Tagung: Wie lässt sich in denkmalgeschützten Häusern Energie sparen?
10.02.2012 - BIEBRICH
Von Angelika Eder
Restlos ausgebucht war die Tagung „Denkmalschutz und Energieeinsparung“ im Biebricher Schloss. Über 150 Architekten, Vertreter von Behörden, kirchlichen Bauträgern sowie andere Experten aus der gesamten Bundesrepublik besuchten die Veranstaltung des Landesamts für Denkmalpflege Hessen, des Instituts für Steinkonservierung in Mainz und des Instituts für Massivbau, Fachbereich Werkstoffe im Bauwesen der Technischen Universität Darmstadt.
Dass man sehr viel mehr Anfragen zu verzeichnen hatte, als Plätze vorhanden waren, führte Roswitha Kaiser vom Landesamt auf den besonderen Stellenwert der „energetischen Ertüchtigung von Kulturdenkmälern“ zurück. Diese leide bisher oft darunter, dass der bei Neubauten vorherrschende Gedanke der äußeren Hülle, also der Außenfassadendämmung, 1:1 auf sie übertragen werde. Dagegen müsse man bei Denkmälern völlig anders planen, um einen „Gestaltverlust“ zu verhindern. Ein Rezept gebe es diesbezüglich nicht, jeder Bau stelle seine eigenen Anforderungen, sodass individuelle Lösungen zu berücksichtigen seien.
Zahlreiche Vorträge
Wie viele Details dabei zum Tragen kommen, wurde in den Vorträgen über innovative Anlagentechnik, „Verpackungsalternativen“ in Form von Innen- oder Hohlraumdämmungen sowie Optimierungspotenziale durch Haustechnik deutlich. Darüber hinaus erläuterten Experten positive Beispiele aus Limburg, Frankfurt und Wiesbaden. In Wiesbaden handelt es sich um das Haus der evangelischen Kirche an der Ecke zwischen Schlossplatz und Herrnmühlgasse, 1959 erbaut und 2010 renoviert, sowie das frühere Finanzamt. Bei Letzterem etwa wurden der 50er-Jahre-Bauweise entsprechend zahlreiche Energieeinsparungsmaßnahmen getroffen, die das Erscheinungsbild nicht beeinträchtigen. So zum Beispiel der Glasscheibenaustausch bei Rahmenerhalt bis hin zur Verwendung starker Dämmplatten vor den Heizungen hinter schmalen Brüstungsfeldern. Sie verhindern im Fall des ehemaligen Finanzamts einen Wärmeverlust von rund 50 Prozent. Die Kosten seien relativ günstig gewesen, sagt Denkmalpfleger Heinz Wionski.
Staatliche Förderung
Dafür, dass Denkmalbesitzer künftig bei einer energetischen Sanierung ohne Veränderung der Gebäudecharakteristika Kosten einsparen beziehungsweise staatliche Fördermittel bekommen können, ist das neue KfW-Fördersegment „Effizienzhaus Denkmal“ gedacht, das am 1. April 2012 in Kraft tritt. Die Voraussetzung ist allerdings laut Kaiser die fach- und sachgerechte Unterstützung durch einen ausgewiesenen Energieberater. Ein solcher Spezialist für Denkmalschutz einerseits und Energieeinsparung andererseits, dessen Ausbildung in Planung ist, müsse von Anfang an eingebunden werden, wenn man Gelder der KfW beanspruchen wolle. Nur ein Gesamtkonzept verhindere falsche Einzelmaßnahmen. Und wie wichtig das Thema im Hinblick auf die Energiesparverordnung werde, zeige allein folgender Sachverhalt: „Das Thema betrifft über 25 Prozent der Bausubstanz unserer Städte.“

