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Wiesbadener Kurier

Wiesbaden 

Laufende Motoren und rasende Busfahrer

16.09.2009 - FRAUENSTEINV

Vorort auf Tour: Vertreter von Eswe Verkehr stellte sich den Fragen der Fahrgäste/Bei Problemen direkt Kontakt aufnehmen

FRAUENSTEINVon

Falk Sinß

"Das hören wir immer wieder", war einer der häufigsten Sätze, der im Gespräch zwischen Frauensteiner Bürgern und Jörg Gerhard, dem stellvertretenden Betriebsleiter der Eswe-Verkehr bei VorOrt auf Tour in Frauenstein fiel. Denn vieles, was die Frauensteiner rund um den Busverkehr der Eswe zu bemängeln hatten, ist nicht neu.

Udo Stieglitz wohnt in direkter Nachbarschaft zur Endhaltestelle der Linie 24 an der Bürgermeister-Schneider-Straße. Er klagte über massive Lärmbelästigungen durch wartende Busse, die vor allem abends und nachts die Motoren ihrer Fahrzeuge laufen ließen, solange sie in Warteposition stünden, sagte Stieglitz. "Wir kennen das Problem", sagte Gerhard. Die Dienstanweisung hierzu sei eindeutig: Der Motor habe auszubleiben. Erst kürzlich seien den Busfahrern die Anweisungen wieder mitgeteilt worden.

Tag und Uhrzeit notierenStieglitz empfahl er, sich künftig Tag und Uhrzeit zu notieren, wenn wieder einmal ein Bus mit laufendem Motor an der Haltestelle warte und dies der Eswe mitzuteilen. "Dann wissen wir, um welchen Fahrer es sich handelt. Nur dann können wir konkret dagegen vorgehen." Denn man könne nicht jedem Busfahrer einen Aufpasser zur Seite stellen.

Die jüngste Dienstanweisung haben anscheinend nicht alle Busfahrer gelesen, denn auch der Fall, den Alfred Kremer schilderte, ist eigentlich klar geregelt. Kremer kann sich nur noch mit Krücken fortbewegen. Regelmäßig hat er Schwierigkeiten, in den Bus einzusteigen, da der Einstieg so hoch sei. Viele ausländische Busfahrer senkten dann ganz automatisch den Bus ab, um ihm den Einstieg zu erleichtern. Viele deutsche Busfahrer würden das jedoch nicht machen. Und wenn Kremer sie im Bus darauf anspreche, dann bekäme er häufig eine pampige Antwort. Auch hier verwies Gerhard auf die aktuelle Dienstanweisung, die im Sommer an die Busfahrer ging. "Das Absenken des Busses auf eine Seite, um gehbehinderten Menschen den Einstieg zu erleichtern, sollte selbstverständlich sein."

Kritik an DreckEin weiterer Kritikpunkt, den Kremer anbrachte, war die Verunreinigung einiger Bushaltestellen. Er berichtete von einem Fall, bei dem ein ganzer Eimer Kartoffelsalat um das Wartehäuschen der Haltestelle an der Bürgermeister-Schneider-Straße verteilt worden sei. Es habe fünf Tage gedauert, bis die Stadt den Dreck weggeräumt habe, obwohl er ELW und die Stadt darüber informiert habe, sagte Kremer. Gerhard riet ihm, künftig direkt bei Eswe anzurufen, denn ELW habe einen Vertrag mit Eswe, der sie zur Reinigung verpflichte, sobald Eswe ihr den Auftrag dazu erteile. "Rufen Sie uns an, dann geht das schneller."

Wann das Dach der Bushaltestelle am Goethestein repariert werde, wollte Horst Sauer wissen. Seit mehr als einem Jahr sei es undicht. "Man kann sich darin duschen, wenn es regnet", sagte er. Hier hatte Gerhard Positives zu vermelden. Der Dachdecker habe sich mittlerweile den Schaden angeschaut. Es sei allerdings noch unklar, ob das Dach bloß geflickt werde oder die Haltestelle ein neues Wartehäuschen bekomme. Wie auch immer, "in diesem Herbst soll das noch gemacht werden".

Wieso Busse, die eine Viertelstunde Verspätung haben, oft zusammen mit dem nächsten fahrplanmäßigen Bus losfahren würden, wollte Manfred Bastian wissen. Das sei leider nicht anders möglich, antwortete Gerhard. Wenn man in solch einem Fall den regulären Bus warten und nur den verspäteten Bus losfahren ließe, dann käme der gesamte Fahrplan durcheinander. "Die Strecke der Linie 24 ist nun einmal sehr lang und führt zum Großteil durch die Vororte, wo es meist keine eigene Busspur gibt. Deshalb kommt es immer wieder zu Störungen und Verspätungen, weil sich der Bus im normalen Verkehr bewegt", erklärte Gerhard den Anwesenden.

Lebhafter wurde die Diskussion, als Eva-Maria Birke den Fahrstil vieler Busfahrer ansprach. "Die heizen hier zum Teil die Kirschblütenstraße entlang, sind dann oft zu früh an den Haltestellen, sodass Leute den Bus verpassen." Außerdem habe sie es schon mehrmals erlebt, dass sich die Fahrer während der Fahrt mit Gästen unterhielten und deshalb den Verkehr nicht im Blick hätten. Einmal habe sie mitbekommen, dass der Bus bei Rot über die Kreuzung fuhr. "Ich setze mich nicht mehr vorne hin. Da wird mir ja angst und bange."

Das wollte Gerhard so nicht stehen lassen. "Es gibt einen Unterschied zwischen der gefühlten Geschwindigkeit und der reellen Geschwindigkeit", sagt er. Die Geschwindigkeitsmessung im Ort gelte auch für die Stadtbusse. Deshalb könne er anhand der Strafzettel genau sagen, wann es auf welcher Strecke zu Geschwindigkeitsübertretungen gekommen sei und wann nicht. "Aus Frauenstein bekommen wir nur ganz wenige Strafzettel." Ansonsten bitte er darum, solche Urteile nicht allzu pauschal zu fällen. Der überwiegende Teil der Busfahrer halte sich an die Verkehrsregeln, wofür er Zustimmung von den übrigen Anwesenden erhielt. Fahrer, die zu schnell fahren oder während der Fahrt telefonieren, seien Einzelfälle. Dies könne man aber nur abstellen, wenn man von solchen Fällen wisse. "Deshalb, wenn Sie so etwas mitbekommen, melden Sie sich bei uns. Wir behandeln das selbstverständlich anonym."

Extra-Schulbus möglich?Auch Anneliese Ott meldete sich zu Wort. Sie fragte, ob es nicht möglich sei, zu Schulbeginn und Schulschluss einen Extra-Schulbus für die Schüler der Erich-Kästner-Schule in Schierstein einzusetzen. Gerhard versprach, das zu prüfen, mahnte aber zugleich vor zu übertriebenen Hoffnungen: "An jeder neuen Maßnahme hängt ein Preisschild dran."

Motiviert und engagiert diskutierten die Frauensteiner Bürger. (Fotos: Barbara Yurtoeven)


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