hat Patrick eine gute Wahl getroffen. „Studenten in den neuen Bundesländern sind zufriedener als im Westen - etwa wenn es um Betreuung, Serviceleistung und fachliche Qualität der Lehrveranstaltungen geht“, sagt Katrin Kuhn von der Hochschulinitiative Neue Bundesländer. Für die Hochschulen im Osten spreche außerdem, dass sie mit modernen Räumlichkeiten, Bibliotheken und Laboren gut ausgestattet seien und über eine hervorragende Infrastruktur verfügten.
Niedrigere Kosten
Auch die Lebenshaltungskosten seien deutlich niedriger: Im Durchschnitt gebe ein Student im Osten 50 Euro weniger im Monat für die Miete aus, und auch Ernährung, Kleidung und Freizeit seien günstiger. An den Hochschulen fielen keine Studiengebühren an. Stattdessen erhielten Studenten in vielen Städten „Begrüßungsgeld“, wenn sie ihren Hauptwohnsitz verlegen. Es bestünden auch gute Chancen auf einen Studienplatz, „da es durch den demographischen Wandel eine gegenläufige Bewegung in Deutschland gibt: Im Osten sinkt die Geburtenrate seit der Wende, im Westen hingegen steigt sie“, erklärt Katrin Kuhn. Einige ausgefallene Studiengänge, wie „Urbanistik“ in Weimar oder eine deutsch-polnische Juristenausbildung in Frankfurt an der Oder, zeichnen die Hochschulen im Osten zusätzlich aus. Trotz dieser Vorteile würden nur fünf Prozent der Westdeutschen gerne in Ostdeutschland studieren. Woran liegt das? „Es herrschen noch viele Vorurteile“, weiß Katrin Kuhn. „Viele Schulabsolventen suchen erst einmal im näheren Umkreis nach Möglichkeiten für das Studium. Sie sind nicht über die Hochschulen im Osten informiert.“ Wer die Hochschulstandorte nicht selbst besucht habe, wisse oft nicht, wie attraktiv sie seien. Deshalb hat es sich die Kampagne „Studieren in Fernost“ der Wirtschaftsministerien der neuen Bundesländer als Ziel gesetzt, Ost und West zusammenzubringen, füreinander zu begeistern und westdeutsche Studieninteressierte auf die Hochschulen der neuen Bundesländer aufmerksam zu machen. Um die besondere Serviceleistung zu demonstrieren, wurde die Aktion „Campus Shuttle“ von der Hochschulinitiative Neue Bundesländer ins Leben gerufen und finanziert.
95 Erstsemesterstudenten bewarben sich mit einer Begründung, warum sie in „Fernost“ studieren wollen, über facebook bei der Initiative. Neun von ihnen erhalten als Preis einen kostenlosen Umzug zu ihrem Studienort, persönliche Umzugshelfer und Abholung, sowie eine Begrüßung durch den Rektor Hochschule. Patrick Enders ist einer der neun Gewinner, die diese Umzugshilfe genießen können. Bei seinem Besuch in Eberswalde hat er schon festgestellt, „dass sich an der Hochschule alle viel Mühe geben.“ So gibt es „Campus Spezialisten“, engagierte Studenten, die ihren zukünftigen Kommilitonen in Sozialen Netzwerken und vor Ort Fragen zur Hochschule und zum Leben in ihrer Stadt beantworten.

