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Kostheim 

Kasteler Bürgerinitiative geht auf Distanz zu Montagsdemos

07.02.2012 - KOSTHEIM

Von Wolfgang Wenzel

Auf Distanz bleibt die Bürgerinitiative gegen Bahnlärm zu den Montags-Demonstrationen auf dem Frankfurter Flughafen. Viele Mitglieder seien persönlich aktiv, doch als Gruppe nähmen sie nicht an den Anti-Fluglärm-Aktionen teil. Die Initiative habe zwar erwogen, ihr Engagement gegen Lärm weiter zu fassen, sagte Sprecher Robert Hoss. Die Mitglieder wollten sich zunächst auf das Bekämpfen des Bahnlärms beschränken. „Das heißt jedoch nicht, dass dies so bleibt“, sagte Hoss. Fest stehe, dass die Deutsche Flugsicherung nur auf Druck der Öffentlichkeit über die Einführung von lärmmindernden Sinkflugverfahren und größeren Anflughöhen nachdenke. Die neue Nordwestbahn habe als Lärmquelle neben den Bahnstrecken in Kostheim an Gewicht gewonnen. Er persönlich finde es schade, dass die Proteste gegen Fluglärm in Amöneburg, Kastel und Kostheim auf Sparflamme liefen.

Im Schulterschluss

Die Gruppe sei bestrebt, mit anderen Anti-Lärm-Initiativen in Kontakt zu bleiben und habe in der Stadt einen verlässlichen Bündnispartner gefunden. Was den Anti-Bahnlärm-Kurs angehe, sei der „Schulterschluss“ mit Bürgermeister Goßmann ein Erfolg. Hier gehe es um konkrete Verbesserungen für die Anwohner von durchlärmten Vierteln. Optimierung von Schutzkonzepten, aktiver Lärmschutz, ein Tempolimit für Güterzüge und ein Umrüsten von Lokomotiven und Wagen auf den Stand der Technik lauteten die Stichworte. Wenn schon Güterzüge, dann müssten sie „auf leisen Sohlen“ durch Kostheim fahren, sagte Hoss. Die Initiative bleibe dabei, dass die Lärmschutzwände nicht optimal ausgeführt worden seien. Es wäre falsch, von signifikanten Reduzierungen der Schallemissionen zu reden. Die Initiative werde mit eigenen Geräten an Messpunkten entlang der Hauptstrecke im Gartenweg den Beweis antreten. Die Resultate würden veröffentlicht, Alt und Neu als Vergleichsgrößen gegenübergestellt. Dann werde man wissen, wer recht habe an einer Lärmschutzwand, die keine Einheit bilde, sondern Lücken aufweise. Partiell habe der Lärmschutz etwas gebracht, doch in der Summe für die Betroffenen nicht, sagte Hoss. Die Situation sei kurios genug. Vor Häusern aus den 70er Jahren, bei deren Baugenehmigung das Immissionsschutzgesetz gegriffen habe, gebe es Aussparungen. Sie böten dem Bahnlärm, der von den Wänden auf der Gegenseite der Schienen reflektiert werde, ein Einfallstor.

An der Nebenstrecke entlang des ungeschützten Dornfelderwegs sei im Moment nur wenig auszurichten. Vor anderthalb Jahren habe es den Anschein gehabt, als nehme der Güterzugverkehr auf dieser Strecke ab. Jetzt sei das Rumpeln wieder stärker geworden. Die Befürchtung der SPD, dass die Gleise ab 2017 exklusiv dem Güterverkehr zur Verfügung stünden und die Bahnschranke auf der Hochheimer Straße öfter und länger geschlossen bleibe, sei daher berechtigt. Hier gehe es um das Schaffen einer Nord-Süd-Verbindung durch Europa mit einem „Nadelöhr“ in Kostheim. Die Bahn versuche offenbar, den Schienenverkehr arbeitsteilig zu gestalten, auf der Hauptstrecke nur noch Personenzüge, auf der Nebenstrecke die Güterzüge. Verkehrswirtschaftlich ergebe dies einen Sinn, weil S- und Regionalbahnen Vorfahrt hätten und die Güterzüge, die aus Richtung Bischofsheim kämen, stoppen müssten. Der Schlüssel liege in einem Umbau der Anlagen am Kasteler Gleisdreieck. Die Bahn habe jedoch noch nicht mit dem Umbauprojekt an der so genannten Igelsteinkurve begonnen, für das sie eine Genehmigung habe, die nach vier Jahren erlösche.

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