Himbeer-Gebäck für Hundezungen
25.02.2010 - NAUROD
Volker Standarski backt Kekse für Vierbeiner/Erkrankung seines Rottweilers führte zur Geschäftsidee
Auch Leckermäuler unter den Vierbeinern müssen nicht auf Süßes verzichten. Denn in Naurod hat sich Volker Standarski ein nebenberufliches Standbein als Hundekeksbäcker geschaffen.
Von
Julia Anderton
Wer seinen Hund schon einmal dabei erwischt hat, wie er heimlich eine Packung Butterkekse verschlungen hat, weiß, dass auch Vierbeiner auf Plätzchen stehen. Doch Zucker und andere Inhaltsstoffe machen diesen Genuss zu einem alles andere als gesunden Snack für Vierbeiner.
Strenge DiätVerzichten müssen die Fellnasen trotzdem nicht, dank Volker Standarski. Auslöser für die Idee mit den Hundekeksen war die Arthritiserkrankung seiner dreijährigen Rottweilerhündin "Neea". Denn da glutenhaltige Nahrungsmittel die Symptome verstärken, mussten von nun an strenge Diätvorschriften beachtet werden. Da Gluten unter anderem in Weizen enthalten ist, wurden die Hundekekse vom Speiseplan gestrichen. Zumindest so lange, bis Standarski selbst zu Teigschüssel und Rührlöffel griff. "Die ersten Versuche haben noch nicht so richtig hingehauen, da sind die Kekse schnell angebrannt." Doch der 43-Jährige, der hauptberuflich als Autoverkäufer arbeitet, hatte den Dreh schnell heraus und "Neea" zeigte sich angetan. Und nicht nur sie - auch die Vierbeiner von Freunden und Kollegen verspeisten die Hundekekse mit Begeisterung.
Mittlerweile besteht das Sortiment aus zehn Sorten. Künstliche Zusätze wie Geruchs- und Konservierungsstoffe werden nicht verwendet. Die Knabbereien gibt es in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen, mit Thunfisch, Hühnerleber, Hüttenkäse, Mais oder Emmentaler.Auch Süßmäuler kommen bei Dinkel-Kokos-Gebäck oder Himbeer-Vanille-Stückchen auf ihre Kosten.
Experimentierfreude und ein unempfindliches Geruchsorgan sind wichtige Voraussetzungen. Insbesondere bei der Zubereitung der "Leberbrötchen" ist es von Vorteil, dass die Standarskis in einem freistehenden Haus wohnen und keine Beschwerden von Mietern wegen der penetranten Geruchsentwicklung fürchten müssen. "Wenn man Leber verarbeitet, hat man zwei Tage lang den Gestank in der Wohnung."
Aber davon lässt sich der gebürtige Münchener nicht abhalten, zumal auch Ehefrau Karina, eine waschechte Nauroderin, ihm gern assistiert. Das ist gut, denn sonst würde sie ihn wohl nicht allzu oft zu Gesicht bekommen, denn "wenn man zehn Kilo Kekse herstellt, ist das ganze Wochenende weg!"
Vor einem knappen Jahr hat Volker Standarski einen Webshop ins Leben gerufen, der die Grundlage für seinen Nebenjob bildet. "Es war schade, als die Hundebäckerei in Biebrich zugemacht hat. Wir waren dort Stammkunden mit unserer früheren Hündin."
Bislang gibt es die Hundekekse unter dem Namen "Neea´s Best" nur über das Internet zu kaufen, doch die Akquise-Tour durch Hundeboutiquen der Region ist fest geplant. Vier Jahre hat er sich gegeben, um ein erfolgreiches Kleinunternehmen aufzubauen. Wenn sich das Geschäft so gewinnbringend entwickeln sollte, dass die Standarskis davon ihren Lebensunterhalt bestreiten könnten, könnte er sich vorstellen, seinen Hauptjob im Autohaus an den Nagel zu hängen. Negative Kommentare sind Standarski bislang nicht zu Ohren gekommen. "Ich halte es ja selbst für dekadent. Ich backe Kekse für Hunde und woanders verhungern Kinder. Aber ich lebe nun mal hier!"
Die Hundekekse kostet Standarski übrigens fast alle selbst, ausgenommen die Sorten mit Fleischaroma. Berührungsängste hat er keine: "Das ist lecker und gesund."

