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Wiesbadener Kurier

Schierstein 

Ein Wölkchen Entschleunigung

23.07.2009 - SCHIERSTEIN

Von der Alten Schmelze in die ganze Welt: Aladin Ktobs Firma "Aladin" handelt erfolgreich mit Wasserpfeifen

An Wasserpfeifen scheiden sich die Geister. Ungeachtet der Diskussionen blüht an der Alten Schmelze in Schierstein Aladin Ktobs Handel mit den "Shishas".

Von

Stefan Weiller

Sie blubbert, gurgelt, dampft, wirkt schon beim Zuhören seltsam beruhigend - und ist eine Wissenschaft für sich: die Wasserpfeife. An ihr scheiden sich die Geister: Die einen sind glühende Gegner, weil sie das Rauchen mit einer Shisha, so wird die Wasserpfeife im Arabischen genannt, für gesundheitsschädlich und suchtfördernd halten. Die anderen lieben das orientalische Rauchgerät heiß und innig - für sie wurde die Shisha zum Inbegriff von Genuss und Lebensfreude.

An die zweite Gruppe wendet sich das Angebot von Aladin Kotb. Der Wiesbadener mit ägyptischen Wurzeln macht von Schierstein aus Geschäfte mit allem, was Shisha-Liebhabern das Herz höher schlagen lässt. Er hat nicht nur rund 100 verschiedene Wasserpfeifenmodelle - von schnörkelig bis elegant - im Angebot, sondern auch jede Menge Ersatzteile, Zubehör und vor allem eine schier endlose Auswahl unterschiedlicher Tabakaromen.

"Eigentlich sind es rund 50 Geschmackssorten, aber einige Kunden mischen sich ihren Tabak selbst", sagt Hamid Reza Hooshami, Geschäftsführer des Unternehmens. Die Aromenpalette der Tabake reicht von Apfel, Cola, Melone bis Zimt. Untereinander sind sie grundsätzlich kombinierbar, sofern man auf Lakritz und Pistazie-Mischungen steht.

Das Ritual des Pfeiferauchens ist ein klein wenig mit der geheimnisvollen Aura einer japanischen Teezeremonie vergleichbar. Und so kann es funktionieren: Zuerst mal muss man für eine geeignete Atmosphäre sorgen - ein Sitzkissen, auf das man sich bequem hinlümmeln kann, ist ideal. Ein bisschen Buddha-Bar-Musik schadet nicht, ebenso wenig wie heißer Aroma-Tee für den Flüssigkeitshaushalt, wobei das, was mit der Shisha gemacht wird, wahrlich nicht schweißtreibend ist: Entspannen ist angesagt.

"Viele Shisha-Raucher sind zwischen 20 und 30 Jahre alt, in Studium und Beruf engagiert, und abends setzen sie sich gerne bei einer Wasserpfeife zusammen", sagt Aladin Kotb. "Mit Drogen hat das absolut nichts zu tun", betont Kotb, der weiß, dass man seine Pfeifen zum Drogenmissbrauch verwenden kann, "aber gemacht habe ich sie dafür nicht".

Die Konsumentengruppe werde immer älter und gesetzter. Wasserpfeiferauchen sei kein Freak- oder Junkie-Phänomen. Das freut natürlich das Großhandelsunternehmen aus Schierstein, das seit Jahren expandiert und derzeit zwölf Angestellte aus sieben unterschiedlichen Herkunftsländern in Lohn und Brot bringt.

StartschwierigkeitenMit Shishas ist Geld zu machen. Das war nicht immer so: Anfangs hatte es die Pfeife schwer. In Kotbs Herkunftsland Ägypten ist das gemeinsame Rauchen tief in der Gesellschaft verwurzelt. Traditionell treffe man sich dort, um gemeinsam am Schlauch zu nuckeln, der aus der geschwungenen Flasche ragt. Durch ihn dringt der Rauch, der am oberen Ende der Flasche in einem Tontopf erzeugt wird. Das Töpfchen ist mit durchlöcherter Alufolie abgedeckt. Darauf liegt ein Stück glühender Kohle, mit der der Tabak verdampft wird. Von alleine würde der mit Honig-Melasse versetzte, klebrige Tabak nicht glimmen.

Feucht und süß"Der Tabak ist so feucht und süß, man könnte ihn fast essen", sagt Kotb im Scherz. Aber wer sich nach dem Hautkontakt mit dem duftenden, pappigen Tabak die Fingerkuppe leckt, versteht Kotb. Wie matschiges, klein gehäckseltes Dörrobst liegt die Rauchware, für die der übliche Tabak-Steuersatz erhoben wird, in Zellophan verpackt.

Der Rauch passiert, bevor er Mund und Lunge füllt, eine Wasserlache im Bauch der Flasche. Angeblich werde damit der Rauch gefiltert und von Schadstoffen befreit. Eine höchst umstrittene Theorie. Letztlich atmet man den Rauch tief ein, weil die Distanz von Flasche bis zum Mund 60 oder 80 Zentimeter betragen kann und durch kräftiges Einziehen überwunden werden muss. "Normale Zigaretten sind schädlicher, weil sie direkt im Gesicht verdampfen", behauptet Kotb. Und noch ein Argument hat er in petto: "Wasserpfeife raucht man nicht beiläufig bei der Arbeit oder im Auto. Man muss sie genießen."

Das sehen wohl auch viele Konsumenten so. In etlichen Städten - auch in Wiesbaden - sind Shisha-Bars zu finden, in denen ein Pfeifchen mit Freunden geschmaucht werden kann. Shishas sind Lifestyle-Produkte, die nervigen Alltagsstress hinter lustigen Rauchwölkchen verschleiern. So jedenfalls die romantische Deutung. Doch in Schierstein geht es ums Geschäft: "Wir verkaufen Qualität und erst in zweiter Linie ein Lebensgefühl", sagt der wortgewandte Geschäftsführer des modernen Großhandelsunternehmens, das seit 1999 am Markt ist. Selbstständig ist Kotb schon seit 25 Jahren. Angefangen hat er als Straßenhändler in Frankfurt. Den Standort Wiesbaden schätzt er, weil er in der Mitte Deutschlands liegt und dem Vielflieger beste Anbindung in alle Welt bietet. Kotbs Kunden ordern aus allen Erdteilen, sogar die Färöer-Inseln gehören dazu.

Kotb profitiert von der Globalisierung: "Die ganze Welt ist hektisch, viele sehnen sich nach Ruhe bei einer Wasserpfeife", so Kotb. Zum Rauchen anleiten will er aber nicht: "Das muss jeder selbst entscheiden." Dass es sich bei Wasserpfeifen keineswegs um einen kurzlebigen Trend handelt, davon ist man bei Aladin - so der Firmenname - überzeugt. Wie Schokolade und Kaffee werde sich auch die Wasserpfeife als Genussmittel etablieren.

Und wer abends am Rheinufer plötzlich eine Schwade schweren Orangendufts in der Nase hat und es prasseln und blubbern hört, kann durchaus davon ausgehen, dass irgendwo ein Pfeifchen glimmt, denn in den Sommermonaten treffen sich dort viele junge Leute, um sich ein Wölkchen Entschleunigung zu gönnen. Der 27-jährige Geschäftsführer von Aladin gehört auch manchmal dazu: "Man muss sich ja mit seinem Produkt identifizieren."

Hamid Reza Hooshami (links) und Aladin Ktob mit einer Auswahl an "Shishas". (Foto: RMB/Friedrich Windolf)


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