Die starken Bilder von Nachwuchs-Filmern
26.05.2010 - NAUROD
Von Laura-Julie Weißkopf
WETTBEWERB Gewinner des Wiesbadener Medienzentrums drehen mit professioneller Unterstützung im Wilhelm-Kempf-Haus
. Im hellen Tagungsraum mit Flipchart wirbelt ein Mann durch das Zimmer, tanzt und ruft: „Yeah, yeah. Tolles Lied!“ Neun Augenpaare starren ihn an. Stopp. Alles auf Anfang. „So könnte man die Szene auch auflösen“ sagt er.
Freundschaft
„Er“ ist der Filmemacher Simon Rauth, der mit einer der Gewinnergruppen des Wettbewerbes „filmreif“ des Wiesbadener Medienzentrums ihre Filmidee realisiert. Jüngst sind die Jugendlichen im Wilhelm-Kempf-Haus in Naurod zusammengekommen, um mit professioneller Unterstützung zu überlegen, wie man die Szenen filmisch umsetzen könnte.
Der 7-minütige Streifen „Freundschaft mit Hindernissen“ einer achten Klasse des Gutenberg Gymnasiums handelt von der Brieffreundschaft zwischen Anna und Chrissi, von denen eine aus behüteten Verhältnissen stammt und die andere in der Jugendvollzugsanstalt sitzt. „Annas Mutter könnte auch herein kommen und ihr Sachen wegnehmen, damit Anna nicht mehr mit Chrissi schreibt“, schlägt Schülerin Lisa vor. Rauth ist begeistert: „Das ist ein ganz starkes Bild.“
Nicht nur die Wettbewerbsgewinner treffen sich in der Nauroder Tagungsstätte. Über 150 junge Menschen bis einschließlich 27 aus ganz Deutschland nehmen hier am Festival „Werkstatt der jungen Filmszene“ teil. Sie präsentieren ihre Filme und können bei Workshops mitmachen.
Das Wilhelm-Kempf-Haus ist ausgebucht, überall trifft man auf die jungen Filmemacher. Auf der Wiese, in der Aula, in den Tagungsräumen. Öffne eine Tür, und es ist Film dahinter.
Der perfekte Platz für ein Treffen der filmreif-Gewinner, findet Maria Weyer, Projektleiterin des Medienzentrums. „Es ist ein geeigneter Ort, wo man konzentriert am Drehbuch schreiben und gleichzeitig Film-Nachwuchs-Atmosphäre schnuppern kann“, sagt sie.
Draußen auf der Wiese ist das zweite Siegerteam, eine elfte Klasse der Diltheyschule, in eine heftige Diskussion verwickelt. Thema: Worum geht es in unserem Film eigentlich? „Es geht hauptsächlich darum, dass die Menschenrechte woanders nicht respektiert werden“, sagt Jasmin, die das Drehbuch geschrieben hat. Ihre Klassenkameradin hingegen ist thematisch ganz woanders. „Es soll ja nicht heißen, dass jeder Drogen nehmen muss“, wirft sie in die Runde. Maria Weyer beobachtet die Szene schmunzelnd. „Wir haben sie ein bisschen ins kalte Wasser geschmissen. Aber die Gruppe soll einfach mal machen“, meint sie. Das Konzept scheint aufzugehen. Die Schüler sind begeistert von dem Projekt. „Man lernt richtig viel und hat Freiraum, eigene Ideen zu entwickeln“, sagt Benjamin. Der 17-Jährige wird unter anderem Regie führen.
In der abgedunkelten Aula wird applaudiert. Gerade endet einer der 72 Filme, den die Jury der „Werkstatt der jungen Filmszene“ aus über 250 Einsendungen ausgewählt hat.
Auf der ganz großen Leinwand werden bald auch schon die Werke der filmreif-Gewinner zu sehen sein. Am 1. Juli werden die Jugendlichen im Caligari unter den Zuschauern sitzen und vielleicht wird der ein oder anderen den Atem anhalten, wenn sein Film Premiere feiert.

